Veröffentlicht am 16. Mai 2025
Lesedauer ca. 4 Minuten

Ausgabe Mai 2025: Nachfolge ohne Nachfolger? Herausforderung der externen Unternehmensnachfolge

  • aus dem Newsletter Nachfolge Kompass, Ausgabe Mai 2025
Rainer Miller
Partner
Diplom-Ökonom
Jürgen Graf
Manager
Business Development M&A Advisory, Corporate Finance
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Die Nachfolgeplanung ist für mittelständische Unternehmen von entscheidender Bedeutung, insbesondere wenn kein interner Nachfolger zur Verfügung steht. Eine externe Nachfolge erfordert eine sorgfältige Planung und ein strategisches Vorgehen.

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Die Themen im Überblick

​​​​​Bedeu​​tung de​r Nachfolgeplan​​ung und die statistische Situation in Deutschland​​

Eine fundierte Nachfolgeplanung ist für die langfristige Stabilität und den nachhaltigen Erfolg eines Unternehmens unerlässlich. Sie gewährleistet den Fortbestand des Unternehmens, sichert Arbeitsplätze und stärkt das Vertrauen von Kunden und Geschäftspartnern. Ohne klare Nachfolgeregelung drohen Unsicherheit und Instabilität, die das Unternehmen gefährden können. Eine frühzeitige und strategische Planung hilft, Risiken zu minimieren und den Übergangsprozess reibungslos zu gestalten.

Laut der KfW-Studie des Instituts für Mittelstandsforschung stehen zwischen 2022 und 2026 in Deutschland rund 190.000 Unternehmen zur Übergabe an, davon rund 1.200 mit einem Umsatz von mehr als 50 Millionen Euro. Bis 2027 planen rund 626.000 Inhaber mittelständischer Unternehmen aus dem Berufsleben auszuscheiden und ihr Unternehmen an einen Nachfolger zu übergeben. Diese Zahlen verdeutlichen die Dringlichkeit der Nachfolgeproblematik im deutschen Mittelstand. Rund 53 Prozent der Unternehmer bevorzugen die familieninterne Nachfolge, 29 Prozent suchen einen externen Nachfolger und 18 Prozent planen die Übergabe an einen internen Mitarbeiter. Ein nicht unerheblicher Teil der Unternehmensnachfolge erfolgt demnach außerhalb der Familie.

Nachfolgelösungen: intern vs. extern

Bei der internen Nachfolge wird das Unternehmen an einen Nachfolger aus dem eigenen Unternehmen übergeben, z.B. an ein Familienmitglied oder einen langjährigen Mitarbeiter. Der Vorteil liegt in der Vertrautheit des Nachfolgers mit der Unternehmenskultur, den Abläufen und den Mitarbeitern, was eine reibungslosere und schnellere Übergabe ermöglicht. Schwierigkeiten können jedoch auftreten, wenn der interne Nachfolger nicht über die notwendigen Fähigkeiten und Erfahrungen verfügt, um das Unternehmen erfolgreich weiterzuführen.

Die externe Nachfolge bezieht sich auf die Übergabe des Unternehmens an einen externen Nachfolger, z. B. einen anderen Unternehmer, einen Investor oder ein anderes Unternehmen. Diese Option ist besonders attraktiv, wenn kein geeigneter interner Nachfolger zur Verfügung steht. Ein externer Nachfolger kann frische Perspektiven, neue Ideen sowie zusätzliche Ressourcen und Netzwerke einbringen. Die Suche nach einem externen Nachfolger kann jedoch zeitaufwändig und komplex sein, da es darum geht, jemanden zu finden, der sowohl fachlich qualifiziert ist als auch zur Unternehmenskultur passt.

Externe Nachfolgeoptionen: Investoren und Strategen

Steht kein interner Nachfolger zur Verfügung, müssen Unternehmen alternative Wege finden, um die Nachfolge zu sichern. Zwei der häufigsten externen Nachfolgeoptionen sind der Verkauf an Investoren und der Verkauf an strategische Käufer. Beide Ansätze bieten unterschiedliche Vorteile und Herausforderungen, die es sorgfältig abzuwägen gilt.

Investoren bringen Kapital, Know-how und Netzwerke mit. Wichtig ist, dass sie kulturell passen und die langfristigen Ziele des Unternehmens unterstützen. Eine sorgfältige Due Diligence ist unerlässlich. Auch hier können M&A-Berater wertvolle Unterstützung leisten.

Strategische Käufer sind häufig bereit, einen höheren Preis zu zahlen, da sie durch die Übernahme des Unternehmens zusätzliche Vorteile und Marktanteile gewinnen können. Die Nachfolge durch strategische Käufer bedarf einer sorgfältigen Planung und Vorbereitung. Auch hier spielt die M&A-Readiness eine entscheidende Rolle.

M&A-Readin​ess als zentraler Aspekt bei der Nachfolgeregelung​

Ein wesentlicher Aspekt der externen Nachfolge ist die M&A-Readiness, die sicherstellt, dass das Unternehmen für einen Verkauf oder eine Übergabe attraktiv und bereit ist. Dazu gehören verschiedene Faktoren:

  • ​Finanzielle Stabilität: Eine solide finanzielle Basis mit stabiler Umsatz- und Ertragsentwicklung.
  • Rechtliche und steuerliche Klarheit: Ordnungsgemäße rechtliche und steuerliche Verhältnisse, einschließlich Verträge, Steuererklärungen und Compliance.
  • Betriebliche Effizienz: Effiziente Geschäftsprozesse und eine klare Organisationsstruktur.
  • Marktposition: Eine starke Marktposition und ein gutes Image erhöhen die Attraktivität für potenzielle Käufer.

Die rechtzeitige Überprüfung der M&A-Readiness (M&A-Readiness-Check) ist ein zentraler Erfolgsfaktor für die Unternehmensnachfolge bereits bei der Übergabe. Sie erleichtert den späteren Verkaufsprozess und maximiert den Unternehmenswert. M&A-Berater können helfen, die M&A-Readiness frühzeitig zu beurteilen und zu verbessern.

Risiken bei mangelnder M&A-Readiness​

Wird die M&A-Readiness vernachlässigt oder zu spät in Angriff genommen, können erhebliche Risiken und Probleme entstehen:

  • Wertverlust: Ein unvorbereitetes Unternehmen kann an Wert verlieren, da Käufer Schwächen und Risiken erkennen.
  • Verlängerter Verkaufsprozess: Ein unvorbereitetes Unternehmen verlängert den Verkaufsprozess, was zu Unsicherheit, Instabilität und geringerer Motivation der Mitarbeiter führt.
  • Gescheiterte Transaktionen: Mangelnde M&A-Readiness kann zum Scheitern von Transaktionen führen, da sich Käufer aufgrund unzureichender Informationen oder unerwarteter Risiken zurückziehen.
  • Rechtliche, steuerliche und finanzielle Risiken: Ungeklärte Fragen können zu Problemen und Verzögerungen führen, die den Verkaufsprozess gefährden und rechtliche Konsequenzen nach sich ziehen.

Herausforderungen der nächsten Jahre

In den kommenden Jahren werden Unternehmen und übergabewillige Unternehmer mit neuen und sich verändernden Herausforderungen konfrontiert, die sich auf die Nachfolgeplanung auswirken können:

Digitalisierung und technologischer Wandel: Unternehmen müssen technologisch auf dem neuesten Stand sein. Globalisierung und Marktveränderungen: Anpassung an internationale Märkte und flexible Geschäftsmodelle. Nachhaltigkeit und soziale Verantwortung: Einführung nachhaltiger Praktiken und Übernahme sozialer Verantwortung. Fachkräftemangel: Strategien zur Gewinnung und Bindung talentierter Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.

Fazit

Eine frühzeitige und strategische Planung der externen Unternehmensnachfolge ist entscheidend. M&A-Berater können dabei helfen, die M&A-Readiness zu bewerten und zu verbessern sowie potenzielle Nachfolger zu identifizieren und anzusprechen. Mit der richtigen Strategie und Unterstützung kann die externe Nachfolge erfolgreich gemeistert und das Unternehmen in eine stabile und erfolgreiche Zukunft geführt werden.