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Marcin Jeliński

Steuerberater (Polen), Sachverständiger
Senior Associate
Tel.: +48 22 244 00 23
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Ab dem 1. Januar 2017 sind wichtige Änderungen im Bereich der Dokumentationspflichten hinsichtlich der Verrechnungspreise in Kraft getreten. Nachfolgend stellen wir Ihnen hierzu die wichtigsten Änderungen dar:

Neue Elemente (Module) der Verrechnungspreisdokumentation

Das novellierte Gesetz sieht die Konzeption einer dreistufigen Verrechnungspreisdokumentation vor, die sich aus folgenden Bestandteilen zusammensetzen wird:

  • landesspezifische Dokumentation (Local File) – sie enthält detaillierte Informationen über Geschäfte und andere in den Handelsbüchern erfasste Geschäftsvorfälle des Steuerpflichtigen, die zwischen dem polnischen Rechtsträger und anderen Konzernunternehmen getätigt werden;
  • Stammdokumentation (Master File) – sie enthält Informationen auf Konzernebene;
  • länderbezogene Berichterstattung (Country-by-Country Reporting).

Je nach den erzielten Einnahmen bzw. getragenen Ausgaben, die sich aus den Handelsbüchern des Vorjahres ergeben, werden die Steuerpflichtigen verpflichtet sein, folgende Module der Dokumentation zu erstellen:

  • Landesspezifische Dokumentation (Local File) – Einnahmen oder Ausgaben von über 2 Mio. EUR;
  • Vergleichbarkeitsanalyse (Benchmarking Study) – Einnahmen oder Ausgaben von über 10 Mio. EUR;
  • Stammdokumentation (Master File) – Einnahmen oder Ausgaben von über 20 Mio. EUR;
  • Länderbezogene Berichterstattung – konsolidierte Einnahmen von über 750 Mio. EUR (die Pflicht zur Berichterstattung betrifft Mutterunternehmen). 

Neue Frist für die Erstellung der Verrechnungspreisdokumentation 

Beachten Sie insbesondere, dass die landesspezifische Dokumentation (Local File) samt Vergleichbarkeitsanalyse für das betreffende Steuerjahr spätestens bis zu dem Tag, an dem die Steuererklärung abzugeben ist, erstellt werden muss. Somit wird ein Steuerpflichtiger, bei dem das Steuerjahr dem Kalenderjahr entspricht, verpflichtet sein, eine Verrechnungspreisdokumentation für 2017 bis zum 2. April 2018 zu erstellen. Die Stammdokumentation (Master File) ist bis zum Tag der Abgabe der Steuererklärung durch das Unternehmen, das für deren Erstellung im Konzern zuständig ist, beizufügen.

Eine Verrechnungspreisdokumentation über die im nächsten Steuerjahr fortzusetzenden Geschäfte bzw. Geschäftsvorfälle, die wesentlichen Einfluss auf die Höhe des Gewinns (des Verlustes) des Steuerpflichtigen haben, wird einer periodischen Durchsicht und Aktualisierung unterliegen müssen, und zwar mindestens einmal pro Steuerjahr vor dem Tag, an dem die Frist zur Abgabe der Steuererklärung für die weiteren Jahre abläuft. Die Vergleichbarkeitsanalyse (Benchmarking Study) muss mindestens alle 3 Jahre aktualisiert werden.

Wie bisher werden die Steuerpflichtigen verpflichtet sein, die vollständige Dokumentation binnen 7 Tagen nach der entsprechenden Aufforderung durch die Steuerbehörde vorzulegen.

Neue Pflicht zur Abgabe einer Erklärung über die Erstellung der Verrechnungspreisdokumentation

Gemäß den neuen Vorschriften wird der Geschäftsführer eines inländischen Unternehmens verpflichtet sein, eine Erklärung über die Erstellung der Verrechnungspreisdokumentation innerhalb der gesetzlichen Frist zu unterzeichnen und der Steuererklärung beizufügen. Die Erklärung über die Erstellung der Verrechnungspreisdokumentation ist zum ersten Mal bis zum 2. April 2018 i.Z.m. Geschäften oder anderen Geschäftsvorfällen, die 2017 erfolgt sind, abzugeben. Wird die Erklärung nicht fristgerecht abgegeben oder werden dort falsche Angaben gemacht, so können die Geschäftsführer zur finanzstrafrechtlichen Verantwortung gezogen werden. 

Neue vereinfachte Berichte (Formulare CIT/TP [PIT/TP])

Sind Steuerpflichtige zur Erstellung der Verrechnungspreisdokumentation verpflichtet, und haben ihre Einnahmen oder Ausgaben im Steuerjahr den Gegenwert von 10 Mio. EUR überschritten, so müssen sie der Steuererklärung einen vereinfachten Bericht beifügen, und zwar über Geschäfte oder andere Geschäftsvorfälle, die mit verbundenen Unternehmen erfolgen oder bei denen die Zahlung der Forderungen unmittelbar oder mittelbar an ein Unternehmen aus einem Gebiet oder einem Land getätigt wird, das schädlichen Steuerwettbewerb treibt. 

Das Muster des vereinfachten Berichts in Form des CIT-TP-Formulars wird in der Verordnung des Ministers für Entwicklung und Finanzen festgelegt, die wahrscheinlich im ersten Quartal dieses Jahres veröffentlicht wird. Die Steuerpflichtigen werden verpflichtet sein, das CIT-TP-Formular zum ersten Mal für 2017, d.h. bis zum 2. April 2018 abzugeben.

Unsere Empfehlung

Die o.g. Vorschriften finden auf Geschäfte oder andere Geschäftsvorfälle Anwendung, die ab dem Steuerjahr abgewickelt werden, das nach dem 31. Dezember 2016 beginnt.

Da die Frist für die Erfüllung der Pflicht zur Erstellung einer Verrechnungspreisdokumentation für 2017 (grundsätzlich bis zum 2. April 2018) kurz und die Darstellung in der Dokumentation sehr detailliert ist, sind wir der Meinung, dass bereits jetzt Maßnahmen ergriffen werden sollen, um die neuen Dokumentationspflichten ordnungsgemäß und innerhalb der gesetzten Frist zu erfüllen.

Gleichzeitig möchten wir hervorheben, dass wir in den letzten Monaten einen erheblichen Anstieg der Anzahl steuerlicher Außenprüfungen und Finanzkontrollen beobachten können, die sich auf die Verrechnungspreise konzentrieren, die von den Steuerpflichtigen in den Jahren 2011-2013 angewandt wurden. Überprüfen Sie bitte, ob Ihnen Verrechnungspreisdokumentationen über Geschäfte aus den Jahren 2011-2016 vorliegen, die nach den bisherigen Vorschriften erstellt wurden.

Sind Sie im Hinblick auf die o.g. Fragen, insbesondere bei der Überprüfung der Pflichten aufgrund der novellierten Vorschriften, an unserer Unterstützung interessiert, so stehen wir Ihnen jederzeit gerne zur Verfügung. Für Rückfragen stehen wir Ihnen jederzeit gerne zur Verfügung. Unsere Steuerberater in den Büros Rödl & Partner: Breslau, Danzig, Gleiwitz, Krakau, Posen und Warschau analysieren gerne Ihre Verrechnungspreisdokumentation, und bieten Ihnen Lösungen an, welche die steuerlichen Risiken minimieren. Wir beantworten auch gerne andere Fragen im Rahmen der Steuerberatung in Polen

3.02.2017