Veröffentlicht am 12. Juni 2025
Lesedauer ca. 4 Minuten

Erneut starker Wettbewerb – eine Einordnung der Ergebnisse der zweiten Wasserstoffauktion unter dem Innovation Fund

Maria Ueltzen
Associate Partner
Europäische Dipl.-Verwaltungsmanagerin (FH)
Konstantin Ott
M.Sc. Erneuerbare Energien Management
Kontaktieren Sie uns:
Jetzt Kontakt aufnehmen
Nachdem bereits in der ersten Auktionsrunde deutlich wurde, dass das Interesse an der Förderung von erneuerbaren Wasserstofferzeugungsprojekten groß ist, bestätigt die zweite Runde dieses Bild – mit noch stärkerem Wettbewerb, hoher Beteiligung und erneut deutlicher Unterbietung des zulässigen Höchstpreises.

Der Innovation Fund ist eines der weltweit größten Förderinstrumente für kohlenstoffarme und innovative Technologien. Er wird aus den Einnahmen des EU-Emissionshandelssystems (EU ETS) finanziert und soll zwischen 2020 und 2030 je nach Kohlenstoffpreis rund 40 Milliarden Euro1 bereitstellen.

Funktionsweise der Wasserstoff Auktion

Um den Markthochlauf von erneuerbarem Wasserstoff gezielt zu fördern, hat die Europäische Kommission im Rahmen des Innovation Fund einen Auktionsmechanismus eingeführt. Dieses Instrument ist Teil des „domestig leg“ der European Hydrogen Bank. Die European Hydrogen Bank fungiert dabei als Koordinierungs- und Finanzierungsplattform, um die Versorgung Europas mit kosteneffizientem, erneuerbarem Wasserstoff sicherzustellen.

Der Auktionsmechanismus folgt einem „Pay-as-bid“-Modell mit einer festen Prämie. Die Projektentwickler reichen Gebote ein, in denen sie die Höhe der Förderung angeben, die sie pro Kilogramm produzierten, erneuerbaren Wasserstoffs benötigen – also genau die Summe, die die Lücke zwischen den tatsächlichen Produktionskosten und dem am Markt erzielbaren Preis schließt. Die Projekte mit den niedrigsten Geboten erhalten eine Förderung, bis das zugewiesene Budget ausgeschöpft ist.

Ergebnisse der zweiten Auktionsrunde

Am 20. Februar 2025 wurde die zweite Auktionsrunde (IF24 Auction) abgeschlossen. Insgesamt standen 1,2 Milliarden Euro an Fördermitteln zur Verfügung, darunter erstmals ein dediziertes Budget von 200 Millionen Euro für Projekte mit Abnehmern in der maritimen Wirtschaft2.

Bis zum Fristende gingen 61 Gebote aus elf Staaten ein, davon acht für den maritimen Bereich. Die Antragsteller beantragten insgesamt rund 4,88 Milliarden Euro was das steigende Interesse und den wachsenden Wettbewerb im Wasserstoffsektor unterstreicht.

Am 20. Mai 2025 veröffentlichte die Europäische Kommission die Ergebnisse: 15 Projekte aus fünf Staaten wurden zur Förderung ausgewählt und erhalten insgesamt 992 Millionen Euro.

Projektname Koordinator Land Gebots-volumen (kt H2 / 10 Jahre) Elektrolyse-kapazität (MW) Erwartete THG-Vermeidung (kt CO2e / 10 Jahre) Gebots-preis (EUR / kg)
keine Abnehmerbeschränkungen
VILLAMARTI N H2 GALENA RENOVABLES 6, S.L. Spanien 126 252 895 0,20
PUERTO SERRANO H2 GALENA RENOVABLES 7, S.L. Spanien 49 98 337 0,25
Kristinestad PtX Koppö Energia Oy Finnland 258 200 1.763 0,33
SolWinHy Cadiz Viridi RE GmbH Spanien 63 80 431 0,40
H2LZ IGNIS HIDROGENO ALFA Spanien 26 20 179 0,41
AGS ARMONIA GREEN SEVILLA Spanien 238 198 1.631 0,41
AGG280 ARMONIA GREEN GALICIA, S.L. Spanien 238 198 1.629 0,42
H2CRI GREEN DEVCO ENERGY 6, S.L.U. Spanien 30 30 204 0,44
KASKADE Meridiam SAS Deutschland 354 367,5 2.424 0,45
H2-Hub Lubmin H2-Hub Lubmin GmbH Deutschland 238 210 1.628 0,47
TORDESILLASH2 Elawan Energy Spanien 17 15 115 0,48
Zeevonk Electrolyser Zeevonk Electrolyser Niederlande 411 560 2.812 0,60
Abnehmer in der maritimen Wirtschaft
RjukanH2 NORWEGIAN HYDROGEN AS Norwegen 29 18,75 201 0,45
Gen2-LH2 Gen2 Energy AS Norwegen 104 82,21 714 0,59
HammerfestH2 GREEN H AS Norwegen 12 7,5 80 1,88

Tabelle 1: Ergebnisse zweite Auktionsrunde

(Quelle: IF24 Auction – European Commission)

Alle geförderten Projekte müssen innerhalb von 2,5 Jahren nach Vertragsunterzeichnung den Financial Close erreichen und spätestens nach fünf Jahren mit der Wasserstoffproduktion beginnen. Zudem erhalten sie ihre feste Prämie erst, nachdem der Wasserstoff als „RFNBO Wasserstoff“ (renewable fuel of non-biological origin – RFNBO) zertifiziert und überprüft wurde.

Vergleich und Einordnung der Ergebnisse erste und zweite Auktionsrunde (ohne Projekte mit Abnehmer der maritimen Wirtschaft)

IF23 Auction IF24 Auction
Zulässiger Höchstpreis 4,5 €/kg 4 €/kg
Durchschnittlicher Zuschlagswert 0,44 €/kg 0,41 €/kg
Höchster Zuschlagswert 0,48 €/kg 0,6 €/kg
Niedrigster Zuschlagswert 0,37 €/kg 0,2 €/kg

Tabelle 2: Vergleich der ersten beiden Auktionsrunden
(ohne Projekte mit Abnehmer der maritimen Wirtschaft, da hierfür gesondert Mittel zur Verfügung standen)

(Quelle: European Hydrogen Bank auction provides €720 million und IF24 Auction – European Commission)

Im Vergleich zur ersten Auktionsrunde zeigt sich weiterhin ein stark wettbewerbsorientiertes Umfeld. Obwohl der zulässige Höchstpreis von 4,50 €/kg auf 4,00 €/kg gesenkt wurde, lag der durchschnittliche Zuschlagswert mit 0,41 €/kg erneut deutlich darunter. Der niedrigste Gebotspreis betrug sogar lediglich 0,20 €/kg. Auffällig ist, wie bereits in der ersten Runde, dabei auch die hohe Konzentration der bezuschlagten Projekte in Spanien.

Die beiden Auktionsergebnisse zeigen damit auch, dass erneuerbarer Wasserstoff in bestimmten Regionen des Europäischen Wirtschaftsraums, sofern der Zugang zu günstiger erneuerbarer Energie gesichert ist, klare regulatorische Rahmenbedingungen herrschen und eine gesicherte Abnahme besteht, bereits heute nahe an wettbewerbsfähigen Marktpreisen produziert werden kann.

Anstehende neue Auktionsrunde in 2025

Wie im Clean Industrial Deal angekündigt, wird es bis Ende 2025 eine weitere Auktionsrunde für erneuerbaren Wasserstoff geben, mit einem Fördervolumen von bis zu 1 Milliarde Euro (Quelle: Competitive bidding – European Commission). Wir halten Sie auf dem Laufenden.

Gerne unterstützen wir Sie bei regulatorischen und wirtschaftlichen Fragen rund um das Thema Wasserstoff.

Sie haben Interesse an öffentlichen Fördermitteln? Wir zeigen Ihnen den Weg und begleiten Sie von der Projektidee bis zum Verwendungsnachweis.


1 Auf der Grundlage eines angenommenen Preises von 75 EUR pro Tonne CO2.

2 Ein Abnehmer gilt als im maritimen Sektor tätig, wenn er den im Rahmen des Projekts erzeugten Wasserstoff oder ein entsprechendes Derivat zur Durchführung oder Nutzung von Bunkertätigkeiten in Häfen innerhalb der EU/des EWR verwendet. Bunkerung umfasst dabei die Lieferung von Energiequellen für den Schiffsantrieb oder die Energieversorgung an Bord.


Quellen:

Competitive bidding – European Commission

Calls for proposals – European Commission

What is the Innovation Fund? – European Commission

IF24 Auction – European Commission

Press corner | European Commission

Erste Wasserstoffauktion unter dem Innovation Fund startet am 23.11.2023 | RÖDL

https://climate.ec.europa.eu/document/download/e0cb2657-d834-44c0-af2c-efbdf7cecd53_en?filename=20241114_ifeg_presentation_en.pdf