Veröffentlicht am 18. Dezember 2025
Lesedauer ca. 6 Minuten

Das Glasfaserjahr 2025 – Rückblick und Ausblick auf das kommende Jahr

  • Ausbaufortschritte 2025 erreicht, Nutzungslücke und strukturelle Hemmnisse bleiben bestehen
  • Kundenaktivierung, Kupfer-Glas-Migration und neue Regulierung rücken stärker in den Fokus
  • Wirtschaftlicher und finanzieller Druck steigt weiter spürbar an
Vivien Simon
M.Sc. Betriebswirtschaft
Lucas Röckelein
B.A. Internationales Handelsmanagement, Consultant
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Der Glasfaserausbau in Deutschland hat 2025 spürbare Fortschritte gemacht, doch Herausforderungen wie geringe Anschlussquoten, wirtschaftlicher Druck und langwierige Verfahren bremsen weiterhin. Obwohl die Verfügbarkeit die 50 %-Grenze mittlerweile überschreitet, bleibt die Nutzungslücke groß, weshalb Kundenaktivierung und klare regulatorische Vorgaben zunehmend an Bedeutung gewinnen. Finanzierungsengpässe und steigende Kosten setzen viele private TKUs unter Druck und könnten eine erwartete Markt-Konsolidierung im kommenden Jahr verstärken.

Gleichzeitig eröffnen neue gesetzliche Rahmenbedingungen sowie starke kommunale Akteure Chancen für einen stabileren und nachhaltigen Ausbau ab 2026.

Rückblick auf 2025: Wo stehen wir heute?

Der Glasfaserausbau in Deutschland befindet sich im Jahr 2025 an einem entscheidenden Wendepunkt. Zwar wurden politische Zielmarken erreicht, gleichzeitig treten strukturelle Schwächen, Finanzierungslücken und organisatorische Hemmnisse deutlicher denn je hervor. Der Markt ist in Bewegung: Neue gesetzliche Weichenstellungen, ambitionierte Ausbauziele und eine hohe Erwartungshaltung treffen auf wirtschaftliche Unsicherheiten, komplexe Genehmigungsprozesse und einen intensiven Wettbewerb um Fachkräfte und Investitionsmittel. Vor diesem Hintergrund lohnt ein genauer Blick auf den Stand des Ausbaus, die Entwicklungen des vergangenen Jahres und die Rolle, die regulatorische und finanzielle Rahmenbedingungen dabei spielen.

Breitbandverfügbarkeit & Anschlussquoten

Laut der diesjährigen BREKO-Marktanalyse¹ lag die Glasfaserausbauquote („Homes Passed“) zum 30. Juni 2025 bei 52,8 % (24,3 Mio. Anschlüsse). Die Glasfaseranschlussquote („Homes Connected“) stieg im gleichen Zeitraum auf 27,3 % (12,55 Mio. Anschlüsse). Gleichzeitig wurden 1,4 Mio. neue Glasfaserkunden gewonnen; die Zahl der aktiv gebuchten Anschlüsse („Homes Activated“) stieg auf rund 6,6 Mio., die Take-Up-Rate dadurch auf etwa 27 %. Damit wurde das politische Zwischenziel – etwa 50 % Verfügbarkeit bis Ende 2025 – erreicht und mit etwas Puffer übertroffen. Dennoch bleibt: Trotz der hohen „Homes Passed“-Quote besteht eine deutliche Lücke zwischen Verfügbarkeit und tatsächlichem Anschluss bzw. Nutzung. Der Ausbau ist damit zwar messbar vorangekommen, aber die „letzte Meile“ und die Aktivierung der Kunden sind nach wie vor kritische Engpässe.

Kundenaktivierung & Nachfragebündelung

Der Anstieg der Take-Up-Rate auf 27 % zeigt, dass mehr Haushalte Glasfaser aktiv nutzen, dennoch ist der Anteil weiterhin vergleichsweise gering im Verhältnis zu der Gesamtverfügbarkeit. Gründe für die Zurückhaltung der Verbraucher sind laut Branchenvertretern u. a. ein mangelndes Bewusstsein für den Mehrwert von Glasfaser (oft bzw. vermeintlich reiche das bestehende DSL / HFC / Kabelnetz für Alltagsbedürfnisse aus), sowie Unsicherheiten hinsichtlich Preis, Nutzen und Komfort einer Umstellung. Um auch die Anzahl der „Homes Activated“ zu erhöhen und damit für die Wirtschaftlichkeit der Ausbauvorhaben zu sorgen, rückten Maßnahmen zur Aktivierung von Endkunden in den Vordergrund – allen voran die präsente Marketingkampagne des BMDS.² Daneben können auch Informationsveranstaltungen und Kooperationen mit Wohnungswirtschaft und Kommunen die Buchung von Glasfasertarifen erhöhen.

Kupfer-Glas-Migration & regulatorischer Druck

Ein viel diskutiertes und auch schon in den vergangenen Jahren präsentes Thema war die Migration von Kupfer- zu Glasfasernetzen, das auch auf der BREKO-Jahrestagung im Fokus stand. Mit der Entwicklung der Diskussion verbunden ist eine Erwartungshaltung: Die Branche forderte klare regulatorische Vorgaben und verbindliche Zeitpläne, um den Übergang zu beschleunigen und Investitionssicherheit zu schaffen.³ Nach einem Impulspapier der BNetzA und anschließendem Eckpunktepapier des BMDS in diesem Jahr, reagiert nun die BNetzA: Im Tätigkeitsbericht Telekommunikation 2024/2025⁴ bestätigt die BNetzA nochmals die für Anfang 2026 geplante Veröffentlichung eines Regulierungskonzeptes zur Kupfer-Glas-Migration, das auf den bisherigen Papieren und den Rückmeldungen zu diesen basiert.

Finanzierung und Förderung

Das Finanzierungsumfeld für den Glasfaserausbau blieb im Jahr 2025 herausfordernd: Hohe Tiefbaukosten, anhaltender Fachkräftemangel und die Auswirkungen der Zinswende haben die Rahmenbedingungen spürbar verschärft. Auch große TKUs kämpfen mit Refinanzierungsproblemen; geplante Ausbauvorhaben werden mangels Finanzierungsbereitschaft der Banken verzögert oder nicht umgesetzt. Vor diesem Hintergrund wird deutlich, dass sich die Bedingungen im Jahr 2026 grundlegend verbessern müssen – insbesondere durch mehr Planungssicherheit, klare gesetzliche Rahmenbedingungen und koordinierte Förderprogramme.

Im Bereich der staatlichen Förderung hat der Bund dieses Jahr im Rahmen der Gigabitförderung 2.0 rund 1,2 Milliarden € an Mitteln bereitgestellt, die von Kreisen und Kommunen vielfach beantragt wurden. Im Jahr 2026 weist das BMDS für Maßnahmen im Breitbandausbau zunächst ca. 2,3 Milliarden € aus.⁵ Anfang des neuen Jahres kann mit einer konkreten Angabe zum Fördervolumen für das kommende Jahr gerechnet werden. Eine weitere Neuerung zur Jahreswende ist die Übernahme der alleinigen Projektträgerschaft für die Bund-Länder-Förderung durch aconium GmbH, was zu einer zentraleren Steuerung und effizienteren Abwicklung der Fördermittel führen soll.⁶

Gesetzliche Rahmenbedingungen

Auch gesetzliche Anpassungen im Jahr 2025 sollten dabei unterstützen, den Glasfaserausbau zu beschleunigen und Investitionen attraktiver zu gestalten.

Um den Ausbau zu vereinfachen und das Tempo zu steigern, trat Mitte 2025 das TKG-Änderungsgesetz in Kraft, das den Glasfaserausbau bis Ende 2030 als im überragenden öffentlichen Interesse stehend definiert. Gerade Genehmigungsverfahren sollen dadurch schneller vorangetrieben und den ausbauenden Unternehmen Planungs- und Investitionssicherheit geben.

Auch der Gigabit Infrastructure Act (GIA; VO (EU) 2024/1309) kann zur Erreichung der Ausbauziele beitragen, indem er unionsweit einheitliche Vorgaben setzt. Der GIA gilt überwiegend ab dem 12. November 2025, während einzelne Regelungen erst zu späteren Zeitpunkten (u. a. 2026) anzuwenden sind. Ergänzend wird es erforderlich sein, nationale Vorschriften im TKG und in angrenzenden Materien an die unmittelbar geltenden Vorgaben des GIA anzupassen bzw. diese zu flankieren. Erleichterungen betreffen u. a. die gebäudeinterne Infrastruktur (Netzebene 4) und den Zugang hierzu; Fragen einer etwaigen Kostenweitergabe an Nutzerinnen und Nutzer richten sich demgegenüber in Deutschland insbesondere nach § 72 TKG – Glasfaserbereitstellungsentgelt – und den mietrechtlichen Vorgaben zur Umlagefähigkeit.

Marktentwicklung & Konsolidierung

Die Marktentwicklung zeigt ein ambivalentes Bild: Private TKUs sehen sich größeren Herausforderungen gegenüber; die Zahlen der letzten Jahresabschlüsse bekannterer Breitband-Unternehmen unterstreichen diese Wahrnehmung. Zahlreiche Unternehmen in der Telekommunikationsbranche stehen unter finanziellem Druck. Die schon für den Markt erwartete Konsolidierung erscheint unter diesem Aspekt umso wahrscheinlicher für das kommende Jahr. Fusionen, Beteiligungsmodelle, Joint Ventures oder die Einbindung von Equity-Partnern werden an Bedeutung gewinnen. Hier gilt es, das passende Modell für jedes TKU zu finden. Ob eine Konsolidierung am Ende zu mehr Stabilität oder zu weniger Wettbewerb führt, hängt stark von der Ausgestaltung ab. Sicher ist jedoch, dass sich die Marktstruktur weiter verändern wird. 2026 dürfte hier ein entscheidendes Jahr werden.

Gleichzeitig bietet die Glasfaserbranche diverse Chancen, insbesondere im kommunalen Kontext. Dass wirtschaftlicher Ausbau funktionieren kann, sehen wir in unseren Projekten – sofern die Rahmenbedingungen passen. Stadtwerke, kommunale Netzgesellschaften oder regionale Kooperationen können dank stabiler lokaler Verankerung, Synergiepotenzialen beim Netzausbau und langfristiger Infrastrukturorientierung oft wirtschaftliche Glasfaserprojekte realisieren, die für große private TKUs schwerer darstellbar sind. In vielen Projekten zeigt sich daher: Glasfaser ist sowohl eine wirtschaftliche Chance als auch langfristig eine infrastrukturelle Notwendigkeit. Die Frage ist also weniger „ob“, sondern „wie“ und „mit wem“ ausgebaut wird.

Fazit

Trotz der anspruchsvollen Rahmenbedingungen im Jahr 2025 ging der Glasfaserausbau einen Schritt voran. Ob es gelingt, das Wachstum auf eine breitere Basis zu stellen, hängt davon ab, wie konsequent die neuen regulatorischen Impulse umgesetzt werden und wie gut es gelingt, Investitionen, Prozesse und Nachfrage miteinander in Einklang zu bringen. Fest steht: Glasfaser bleibt ein essenzieller Baustein der digitalen Infrastruktur – aber der Weg zu einer flächendeckenden Versorgung ist kein Selbstläufer. Der bevorstehende Jahreswechsel eröffnet aber nicht nur neue Herausforderungen, sondern auch Gestaltungsspielräume für einen nachhaltigeren und zielgerichteten Ausbau im Jahr 2026 und darüber hinaus.

 

1 BREKO Marktanalyse 2025
2 BMDS (2025) – Das beste Internet
3 BREKO Pressemitteilung vom 11.11.2025
4 BNetzA (2025) – Tätigkeitsbericht Telekommunikation 2024/2025
5 BMDS-Haushalt 2026
6 RÖDL (2025) – Checkliste Projektträgerwechsel

 

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