Veröffentlicht am 6. März 2026
Lesedauer ca. 2 Minuten

EmpCo Countdown: Nachhaltigkeitswerbung läuft die Zeit davon

  • Die EmpCo-RL schafft einen neuen strikten EU-Rechtsrahmen.
  • Anwendung in den EU-Mitgliedsstaaten ab dem 27.09.2026.
  • Ziele sind Schutz der Verbraucher vor Greenwashing und ökologische Transparenz im Binnenmarkt.
  • Deutsche Gesetzesänderung erfolgte bereits Ende 2025.
Ines Maier, LL.M.
Associate Partner
Rechtsanwältin
Vage Begriffe wie „klimafreundlich“ oder „recyclebar“, grüne Siegel und leere Klimaversprechen sollen ab Herbst 2026 der Vergangenheit angehören. Die EmpCo-Richtlinie wird nicht nur die zulässige Kommunikation über Nachhaltigkeit deutlich einschränken, sie kann auch ganze Geschäftsmodelle bedrohen. Deutschland hat eine entsprechende Gesetzesänderung bereits Ende 2025 beschlossen. Trotz umfangreicher Berichterstattung scheint die Tragweite dieser Regelungen vielen noch nicht bewusst zu sein. Höchste Zeit, sich damit zu befassen.

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Ziel der EmpCo („Empowering Consumers for the Green Transition“, Richtlinie (EU) 2024/825) ist es, Umweltaussagen klarer, überprüfbarer und vergleichbarer zu machen.  Dabei verbietet sie im Grunde all das, was aktuell nahezu allgegenwärtig ist:

  • pauschale Aussagen wie „nachhaltig“, „umweltfreundlich“, „ressourcenschonend“ „wiederverwendbar“, „klimafreundlich“,
  • produktbezogene Werbung mit kompensierter Klimaneutralität,
  • Umweltaussagen zum gesamten Produkt oder dem Unternehmen, wenn diese faktisch nur für einen ausgewählten Aspekt des Produkts zutreffen,
  • Das Verwenden von unternehmenseigenen Nachhaltigkeitssiegeln sowie
  • die isolierte Werbung mit Nachhaltigkeitszielen („bis 2030 sind wir klimaneutral“).

Der Begriff der Umweltaussage ist dabei äußerst weit zu verstehen. Erfasst wird jegliche kommerzielle Kommunikation über Nachhaltigkeit gleich welcher Form, sei es durch Texte, Bilder, graphische Elemente, Markennamen oder Produktbezeichnungen. Unternehmen müssen ihre Nachhaltigkeitskommunikation daher grundlegend überdenken. Pauschale Begriffe, Kompensationsmodelle und unkonkrete Zukunftsversprechen werden daher künftig kaum noch zulässig sein. Wer weiterhin glaubwürdig und rechtssicher kommunizieren möchte, braucht belastbare Daten, präzise Formulierungen – und eine klare Nachhaltigkeitsstrategie. Wer sein Geschäftsmodell auf ein Nachhaltigkeitssiegel stützt, sollte wissen, dass in der EU künftig nur  noch staatlich festgelegte Siegel oder Labels mit offiziellem, überprüfbarem Zertifizierungssystem zulässig sein werden.

Das heißt, Unternehmen müssen spätestens jetzt beginnen, ihre Umweltaussagen auf Werbematerialien, Verpackungen und Websites systematisch zu identifizieren, kritisch zu prüfen und mögliche rechtliche Risiken bewerten (lassen). Kritische Claims sollten gezielt überarbeitet oder entfernt werden, andernfalls droht im Worst-Case mitunter ein Rückruf. Sie sollten ferner sicherstellen, dass sie über belastbare Nachweise für ihre Werbeaussagen verfügen, diese erfassen und dokumentieren Zukunftsbezogene Umweltaussagen müssen mit messbaren Zielen, einem detaillierten, realistisch umsetzbarer Maßnahmenplan versehen sein und zudem von einer unabhängigen externen Stelle verifiziert werden.

Gleichwohl sollten Unternehmen jetzt nicht aus Angst vor der Neuregelung ins Greenhushing verfallen und jegliche Kommunikation einstellen. Völlige Rechtssicherheit wird zwar anfangs kaum möglich sein, da viele Begriffe der EmpCo erst durch zukünftige Rechtsprechung konkretisiert werden müssen. Unternehmen sollten die die neuen Anforderungen trotzdem als strategische Chance begreifen: Offene, transparente und belastbare Umweltaussagen stärken nicht nur die Glaubwürdigkeit nach außen, sondern schaffen intern Klarheit, reduzieren regulatorische Risiken und positionieren das Unternehmen als verantwortungsbewussten, vertrauenswürdigen Marktakteur. Wichtig ist dabei, im ganzen Unternehmen Sensibilität für das Thema zu schaffen, nicht nur in der Nachhaltigkeitsabteilung.

Wer stattdessen weiterhin unpräzise, unvollständig oder irreführend kommuniziert, riskiert nicht nur rechtliche Konsequenzen, sondern vor allem einen nachhaltigen Imageschaden. Zeit zu handeln. Jetzt.