Konzessionen sichern, Zukunft gestalten – Erfolgsfaktoren für Netzbetreiber in der anstehenden Konzessionswelle
- Konzessionswelle 2027 - 2032 stellt Netzbetreiber vor neue Wettbewerbsanforderungen
- Digitalisierung wird zentrales Kriterium in Konzessionsverfahren für Energienetze
- Krisenmanagement und IT-Sicherheit gewinnen bei Netzkonzessionen stark an Bedeutung
- Treibhausgasneutralität wird zum entscheidenden Faktor im Konzessionswettbewerb
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Lag der Fokus der Netzbewirtschaftungskonzepte in den vergangenen Jahren vorwiegend auf den Investitions- und Instandhaltungskonzepten, der klassischen Störungsbeseitigung sowie einer preisgünstigen Energieversorgung, gewinnen auch im Konzessionswettbewerb die Themen Digitalisierung im Netzbetrieb, Krisenmanagement und Risikoprävention sowie die Treibhausgasneutralität zunehmend an Bedeutung.
Steigende Digitalisierung im Netzbetrieb
Digitalisierte Prozesse und Strukturen sind längst Bestandteile eines wettbewerbsfähigen Konzessionsangebotes und relevanter Bewertungskriterien. So ermöglichen digitale Netzführungssysteme, automatisierte Entstörungsprozesse sowie der Einsatz von Smart-Grid-Technologien nicht nur einen effizienteren Netzbetrieb, sondern verbessern auch die Versorgungssicherheit. Gleichzeitig schaffen sie die Grundlage für neue Anforderungen wie die Integration dezentraler Erzeugungsanlagen oder die zunehmende Elektrifizierung von Mobilität und Wärme.
Neben dem technischen Netzbetrieb werden auch interne Betriebsabläufe und Kundenprozesse (u.a. Hausanschlussbeantragung und Zählerstandsmitteilung) zunehmend digitaler und stehen auf dem Prüfstand. So werden beispielsweise vermehrt die Vorteile digitaler Kundenserviceleistungen gegenüber dem klassischen Kundencenter vor Ort diskutiert. Ein Kriterium, bei dem bisher insbesondere regionale kleinere Netzbetreiber punkten konnten.
Im Rahmen von Konzessionsvergabeverfahren können Kommunen aktiv die Zukunftsfähigkeit der Energieversorgung vor Ort mitgestalten und erwarten transparente, effiziente und zukunftsfähige Konzepte und Lösungen für ihre Versorgungsnetze. Die Digitalisierung des Netzbetriebs wird dadurch zu einem wichtigen Differenzierungsmerkmal im wettbewerbsintensiven Umfeld der Konzessionsvergabe. Es wird in Konzessionsverfahren für eine erfolgreiche Bewerbung daher entscheidend sein, inwieweit Netzbetreiber ihre Digitalisierungsmaßnahmen konkret nachweisen und in belastbare, geprüfte und nachvollziehbare Konzepte überführen können.
Krisenmanagement im Kontext geopolitischer Risiken
Die geopolitische Lage hat in den vergangenen Jahren deutlich gezeigt, dass kritische Infrastrukturen verstärkt in den Fokus potenzieller Angriffe geraten. Ob weiterhin lediglich große Netzbetreiber und Großstädte Ziel dieser Angriffe sein werden, ist derzeit nicht abzusehen. Allerdings fordern Kommunen von ihren Netzbetreibern unabhängig ihrer Größe und Systemrelevanz eine zunehmende Berücksichtigung dieses Risikos in ihrem Netzbetrieb.
Für die anstehende Welle an auslaufenden Konzessionen bedeutet dies, dass der Schutz der Energieversorgungsanlagen und die Sicherstellung der Versorgung noch stärker zu zentralen Bewertungskriterien in Konzessionsverfahren werden. Es ist davon auszugehen, dass Kommunen verstärkt Wert auf folgende zentrale Aspekte legen:
- redundant aufgebaute Netzstrukturen
- Maßnahmen zum Schutz der im Netzbetrieb eingesetzten IT-Systeme
- Möglichkeiten der Ersatzversorgung
- detaillierte Ablaufpläne für den Krisenfall (Notfallhandbücher, Wiederanlaufpläne)
- umfassende und rechtzeitige Information der Öffentlichkeit
Ein professionelles Krisenmanagement umfasst somit nicht nur technische Vorkehrungen, sondern auch organisatorische Strukturen, regelmäßige Übungen sowie eine enge Abstimmung mit Behörden und Einsatzkräften.
Dabei ist es in der Konzessionsbewerbung zunehmend erforderlich, diese Fähigkeiten strukturiert darzustellen und durch Referenzen, Zertifizierungen und konkrete Prozessbeschreibungen zu untermauern.
Treibhausgasneutralität als Erfolgsfaktor
Seit der Novellierung des EnWG im Jahr 2021 ist die Treibhausgasneutralität durch ihre direkte Verankerung in
§ 1 EnWG ein gesetzliches Ziel der Energieversorgung. Sie fordert eine nachhaltige, möglichst treibhausgasneutrale Ausrichtung des Netzbetriebs. Aufgrund langer Lebenszyklen der Versorgungsanlagen, hohen Investitionen für eine entsprechende klimaneutrale Umrüstung, technologischen Abhängigkeiten von Betriebsmitteln und regulatorischen Rahmenbedingungen stellt die Erreichung der Klimaneutralität viele Netzbetreiber vor erhebliche Herausforderungen.
Gleichzeitig gewinnt das Thema Nachhaltigkeit auch in Konzessionsverfahren an Bedeutung und die Treibhausgasneutralität ist als eigenständiges Kriterium zu einem wichtigen Bestandteil der Netzbewirtschaftungskonzepte geworden. Marktübliche Kriterienkataloge erfordern oftmals, dass ausgehend von den gegenwärtigen Emissionenvolumina konkret aufgezeigt wird, mit welchen Maßnahmen in den Bereichen Netzbetrieb, Liegenschaftsmanagement sowie Fuhrpark der Energieverbrauch sowie die CO₂-Belastung messbar reduziert werden und welche Strategien zum Erreichen der langfristigen Klimaneutralität bestehen. Auch vor diesem Hintergrund steigt die Bedeutung von Zertifizierungen, die die Treibhausneutralität des Netzbetreibers bestätigen.
Im Wettbewerb um Konzessionen wird die Fähigkeit, diese Aspekte systematisch zu adressieren und in ein schlüssiges Gesamtkonzept zu integrieren, zunehmend zu einem entscheidenden Erfolgskriterium.
Eine erfolgreiche Konzessionsbewerbung erfordert eine frühzeitige Vorbereitung
Mit der kommenden Konzessionswelle rücken verstärkt neue Aspekte im Netzbetrieb in den Fokus der Konzessionsbewerbung und ihrer Auswertung. Digitalisierung, Krisenfestigkeit und Nachhaltigkeit sind keine isolierten Themen mehr, sondern werden zu festen Bestandteilen eines erfolgreichen Netzbewirtschaftungskonzepts.
Es ist davon auszugehen, dass die konzessionsvergebenden Kommunen im Rahmen ihres gesetzlichen Ermessensspielraums die konkreten Anforderungen der einzelnen Auswahlkriterien gemäß § 1 EnWG entsprechend den skizzierten Themen anpassen werden.
Ein Abgleich mit marktüblichen Kriterienkatalogen, das Schließen identifizierter Lücken – etwa beim Thema Zertifizierungen – sowie eine saubere Beleglogik mit Kennzahlen, Nachweisen und Referenzen schaffen die Basis für ein wettbewerbsfähiges Angebot.
Mit unserem Fitnessprogramm „Fit-for-Konzessionen” prüfen wir frühzeitig die Leistungsfähigkeit des Netzbetreibers, identifizieren Lücken und heben Optimierungspotenziale. Auf Basis einer strukturierten Bestandsaufnahme und klarer Bewertungsmaßstäbe entsteht ein belastbarer Fahrplan, damit wesentliche Angebotsinhalte bereits vor Eintreffen des konkret relevanten Kriterienkataloges einem Konzessionswettbewerb auf höchstem Niveau standhalten.
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