Teil 2: Ergebnisse des Fernwärme-Benchmarkings 2025 – Preisgestaltung im Wandel
- Dekarbonisierung erhöht Fixkosten und verändert die Preislogik.
- Fixkostenunterdeckung wird zum zentralen wirtschaftlichen Risiko.
- Preisgestaltung muss stärker an der tatsächlichen Kostenstruktur ausgerichtet werden.
→ Hier lesen Sie Teil 2 von 2. Finden Sie hier Teil 1 des Fernwärme-Benchmarkings 2025 zu Dekarbonisierung, Energieträgerstruktur und Preisentwicklung.
Veränderung der Kostenstruktur der Fernwärme
Die Transformation der Erzeugungslandschaft führt zu einer nachhaltigen Verschiebung der Kostenstruktur. Anlagen auf Basis Erneuerbarer Energien verursachen hohe Investitions‑ und Kapitalkosten, während die laufenden Brennstoffkosten vergleichsweise gering sind. Die Benchmarking‑Daten bestätigen diesen Trend: Je höher der Dekarbonisierungsgrad eines Netzes, desto geringer fällt der Anteil variabler Kosten an den Gesamtkosten aus.
Damit steigt die Bedeutung des Grund‑ bzw. Leistungspreises als stabiler, mengenunabhängiger Erlöspfad. Der Arbeitspreis hingegen verliert an Gewicht, da Erneuerbare Energien strukturell niedrigere variable Kosten verursachen als fossile Systeme. Diese Entwicklung ist nicht nur eine theoretische Erwartung, sondern bereits heute in den Zahlen sichtbar: Die Transformation führt zu einer langfristigen Verschiebung der Kostenbasis – und damit zu einer veränderten Logik der Preisgestaltung.
Fixkostenunterdeckung als wachsendes wirtschaftliches Risiko
Die Analyse der Deckungsbeiträge zeigt deutliche Unterschiede zwischen der Deckung variabler und fixer Kosten. Während die variablen Kosten im Datenjahr 2024 im Durchschnitt zu 49 % überdeckt waren, weist die Fixkostenseite eine Unterdeckung von rund 10% auf. Die Spannbreite der Extremwerte ist erheblich: Die Deckung der variablen Kosten reicht von minus 46% bis plus 193%, jene der fixen Kosten von minus 60% bis plus 96%.
Diese Zahlen verdeutlichen, dass die wirtschaftliche Lage der Versorger stark divergiert – und dass die aktuelle Preissystematik vielerorts nicht mehr zur tatsächlichen Kostenstruktur passt. Die rechnerische Überdeckung der variablen Kosten kaschiert die Unterdeckung der Fixkosten, macht die Gesamtkostendeckung jedoch zunehmend abhängig von der tatsächlich abgesetzten Wärmemenge. In milden Wintern kann dies dazu führen, dass ein Versorger trotz stabiler Preise und unveränderter Kostenstruktur plötzlich in wirtschaftliche Schwierigkeiten gerät.
Für Unternehmen, die bereits heute eine unzureichende Fixkostendeckung aufweisen, verschärfen die notwendigen Investitionen in die Dekarbonisierung diese Situation zusätzlich. Die Transformation erhöht den Fixkostenanteil weiter – und damit den Druck, die Preisgestaltung konsequent an die neue Kostenrealität anzupassen.

Abbildung 1: Kostendeckungsgrad der fixen und variablen Kosten der teilnehmenden Versorger im Jahr 2024
Kostenbasierte Ausrichtung der Preisgestaltung
Diese Ergebnisse machen deutlich, dass die bestehende Preislogik vieler Versorger nicht mehr zur tatsächlichen Kostenstruktur passt. Mit dem steigenden Anteil Erneuerbarer Energien verschiebt sich die Kostenbasis zunehmend in Richtung fixer Kosten, während die variablen Kosten strukturell sinken. Eine zukunftsfähige Preisgestaltung muss diese Entwicklung konsequent abbilden.
Im Mittelpunkt steht dabei die klare Trennung zwischen fixen und variablen Kosten. Fixkosten, insbesondere Investitions‑ und Kapitalkosten für erneuerbare Erzeugungsanlagen, sollten über den Grund‑ bzw. Leistungspreis gedeckt werden. Variable Kosten, wie Brennstoff‑ oder kurzfristige Beschaffungskosten, sollten hingegen im Arbeitspreis abgebildet werden. Die Benchmarking‑Ergebnisse zeigen jedoch, dass in vielen Fällen genau das Gegenteil der Fall ist: Hohe Deckungsbeiträge im Arbeitspreis stehen einer strukturellen Unterdeckung der Fixkosten gegenüber.
Für eine wirtschaftlich tragfähige Preisgestaltung bedeutet dies:
- Der Grundpreis muss stärker gewichtet werden, um die steigenden Fixkosten der Transformation zuverlässig abzubilden.
- Der Arbeitspreis sollte die tatsächlichen variablen Kosten widerspiegeln, die in dekarbonisierten Systemen tendenziell sinken.
- Preisgleitklauseln müssen an die neue Kostenstruktur angepasst werden, damit Preisänderungen künftig die realen Kostenentwicklungen abbilden und nicht von externen Faktoren überlagert werden.
Eine solche kostenbasierte Neuausrichtung schafft Transparenz, reduziert wirtschaftliche Risiken und stärkt die Planbarkeit, sowohl für Versorger als auch für Kundinnen und Kunden. Gleichzeitig bildet sie die Grundlage dafür, die Vorteile Erneuerbarer Energien langfristig sichtbar zu machen und die wirtschaftliche Stabilität im Transformationsprozess zu sichern.
Fazit: Preisgestaltung wird zum strategischen Erfolgsfaktor der Transformation
Das Fernwärme‑Benchmarking 2025 zeigt eindrücklich, dass die wirtschaftliche Transformation der Fernwärme ebenso herausfordernd ist wie die technische. Die Dekarbonisierung verändert die Kostenstruktur nachhaltig – und damit die Anforderungen an Tarifmodelle, Preisgleitklauseln und Erlösmechanismen.
Für Stadtwerke bedeutet dies, dass die Preisgestaltung zu einem zentralen Hebel wird, um wirtschaftliche Stabilität im Transformationsprozess zu sichern. Eine konsequente Ausrichtung der Preissystematik auf die tatsächliche Kostenstruktur ist nicht nur sinnvoll, sondern notwendig. Wer frühzeitig handelt, schafft Planungssicherheit, reduziert Risiken und stärkt die eigene Wettbewerbsfähigkeit.
Hinweis: Start der neuen Benchmarking‑Runde
Die nächste Runde des RÖDL Fernwärme‑Benchmarkings startet in Kürze. Alle Fernwärmeversorger sind herzlich eingeladen, daran teilzunehmen.
Das anonyme Benchmarking bietet Ihnen:
- eine belastbare Einordnung Ihrer wirtschaftlichen und technischen Kennzahlen,
- eine fundierte Bewertung Ihrer Preisgestaltung,
- eine klare Positionierung im Marktumfeld,
- wertvolle Impulse für strategische Entscheidungen im Transformationsprozess.
Weitere Informationen finden Sie hier: Benchmarking in der Fernwärme | RÖDL
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