Veröffentlicht am 11. Dezember 2025
Lesedauer ca. 2 Minuten

Energiewende trifft Glasfaser: Synergiepotenziale beim Netzausbau

  • Synergetischer Tiefbau senkt Glasfaser-Ausbaukosten deutlich unter 100 €/m.
  • Glasfaser ist ideal für Smart Metering und IoT in Strom- und Wärmenetzen.
  • Geringe Kapitalkosten ermöglichen Telekommunikationsoptionen schon ab < 1.000 Anschlüssen.
  • Analyse lohnt: interne Effizienz steigern und potenziell neues TK-Geschäftsfeld erschließen.
Alexander Probst
Senior Associate
Mathematik M. Sc.
Michael Eckl
Associate Partner
Diplom-Energiewirt (FH)
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Energiewendebedingt ist der Ausbau der Energienetze für viele Energieversorgungsunternehmen eine der wesentlichen Aufgaben der nächsten Jahre. Dabei bietet sich die Option, durch synergetischen Ausbau ein kostengünstiges Glasfasernetz zu errichten. Dieses bietet diverse Nutzungsmöglichkeiten, sowohl zur Steuerung eigener Energienetze als auch im Telekommunikationsbereich. Unsere Empfehlung: Optionen analysieren, Synergien heben, wirtschaftliche Potenziale nutzen!

Die Umsetzung der Energiewende ist ein Mammutprojekt, das jedes Energieversorgungsunternehmen vor umfangreiche Aufgaben stellt. Insbesondere im Bereich der Energienetze, beispielsweise Strom und Wärme, sind vielerorts ambitionierte Ausbaupläne und damit einhergehend hohe Investitionsvolumina Teil der kurz- und mittelfristigen Unternehmensplanungen. Durch die dabei notwendigen Baumaßnahmen ergibt sich häufig die Möglichkeit, zeitgleich ein Glasfasernetz zu verlegen und so mehrere Vorteile für das Unternehmen nutzbar zu machen.

Die Errichtung eines eigenen Glasfasernetzes im synergetischen Ausbau zusammen mit anderen Netzprojekten nimmt die zentrale Hürde beim Glasfaserausbau – die Investitionsintensität – bereits im Vorfeld. Entscheidend für die wirtschaftliche Attraktivität eines Glasfasernetzes sind die Kosten für den Ausbau, welche zu großen Teilen (ca. 80 %) auf den Tiefbau zurückgehen. Ein synergetisch wachsendes Glasfasernetz ist für deutlich unter 100 €/m zu errichten – ein niedriger Preis für zukunftsfähige digitale Infrastruktur.

Hinsichtlich der Nutzung des eigenen Glasfasernetzes sind verschiedene Optionen denkbar. In erster Linie ist dabei die Steuerung der Energienetze zu nennen: Im Strombereich sei nur das Stichwort „Smart Meter“ genannt, im Wärmebereich ermöglicht die Anbindung des Wärmenetzes an ein Kommunikationsnetz die Integration erneuerbarer Wärmequellen sowie den flexiblen und effizienten Betrieb des Netzes. Ein eigenes Glasfasernetz ist für die Deckung der IoT-Bedarfe der Energienetze nicht nur geeignet, sondern ideal, denn es ist den Funktechnologien aufgrund der technischen Parameter (hohe Datenrate, niedrige Latenz, Störfestigkeit) überlegen. In einem kürzlich veröffentlichten Handlungsleitfaden kommt der AGFW-Energieeffizienzverband für Wärme, Kälte und KWK daher zu dem Ergebnis, eine kabelgebundene Lösung sei den Funktechnologien gegenüber, soweit organisatorisch und wirtschaftlich umsetzbar, zu bevorzugen.¹

Darüber hinaus kann die Möglichkeit, das Netz auch für den Vertrieb von Telekommunikationsdiensten zu nutzen, geprüft werden. Sowohl die Verpachtung einzelner Anschlüsse an bestehende Provider als auch die Erstellung eines eigenen Diensteangebots ist denkbar. Der operative Aufwand kann bei beiden Varianten durch das Einbeziehen externer Dienstleister minimiert werden. Durch die geringen Investitionskosten beim synergetischen Ausbau werden die operativen Kosten, welche näherungsweise linear mit der Kundenanzahl skalieren, nur durch sehr niedrige Kapitalkosten ergänzt – die Prüfung der Optionen im Telekommunikationsbereich kann sich daher schon bei wenigen Anschlüssen (< 1.000) lohnen.

Der synergetische Glasfaserausbau kombiniert also geringe Investitionsvolumina mit attraktiven Nutzungsmöglichkeiten, sowohl in bereits vorhandenen Geschäftsfeldern wie dem Betrieb der Energienetze als auch zur Erschließung neuer Geschäftsfelder wie dem Vertrieb von Glasfaserdiensten. Die ideale Art der Nutzung ist von den individuellen Rahmenbedingungen, insbesondere der aktuellen Internetversorgung im eigenen Netzgebiet, abhängig – das wirtschaftliche Potenzial macht die Analyse der Möglichkeiten jedoch sehr lohnenswert.

1 AGFW – Entscheidungshilfe für Kommunikationstechnologien in der Fernwärme

 

Aus dem Newsletter „Stadtwerke Kompass“       Aus dem Newsletter „Kompass Telekommunikation“