Türkei: Erneuerbare Energien: Chancen für Investoren in einem dynamischen Marktumfeld
- Türkei wird zum Wachstumsmarkt für erneuerbare Energien
- Roadmap 2035, YEKA und YEKDEM setzen neue Investitionsimpuls
- Speicher und Eigenverbrauch werden für Industrieprojekte wichtiger
- Rechtliche Strukturierung bleibt für Investoren entscheidend
Die türkischen regulatorischen Rahmenbedingungen für Klima und Energie entwickeln sich derzeit sehr dynamisch. Ausschlaggebend hierfür sind internationale Verpflichtungen, wachsende Anforderungen wichtiger Handelspartner sowie nationale energie- und wirtschaftspolitische Zielsetzungen.
Für Unternehmen führen diese Entwicklungen zu erweiterten Anforderungen in den Bereichen Klima- und Energieeffizienz. Gleichzeitig eröffnen sich für deutsche und internationale Unternehmen sowie Investoren aber auch viele neue Marktchancen.
Klimawandel als zusätzlicher Impuls für die Energiewende
Die Auswirkungen des Klimawandels sind auch in der Türkei zunehmend spürbar. Hitzewellen, Wasserknappheit, Waldbrandrisiken und Starkregenereignisse stellen Unternehmen, Infrastruktur und Energieversorgung vor neue Herausforderungen.
Für die türkische Wirtschaft bedeutet dies jedoch nicht nur zusätzlichen Anpassungsdruck. Zugleich verstärkt sich die Notwendigkeit, Energieversorgung, Produktionsprozesse und Lieferketten langfristig widerstandsfähiger und nachhaltiger auszurichten. Besonders exportorientierte Unternehmen müssen Klimarisiken, steigende Energiekosten und europäische Dekarbonisierungsanforderungen heute stärker in ihre strategischen Entscheidungen einbeziehen.
Damit wird der Ausbau erneuerbarer Energien zu einem zentralen Baustein der wirtschaftlichen Transformation. Solar- und Windenergie können dazu beitragen, die Versorgungssicherheit zu stärken, die Abhängigkeit von fossilen Energieimporten zu verringern und neue Investitionsmöglichkeiten für nationale und internationale Marktteilnehmer zu eröffnen.
Türkische Regulatorik im Wandel
Mit der Ratifizierung des Pariser Klimaabkommens im Jahr 2021 und dem Ziel der Klimaneutralität bis 2053 hat die Türkei den politischen Rahmen für ihre langfristige Dekarbonisierungsstrategie gesetzt. Gleichzeitig werden institutionelle Strukturen gestärkt, unter anderem durch die Erweiterung des Umwelt- und Stadtplanungsministeriums um spezifische Zuständigkeiten im Klimaschutz. Die bevorstehende COP31 in Antalya, um deren Ausrichtung sich die Türkei beworben hat, verleiht diesen Verpflichtungen zusätzliche internationale Sichtbarkeit und Dynamik. Auch wurden individuelle Dekarbonisierungsziele für CO₂-intensive Industrien aufgestellt:

Grafik 1: Dekarbonisierungsziele nach Industrien bis 2053¹
Folgende Übersicht liefert einen Einblick in die aktuelle Energie- und Klima-Strategie der Türkei.
Förderprogramme
Um den Ausbau erneuerbarer Energien und die grüne Transformation der Industrie zu beschleunigen, setzt die Türkei verschiedene Förder- und Anreizmechanismen ein. Diese können Unternehmen beispielsweise bei Investitionen in Solaranlagen, Windenergieprojekte, Batteriespeicher, energieeffiziente Maschinen oder die Modernisierung energieintensiver Produktionsprozesse unterstützen.
Je nach Projekt können solche Instrumente unterschiedliche Formen annehmen, etwa Investitionszuschüsse, Steuer- und Zollvorteile, Einspeisevergütungen, Abnahmegarantien oder die Zuteilung von Netzanschlusskapazitäten im Rahmen von Ausschreibungen.
Für Unternehmen können diese Maßnahmen dazu beitragen, Investitionskosten zu senken, Energiekosten besser planbar zu machen und die CO₂-Intensität der Produktion zu reduzieren.
Damit werden Förderprogramme nicht nur zu einem klimapolitischen Instrument, sondern auch zu einem wichtigen wirtschaftlichen Faktor für Investoren, Projektentwickler und exportorientierte Industrieunternehmen
Europäische Anforderungen und strategische Energiepartnerschaft
Für europäische Unternehmen gewinnt die Zusammenarbeit mit verlässlichen Energie- und Produktionspartnern zunehmend an Bedeutung. Die Türkei kann aufgrund ihrer geografischen Nähe, ihrer engen wirtschaftlichen Verflechtung mit der EU und ihres Potenzials im Bereich erneuerbarer Energien eine wichtige Rolle einnehmen.
Vor diesem Hintergrund entsteht für die Türkei nicht nur Anpassungsdruck, sondern auch die Chance, sich als strategischer Standort für erneuerbare Energien, industrielle Produktion und grüne Wertschöpfungsketten zu positionieren. Für exportorientierte Unternehmen werden CO₂-Transparenz, erneuerbare Energieversorgung und energieeffiziente Produktionsprozesse damit zunehmend zu Wettbewerbsfaktoren im europäischen Markt.
Fazit
Die Türkei befindet sich derzeit in einer Phase intensiver regulatorischer Anpassungen im Bereich der Stromerzeugung. Mit dem Beschluss der EPDK vom 26. Februar 2026 wurden für lizenzfreie Wind- und Solarprojekte zusätzliche Netzanschlusskapazitäten eröffnet. Zugleich zeigen die jüngsten Entwicklungen im Bereich der lizenzfreien Stromerzeugung und integrierter Speicherlösungen, dass das Zusammenspiel von erneuerbarer Stromerzeugung, Eigenverbrauch und Energiespeicherung künftig weiter gestärkt werden soll. Damit wird deutlich, dass erneuerbare Energien in der Türkei nicht nur regulatorisch, sondern auch wirtschaftlich zunehmend an Bedeutung gewinnen.
Wir bei RÖDL unterstützen Unternehmen dabei, maßgeschneiderte Dekarbonisierungsstrategien zu entwickeln und regulatorische sowie förderrechtliche Fragestellungen in der Türkei und im internationalen Kontext effektiv zu adressieren.
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Quellen:
1 UNFCCC – Türkiye 2053 – Long Term Climate Strategy
2 T.C. Enerji ve Tabii Kaynaklar Bakanlığı – Enerji Dönüşümü: Yenilenebilir Enerji 2035
3 https://www.gtai.de/de/trade/tuerkei/recht/nachhaltigkeitsberichterstattung-in-der-tuerkei-1917566
4 TSRS – Turkish Sustainability Reporting Standards | RÖDL
5 ICAP: Türkiye adopts landmark climate law