Ausgabe 24/2025: Bundesrat nimmt Stellung zum steuerlichen Investitionssofortprogramm der Regierung
- aus dem Newsletter Early Tax Birds, Ausgabe 24/2025 (16.–22.06.2025)
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Editorial
Liebe Leserinnen und Leser,
in der vergangenen Woche durfte ich am Lehrstuhl von Prof. Dr. Jost Heckemeyer in Kiel zu Gast sein, um ein Forschungsseminar zur internationalen Doppelbesteuerung und den Mechanismen zur Vermeidung und Konfliktlösung zu begleiten. Kurz gesagt: Es ging um das, was passiert, wenn Staaten sich nicht einig sind und was wir Steuerrechtler daraus machen können bzw. wo die Entwicklungen hingehen und was dies für die Steuerpflichtigen bedeutet. Wissenschaftlich also sehr herausfordernd und praktisch höchst relevant!
Besonders gefreut hat mich die Diskussion mit den Studierenden, die nicht nur kluge Impulse gesetzt haben, sondern auch zeigten: Steuerrecht lebt. Es lebt in der Wissenschaft, im Hörsaal, in Aufsätzen, bei uns in der Beratungspraxis und (manchmal) sogar im Steuerbescheid. Und weil es lebt, braucht es Pflege. Forschung. Nachwuchs. Lehrstühle.
Letztere allerdings sind dem Vernehmen nach immer mehr vom Aussterben bedroht, zumindest, wenn man die aktuelle Entwicklung an deutschen Universitäten betrachtet. Immer öfter hört man von steuerrechtlichen Lehrstühlen (sowohl betriebswirtschaftlich, als auch juristisch), die nicht nachbesetzt werden. Vielleicht, weil das Steuerrecht keine besseren Klickzahlen bringt als ein Kurs über Künstliche Intelligenz. Vielleicht, weil „Abgabenordnung“ einfach nicht so sexy klingt wie „Machine Learning“. Vielleicht geht uns aber auch einfach das Verständnis für etwas verloren, was eigentlich Grundlage unseres gesellschaftlichen Zusammenlebens sein sollte.
Dabei geht es hier nicht um Orchideenfächer. Es geht um Milliarden. Um Gerechtigkeit. Um die Frage, wie ein Staat funktioniert. Oder eben nicht. Jeder, der diesen Newsletter liest, wird wissen, das Steuern ein gesellschaftliches Dauerthema sind. Jedoch scheint dies nicht überall an den Fakultäten angekommen zu sein. Die steuerliche Lehre und Forschung ist aber kein nice-to-have für Liebhaber von Paragraphenreiterei, sondern ein Fundament unseres Berufsstands. Und ein Stück weit auch seiner Zukunft.
In diesem Sinne bedanke ich mich herzlich, dass Prof. Dr. Heckemeyer den Kontakt zur Praxis hält und mit seinen Studierenden das Steuerrecht (be)lebt. Zudem heiße ich alle neuen Leserinnen und Leser willkommen, insbesondere die Studierenden des Forschungsseminars der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel, die diesen Newsletter nun vielleicht zum ersten Mal lesen. Ich verspreche: Unser Editorial kann auch humorvoller als heute Morgen. Lasst Euch überraschen!
Im Übrigen gilt wie immer: Wenn Ihnen unser Newsletter gefällt, abonnieren Sie ihn und empfehlen Sie ihn weiter. Wenn er Ihnen nicht gefällt, sagen Sie es besser nur uns. Wir freuen uns über jede Kritik, Anregung und natürlich auch über Lob an earlytaxbirds@roedl.com.
Beste Grüße
Philip Nürnberg und das Redaktionsteam
Die Themen im Überblick
Aktuelle Gesetzgebung
Stellungnahme zum entwurf eines Gesetzes für ein steuerliches Investitionssofortprogramm
Neuigkeiten von der EU, der OECD und der UNO
Tagung der EU-Arbeitsgruppe FISC am 25. Juni 2025
Der Ständige Unterausschuss für Steuerfragen des Europäischen Parlaments (FISC) wird seine nächste Sitzung am 25. Juni 2025 abhalten und sich dabei auf die Steuervereinfachung und die Wettbewerbsfähigkeit der EU konzentrieren. In der Sitzung wird der Ausschuss Änderungsanträge zu seinem Berichtsentwurf „Die Rolle einfacher Steuervorschriften und der Steuervereinfachung für die europäische Wettbewerbsfähigkeit“ prüfen. Dieses Thema knüpft direkt an die Bedenken an, die in früheren Diskussionen geäußert wurden, in denen Abgeordnete und Experten davor gewarnt haben, dass uneinheitliche Steuersysteme Investitionen untergraben, die Effizienz verringern und grenzüberschreitende wirtschaftliche Aktivitäten verhindern können. Darüber hinaus wird das Treffen einen Workshop zur Studie „Steuerliche Hindernisse und Grenzgänger: Überwindung der Fragmentierung des EU-Steuerrahmens“ beinhalten, in der bewertet wird, wie sich nationale Steuerunterschiede auf die Arbeitsmobilität auswirken und praktische Hindernisse für Grenzgänger aufzeigen. Es wird erwartet, dass diese Diskussionen den Beitrag des FISC zu umfassenderen Initiativen zum Abbau interner Hindernisse und zur Vervollständigung der EU-Kapitalmarkt-, Spar- und Investitionsunion weiter vorantreiben werden. Auf der Sitzung findet auch eine gemeinsame öffentliche Anhörung mit dem Unterausschuss für Sicherheit und Verteidigung zum Thema „Die Europäische Verteidigungsunion: Steuerangelegenheiten“ statt. In dieser Sitzung soll untersucht werden, wie die Besteuerung von Verteidigungsgütern mit allgemeineren EU-Integrationszielen, einschließlich der Beschaffungs- und Industriepolitik, zusammenhängt. Sie spiegelt das wachsende Interesse daran wider, wie die Steuerpolitik die strategische Autonomie und die grenzüberschreitende Zusammenarbeit im Verteidigungsbereich unterstützen kann.
OECD veröffentlicht Leitfaden zur Untersuchung von Steuerhinterziehung
Die OECD hat einen neuen Leitfaden mit dem Titel „Designing a Tax Crime Investigation Manual: Key Elements and Considerations“ (Schlüsselelemente und Erwägungen) veröffentlicht, der die Länder bei der Entwicklung oder Aktualisierung nationaler Handbücher für die Untersuchung von Steuerdelikten unterstützen soll. Der Leitfaden beschreibt die grundlegenden Elemente für den Aufbau strukturierter, rechtlich fundierter und operativ wirksamer Verfahren zur Unterstützung der Strafverfolgungsbehörden während des gesamten Lebenszyklus der Ermittlungen in Sachen Steuerkriminalität. Die OECD ermutigt die Länder, einen gesamtstaatlichen Ansatz zu verfolgen, der die Durchsetzung der Steuerkriminalität in umfassendere Strategien zur Bekämpfung der Finanzkriminalität einbindet. Das Handbuch empfiehlt außerdem die Einführung digitaler Formate, um sicherzustellen, dass die operativen Handbücher aktuell, durchsuchbar und sowohl im Büro als auch vor Ort zugänglich sind. Anhand von Beispielen aus verschiedenen Ländern, darunter Großbritannien, Belgien, Tschechien, Kenia und Australien, wird eine Reihe von rechtlichen und organisatorischen Modellen vorgestellt, die derzeit in Gebrauch sind. Der Bericht stützt sich auf eine umfassende Untersuchung weltweiter Praktiken und unterstreicht den wachsenden Bedarf an koordinierten Maßnahmen zur Bekämpfung der Steuerkriminalität, die nach wie vor die Steuererhebung, das öffentliche Vertrauen und die Finanzstabilität beeinträchtigt. Er zeigt praktische Schritte auf, die Strafverfolgungs- und Steuerbehörden bei der Entwicklung von Handbüchern berücksichtigen sollten, einschließlich der Auswahl von Fällen, der Sammlung von Beweisen, der behördenübergreifenden Zusammenarbeit und der Einziehung von Vermögenswerten. Diese Veröffentlichung baut auf den Zehn Globalen Grundsätzen der OECD zur Bekämpfung der Steuerkriminalität auf und ist Teil der laufenden Bemühungen zur Verbesserung der internationalen Zusammenarbeit und des Aufbaus von Kapazitäten in diesem Bereich.
OECD veröffentlicht Bericht zur Digitalisierung der Finanzverwaltungen
Die OECD hat am 17. Juni 2025 einen Bericht über die Digitalisierung und die Transformationsbemühungen der Steuerverwaltungen veröffentlicht. Der Bericht basiert auf den Daten der „Inventory of Tax Technology Initiatives“ für 54 Mitglieder des OECD Forum on Tax Administration. Viele Steuerverwaltungen führen derzeit digitale Initiativen ein, um die Einhaltung der Vorschriften zu unterstützen und den manuellen Aufwand bei der Steuererhebung zu verringern. Der Bericht bietet einen Überblick über die Fortschritte und Ansätze bei der digitalen Transformation. Er hilft den Steuerverwaltungen, ihre Bemühungen zu vergleichen, Initiativen zu verstehen und neue Ansätze zu identifizieren.
Aktuelle Rechtsprechung
Betriebsausgabenabzug von Ausgleichszahlungen im Rahmen eines Zinsswaps
Weitere veröffentlichte Entscheidungen des BFH
| Aktenzeichen | Entscheidungs- datum |
Stichwort |
| IX B 19/25 | 30. Mai 2025 | Auskunftsanspruch nach Art. 15 DSGVO im finanzgerichtlichen Verfahren |
| X R 6/22 | 2. April 2025 | Wohnungswirtschaftliche Verwendung im Sinne des § 92a Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 EStG; Tilgung eines Darlehens des Ehegatten |
| X R 20/23 | 19. März 2025 | Leistung eines Dritten auf eine fremde Steuerschuld; Anfechtung einer Tilgungsbestimmung wegen Drohung |
| X K 7/22 | 6. November 2024 | Überlange Dauer eines Kostenfestsetzungs- und Erinnerungsverfahrens |
| XI R 39/20 | 13. Dezember 2023 | Die Entscheidung wurde nachträglich zur amtlichen Veröffentlichung bestimmt; sie war seit dem 28.03.2024 als NV-Entscheidung abrufbar – Mithilfe einer Pool-Finanzierung angeschaffte Investmentanteile; Abzug von Zinsaufwendungen bei nur mittelbarem Zusammenhang mit steuerfreien Einnahmen |
| IX R 22/22 | 8. April 2025 | Umfang des Auskunftsanspruchs nach Art. 15 DSGVO gegenüber dem Finanzamt |
| IX B 112/22 | 8. August 2023 | Keine Beschwerde gegen Verweisungsbeschluss ohne Beschwerdezulassung |
| V B 60/23 | 30. Mai 2025 | Keine grundsätzliche Bedeutung bei sich in der Entscheidung eines konkreten Einzelfalls erschöpfender Bedeutung der Rechtssache; Divergenz |
| V B 61/23 | 30. Mai 2025 | Rechnungsanforderungen für den Vorsteuerabzug |
| V B 25/24 | 19. Mai 2025 | Freiwillige Zahlungen für kostenlose Angebote im Internet |
| X B 88, 109/24 | 30. Mai 2025 | Keine rechtskrafthemmende Wirkung einer Anhörungsrüge; Statthaftigkeit der Anhörungsrüge gegen Entscheidungen des FG über Ablehnungsanträge |