Plattform-Ökonomie: Ein Schlüsselfaktor für erfolgreiche digitale Geschäftsmodelle
Ein zentraler Erfolgsfaktor für die Umsetzung digitaler Geschäftsmodelle ist es, eine Plattform bereitzustellen, die im jeweiligen Markt(-segment) den maßgeblichen Standard setzt und an welcher kein Marktteilnehmer vorbeikommt. Das gilt für die Anbieter von Ressourcen genauso wie für Kunden, die das beste Angebot im Markt nutzen möchten. Die bekanntesten Beispiele dafür sind:
| Plattform | Kunde | Anbieter |
|---|---|---|
| Suchende | Werbetreibender | |
| Amazon | Kunden | Lieferanten |
| Uber | Fahrgast | Fahrer |
| Expedia | Reisegast | Hotel |
Deutschlands Chancen in der B2B-Plattform-Ökonomie
Auch wenn die oben genannten, global bekannten Beispiele sich an Consumer richten, gelten die Gesetzmäßigkeiten auch für B2B-Plattformen. Konkrete Umsetzungen finden sich bereits in der Bosch IoT Cloud, bei Siemens MindSphere, dem Online-Shop des deutschen Stahlhändlers Klöckner & Co. oder beim Logistik-Dienstleister Transporeon. Die Auswirkung von digitalen Plattformen sind derart weitreichend, dass das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie ein „Grünbuch – Digitale Plattformen” veröffentlicht hat: Es beleuchtet intensiv die wirtschaftliche Bedeutung und die Herausforderungen der Plattform-Ökonomie. Plattformen sind dann erfolgreich, wenn sie für alle Beteiligten leicht zugänglich sind. Der kostenlose Zugriff via Web ist selbstverständlich.
Die Technische Universität München hat für die Studie „Geschäftsmodelle in der digitalen Wirtschaft 2016” die Erfolgschancen verschiedener Geschäftsmodelle untersucht. (Quelle: Studie „Geschäftsmodelle in der digitalen Wirtschaft”, Technische Universität München, http://www.e-fi.de/fileadmin/Innovationsstudien_2016/StuDIS_13_2016.pdf)
Dabei haben folgende Geschäftsmodelle sehr gut abgeschnitten:
- Freemium-Plattformen: Geschäftsmodell, bei dem das Basisprodukt kostenlos ist, während das Vollprodukt kostet (bspw. Basis- und Premium-Mitgliedschaften bei Xing, LinkedIn)
- Long-Tail-Subcribers: viele kleine Zahlungen über einen langen Zeitraum (früher WhatsApp)
- Innovative Plattformen: z.B. der Wohnraum-Vermittler Airbnb
- Add-on Plattformen: prinzipiell kostenloser Dienst mit kostenpflichtigen Zusatzleistungen (bspw. die Software-Entwicklungsplattform GitHub)
- Crowdsourcing-Plattformen: Sie lagern die Wertschöpfung an die Nutzer aus (z.B. Ausschreibungsportale für Kreativleistungen wie textbroker.de oder Portale wie DaWanda)
Das altbekannte Geschäftsmodell des E-Commerce hat am schlechtesten abgeschnitten. Das macht deutlich: Ein bestehendes Geschäftsmodell mit einem Web-Shop und einer App zu ergänzen reicht nicht aus, um die Chancen der Digitalisierung zu nutzen und sich gegen disruptiven Wettbewerb zu wappnen.
Die Erfolgsfaktoren der Plattform-Ökonomie
Wenn Plattformen erfolgreich sind, führt das automatisch zu einem exponentiellen Wachstum der Benutzerzahlen sowie der zu verarbeitenden aber auch der nutzbaren Datenmengen. Die so gewonnenen Daten erlauben es, Mehrwerte für die Nutzer der Plattform zu generieren. Das wiederum ermöglicht den wirtschaftlichen Erfolg der Plattformbetreiber.
Ein aktuelles Beispiel ist Amazons Digital-Assistent für das Wohnzimmer namens Echo und die ihm innewohnende künstliche Intelligenz Alexa. Sie lernt aus dem Nutzerverhalten und kann so den Service immer besser auf den Kunden zuschneiden. Deshalb braucht es Kompetenz im Umgang mit großen Datenmengen (Big Data, BI), um eine Plattform erfolgreich aufzubauen.
Viele Eigenschaften einer Plattform können nur webbasiert erfüllt werden. Dazu gehören:
- weltweite Verfügbarkeit,
- der spielend leichte Zugang via Web für Kunden und Lieferanten,
- sowie die flexible Skalierbarkeit.
Im B2B-Bereich kommen dazu vor allem private Clouds zum Einsatz. Damit leistet Cloud-Computing mehr als nur Unternehmenssoftware bereitzustellen, um Kosten oder IT-Ressourcen einzusparen: Vielmehr sind Unternehmer und ihre CIOs gefordert, Plattformen für ihre Kunden und Lieferanten auf Basis moderner Software bereitzustellen.
Die funktionalen Anforderungen wie
- das Verwalten von Benutzerkonten im Self-Service,
- das vollautomatisierte Abrechnen verschiedener Preis-/Tarifmodelle,
- die integrierte Kommunikation mit den Benutzern
- und das Abbilden von Transaktionen auf Basis von End-to-End Geschäftsprozessen in Echtzeit
erfordern die Integration moderner ERP-Systeme als Backend mit innovativen Web- und App-Lösungen. Die Entwicklung und Einführung einer Plattform für digitale Geschäftsmodelle schließt unweigerlich die Neugestaltung und Optimierung der Geschäftsprozesse ein.
Fazit
Dank der Plattform-Ökonomie können mittelständische Unternehmen die Chancen digitaler Geschäftsmodelle im B2B-Bereich erfolgreich nutzen. Das erfordert neben dem passenden Geschäftsmodell unterstützende IT-Services sowie optimierte Geschäftsprozesse.