China: Verschärfte Regelungen zum grenzüberschreitenden Kapitalverkehr
Auswirkungen und Einschätzungen zur weiteren Entwicklung
Bei ausländischen Investoren führt das zu einer verstärkten Unsicherheit bzw. Furcht vor erhöhten Kapitalverkehrsbeschränkungen in China. Anzeichen für die Einführung echter Kapitalverkehrskontrollen, die das Geschäft der ausländischen Investoren vor Ort nachhaltig beeinträchtigen könnten, sehen wir indes derzeit nicht.
Anpassung der Berichtspflicht für Bartransaktionen
Ende Dezember 2016 hat die Zentralbank einen ursprünglich bereits 2006 vorhandenen Vorschriftenkatalog zu „Berichtspflichten” der Finanzinstitute bei großvolumigen und „verdächtigen” Transaktionen revidiert und erneut erlassen. Er wird zum 1. Juli 2017 in Kraft treten.
Der neuen Vorschrift nach wird die Schwelle für eine Berichtspflicht von Bartransaktionen von Finanzinstitutskunden für Einzahlungen und Abhebungen von bisher 200.000 Renminbi auf 50.000 Renminbi herabgesenkt. Der Kreis der von der Berichtspflicht erfassten Institute wird von Geschäftsbanken auch auf andere Zahlungsverkehrsdienstleister wie Alipay oder Fondsgesellschaften ausgeweitet. Die grundsätzlich für Privatpersonen gewährte Devisenumtauschquote im Gegenwert von 50.000 US-Dollar pro Kalenderjahr bzw. 10.000 US-Dollar pro Transaktionstag wird dabei nicht angetastet. Allerdings müssen chinesische Kunden künftig wesentlich aufwendigere Formulare für den Devisentausch ausfüllen und versichern, dass Transaktionen nicht dem Erwerb von Immobilien im Ausland, Finanzinvestments oder sonstigen unerlaubten Verwendungszwecken dienen
Unserer Einschätzung nach stellen diese Maßnahmen derzeit keine Einschränkungen des Kapitalverkehrs dar. Vielmehr dienen sie in erster Linie dazu, auch bislang illegale Devisentransfers zu unterbinden, bzw. schärfer zu kontrollieren. Der Fokus liegt dabei insbesondere auf der Eindämmung einer Kapitalausfuhr zum Zweck von Immobilienkäufen im Ausland, nachdem vermögende Chinesen in den letzten Jahren massive Engagements in diesem Bereich getätigt haben. Ferner wird mit diesen Maßnahmen eine stärkere Überwachung und Verhinderung von Geldwäscheaktivitäten und Terrorismusfinanzierung beabsichtigt.
Kontrolle durch Geschäftsbanken und Auswirkungen auf den Kapitalverkehr
Neben dem soeben erwähnten förmlichen Vorschriftenkatalog hat die chinesische Zentralbank bereits Ende November 2016 weitere formlose Anweisungen an die Geschäftsbanken wegen einer verschärften Kontrolle von Kapitalabflüssen erteilt. Die Auswirkungen sind schwieriger zu beurteilen.
Inhaltlich hat die Zentralbank angeordnet, dass die SAFE über jeden Devisentransfer, der einen Wert von 5 Mio. US-Dollar oder mehr erreicht, benachrichtigt werden muss und ggf. ein Abstimmungsgespräch mit der Zentralbank und SAFE zu erfolgen hat. Diese Anweisung hat das Potenzial, Auslandstransfers in Renminbi (Yuan) oder Fremdwährung sowohl von chinesischen als auch ausländischen Firmen zu erschweren. Das würde grds.einen Rückschritt von der im Rahmen der Shanghaier Freihandelszone erprobten Freizügigkeiten im Kapitalverkehr bedeuten. Ebenfalls werden Gewinnrücküberweisungen bzw. Dividendenausschüttungen ausländischer Firmen in China an ihre Muttergesellschaften hierdurch erschwert. In der Praxis ist derzeit jedoch festzustellen, das primär chinesische Unternehmen im Mittelpunkt dieser Maßnahmen stehen. Ausgelöst wurde das v.a. durch die in den letzten Monaten verstärkt großvolumigen Renminbi-Transfers an den Hongkonger Offshore-Markt, an dem Gelder unbeschränkt in Dollar umgewandelt werden können. Aufgrund fehlender klarer Bestimmungen besteht bei einigen Banken derzeit die Tendenz, mit der Ausführung größerer Transaktionen abzuwarten, wodurch die Gefahr besteht, in der geschäftlichen Praxis weitere Unruhe zu erzeugen.
Interessen Chinas und Ausblick
Bei den informellen Anweisungen der Zentralbank ist zu berücksichtigen, dass das Ziel der neuen Regelungen nicht die Beschränkung des regulären Geschäftsbetriebs ausländischer Unternehmen ist, sondern vielmehr eine getarnte Kapitalflucht durch chinesische Kapitaltransfers ins Ausland unterbunden werden soll. Ein Interesse Chinas an einer Behinderung des Kapitalverkehrs von ausländischen Unternehmen ist nicht ersichtlich. So ist im Gegenteil festzustellen, dass das Land weiterhin auf eine Anregung ausländischer Direktinvestitionen wie auch Engagements in den Wertpapiermärkten abzielt, gerade auch um Kapitalflüsse nach China zu generieren. Das zeigt sich bspw. in der weiteren Lockerung der Marktzugangsbedingungen für ausländische Investoren durch die Öffnung verschiedener Sektoren in den letzten Jahren.
Derzeit gehen wir davon aus, dass es im Zuge einer Stabilisierung der Wechselkurserwartungen bald wieder zu einer Rückkehr zu den gewohnten Modalitäten bei Auslandsüberweisungen von ausländischen Firmen in China kommen wird. Wir werden das Thema weiter im Auge behalten und berichten, sofern sich neue Entwicklungen ergeben.