Veröffentlicht am 15. April 2026
Lesedauer ca. 3 Minuten

BNetzA startet zweite Datenerhebung zur Qualitätsregulierung (Energiewendekompetenz) – Was Netzbetreiber jetzt wissen und tun müssen

  • Abgabefrist Erhebungsbogen zur Qualitätsregulierung 30.4.2026
  • Steigende Datenrelevanz im Zuge der Monitoring-Prozesse
  • Benchmarking der unternehmensindividuellen Kennzahlen kann Steuerungshinweise liefern
Alexander Probst
Senior Associate
Mathematik M. Sc.
Anna-Sophie Obinger
M.Sc. Betriebswirtschaft
Mit der Weiterentwicklung der Qualitätsregulierung im Stromnetzbereich etabliert die Bundesnetzagentur (BNetzA) neben den klassischen Effizienzparametern zunehmend Steuerungsgrößen, die die Leistungsqualität der Netzbetreiber messen sollen.

Ziel ist es, die Leistungsfähigkeit der Verteilnetze im Zuge der Energiewende – Integration erneuerbarer Energien, Flexibilisierung des Netzes und Digitalisierung von Prozessen – systematisch zu bewerten und vergleichbar zu machen. Ein zentraler Bestandteil ist dabei die Energiewendekompetenz der Netzbetreiber sowie der Digitalisierungsgrad ihrer Prozesse und Systeme.

Zweite Datenerhebung und Zeitschiene BNetzA

Eine erste Datenerhebung auf Grundlage des Datenerhebungsbeschluss (GBK-24-02-1#5) wurde im letzten Frühjahr 2025 durch die BNetzA durchgeführt. Auf Grundlage dieser Daten wurden die Grundlagen für die Methodenentwicklung, individuelle Kennzahlen und erste Digitalisierungsindizes geschaffen. Nun erfolgt die zweite Datenerhebung im Zuge der Festlegung der Datenerhebung zur Weiterentwicklung der Qualitätsregulierung hinsichtlich der Netzleistungsfähigkeit im Strombereich (Geschäftszeichen: GBK-26-02-1#1).

Die Datenerhebung richtet sich an alle Verteilnetzbetreiber Strom im Sinne des § 3 Nummer 9 EnWG. Ziel ist die Ableitung von Kennzahlen zur Energiewendekompetenz und zu Digitalisierungsindizes 2025. Langfristig ist zudem eine Monetarisierung der Energiewendekompetenz geplant, wodurch diese Kennzahlen unmittelbare wirtschaftliche Relevanz für Netzbetreiber erhalten.

Die Frist für die Einreichung des befüllten Erhebungsbogens ist der 30.4.2026.

Steigende Datenrelevanz

Die Qualitätsregulierung bietet die Möglichkeit, „neue“ Steuerungsgrößen für die Netzsparten auszuwerten. Die jährlich wiederkehrenden Datenerhebungen im Rahmen der Qualitätsregulierung sowie im allgemeinen Monitoring-Prozess machen deutlich, dass Daten in der Regulierung an Bedeutung gewinnen und somit zum strategischen Steuerungsfaktor für die Netzbetreiber werden.

Netzbetreiber stehen zunehmend vor der Herausforderung, relevante Daten aus unterschiedlichen Quellen konsistent bereitzustellen. Mit den steigenden Anforderungen wird deutlich, dass der strukturierte Umgang mit Daten ein zentraler Faktor ist. Fehlende oder fehlerhafte Daten können zu Nachforderungen oder Korrekturen führen. Diesen zusätzlichen Aufwand gilt es zu vermeiden.

Eine mögliche Monetarisierung der Energiewendekompetenz erhöht den Druck, die eigenen Kennzahlen zu kennen und aktiv zu steuern. Entscheidend ist dabei nicht nur die absolute Ausprägung, sondern auch die Entwicklung im Zeitverlauf sowie der Vergleich mit Unternehmen ähnlicher Struktur. Auffällige Abweichungen – sei es gegenüber dem Vorjahr oder gegenüber Benchmarks – sollten frühzeitig identifiziert, erklärt und dokumentiert werden.

Datenbasiertes Benchmarking

Die Datenerhebungen der BNetzA, die zunächst operativen Aufwand erzeugen, bieten das Potenzial, die eigenen Aufgabenfelder genauer zu durchleuchten, Schwächen aufzudecken und diese gezielt zu eliminieren. Dafür können verschiedene Kennzahlen betrachtet werden – sowohl die von der BNetzA selbst berechneten Kennzahlen als auch andere, eigene Auswertungen kommen in Frage.

Beispielhaft betrachten wir im Folgenden die Anschlussdauer in Abhängigkeit der Netzgröße (gemessen an der Netzlänge bzw. der Anschlussanzahl) für die Niederspannung. Für diese Analyse wurden die Netzbetreiber nach der Netzgröße sortiert und in vier gleich große Gruppen eingeteilt. Für jede dieser Gruppen wird im Diagramm die mittlere Anschlussdauer dargestellt, indem die mittleren 50 % sowie der Median als Grenze der beiden Balken gezeigt werden.

Die Auswertung zeigt, dass die Anschlussdauer mit steigender Netzgröße tendenziell zunimmt – Betreiber großer Stromnetze benötigen im Median über 10 Tage mehr Zeit für einen fertigen Anschluss.

Die Auswertung von Benchmark-Daten ermöglicht das Erkennen genereller Trends. Mit dem unternehmensindividuellen Kennzahlenvergleich können so Optimierungspotenziale erkannt werden.

Aus unserer Sicht ist daher klar: Die Datenerhebung zur Qualitätsregulierung kann wertvolle Steuerungshinweise für Unternehmen liefern. Netzbetreiber, die sich intensiv mit Datenauswertung auseinandersetzen, können von den Ergebnissen profitieren.

Gerne unterstützen wir Sie bei der Datenerhebung 2025 mit folgenden Leistungen:

  • Plausibilisierung & Daten‑Check: Vergleich Ihrer 2025‑Daten mit den Vorjahreswerten und Identifikation möglicher Auffälligkeiten/Inkonsistenzen
  • „Mini“-Benchmark: Auswertung der Datenerhebung 2024 und Einordnung Ihres Unternehmens im Vergleich zu ähnlichen Netzbetreibern
  • Unterstützung bei möglichen Rückfragen der BNetzA inkl. Dokumentation und Argumentationshilfe

Unserer erfahrenes Regulierungsteam steht für Ihre Fragen zur Verfügung.

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