Erwartung der BaFin: priorisierte Risiken und Nachhaltigkeit als Trend
- Die BaFin identifiziert Nachhaltigkeit als zentralen Trend für 2026.
- Die Aufsichtsbehörde fordert eine strategische Einbindung definierter Risiken und Trends.
- Klimarisiken rücken in den Fokus.
- Die Aufsicht intensiviert Greenwashing-Kontrollen und bereitet CSRD-Prüfungen vor.
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Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) stellt im Bericht „Risiken im Fokus“, veröffentlicht am 28. Januar 2026 in Frankfurt, eine komplexe Risikolage dar. Darin werden neun Risiken und drei Trends benannt, die im laufenden Jahr im Mittelpunkt der aufsichtsbehördlichen Aufmerksamkeit stehen. Der Bericht formuliert eine klare Erwartungshaltung an Unternehmen und fungiert damit als zentrale Orientierungshilfe für ein effektives Risikomanagement.
Mit Blick auf das deutsche Finanzsystem priorisiert die BaFin sechs systemische Finanzmarktrisiken:
- Risiken aus signifikanten Korrekturen an den internationalen Finanzmärkten
- Risiken aus dem Ausfall von Unternehmenskrediten
- Risiken aus den Gewerbeimmobilienmärkten
- Risiken aus Cyber-Vorfällen mit gravierenden Auswirkungen
- Risiken aus Konzentrationen bei der Auslagerung von IKT-Dienstleistungen
- Risiken aus unzureichender Prävention von Geldwäsche und Terrorismusfinanzierung
Darüber hinaus werden erstmalig drei weitere Top-Risiken benannt, die unmittelbar Verbraucherinnen und Verbraucher betreffen:
- Konsumfinanzierung auf Kredit
- Investitionen in Kryptowerte und der Einfluss sozialer Medien auf das Anlageverhalten
- Kosten von kapitalbildenden Lebensversicherungen
Diese Risiken werden laut der BaFin maßgeblich durch drei längerfristige und tiefgreifende Entwicklungstrends verstärkt:
- Digitalisierung
- Nachhaltigkeit
- Geopolitische Umbrüche.
Seitens der Aufsichtsbehörde wird eine proaktive und vorausschauende Einbindung dieser Risiken und Trends in die strategische Steuerung erwartet, um Stabilität in einem von Volatilität geprägten Marktumfeld sicherzustellen.
Die BaFin identifiziert Nachhaltigkeit als Trend für 2026
Klimarisiken
Klimabedingte Risiken lassen sich grundsätzlich in physische und transitorische Risiken unterteilen. Physische Risiken resultieren aus den direkten Auswirkungen klimatischer Veränderungen, wie etwa Extremwetterereignissen. Sie können bei Unternehmen sowohl finanzielle Verluste als auch Personenschäden verursachen. Vor diesem Hintergrund fordert die BaFin, dass Unternehmen sich systematisch mit physischen Risiken auseinandersetzen, um mögliche Kostenfolgen frühzeitig zu erkennen und zu steuern. Besonders Finanzunternehmen mit regionalem Geschäftsschwerpunkt sind hiervon potenziell stark betroffen. Angesichts des fortschreitenden Klimawandels und der damit verbundenen Schädigung von Ökosystemen wird künftig mit einer Zunahme physischer Risiken gerechnet.
Eine von der BaFin unter ausgewählten Versicherern und Kreditinstituten durchgeführte Umfrage zum Umgang mit physischen Risiken ergab folgende Ergebnisse:
- Nahezu alle befragten Unternehmen erwarten eine Zunahme und Intensivierung von Extremwetterereignissen
- Die Mehrheit der Versicherer und alle befragten Kreditinstitute berücksichtigen bereits physische Risiken in ihrer Risikoinventur bzw. in ihren Wesentlichkeitsanalysen
- 50 % der Versicherer sehen einen materiellen Einfluss physischer Klimarisiken auf wesentliche Risikoarten
- Die Datenverfügbarkeit wird von 70% der Kreditinstitute und 60% der Versicherer als problematisch eingeschätzt
Trotz bestehender Herausforderungen aufgrund von Datenlücken sind Unternehmen von der BaFin dazu angehalten, sich systematisch mit den klimabedingten physischen Risiken auseinanderzusetzen und dabei die aktuell verfügbaren Daten zu nutzen. Mithilfe von Standortanalysen lassen sich Risiken beispielsweise gezielt bewerten. Um ein angemessenes Risikomanagement sicherzustellen, können zudem Daten von Versicherungspartnern eingeholt werden.
Neben den physischen Risiken entfalten sich die Auswirkungen des Klimawandels über transitorische Risiken. Diese entstehen u.a. durch veränderte gesellschaftliche Anforderungen, klimapolitische Entscheidungen oder technologische Innovationen. So kann beispielsweise die Bewertung von Bestandsimmobilien aufgrund zunehmender Anforderungen an die energetische Qualität von Gebäuden negativ beeinflusst werden.
Somit sieht die BaFin den Finanzsektor in Bezug auf Klimarisiken mit zwei zentralen Herausforderungen konfrontiert:
- Die Quantitative Erfassung und Steuerung von Klima- und Biodiversitätsrisiken
- Die Unterstützung der Realwirtschaft bei der Transformation hin zu einer dekarbonisierten und klimastabilen Wirtschaft, etwa durch gezielte Investitionen, Kreditvergabe oder Versicherungsleistungen
Finanzinstitute sind damit gefordert, sowohl physische als auch transitorische Klimarisiken aktiv zu managen. Nur so können sie die ökologische Transformation anderer Branchen wirksam begleiten und gleichzeitig die Widerstandsfähigkeit ihrer eigenen Geschäftsmodelle sicherstellen.
Die BaFin selbst kündigt eine intensivierte Aufsicht über Klimarisiken im laufenden Jahr mit folgenden Schwerpunkten an:
- Analyse in welchem Ausmaß Versicherer von klimabedingten physischen Risiken betroffen sind und ob das Naturkatastrophenrisiko von diesen angemessen modelliert wird
- Untersuchung des Kapitalanlageverhaltens von Versicherern unter ESG-Aspekten
- Bewertung wie Kreditinstitute physische Risiken in ihre Risikoinventur integrieren
- Untersuchung der Berücksichtigung von ESG-Themen im Internal Capital Adequacy Assessment Process (ICAAP) sowie bei Kreditprüfungen
- Analyse, welche ESG-Themen sektorübergreifend relevant und zu behandeln sind
Greenwashing
Neben der verstärkten Aufsicht im Hinblick auf Klimarisiken fokussiert sich die BaFin auf die effektive Verhinderung von Greenwashing und prüft im Jahr 2026 insbesondere:
- Die Einhaltung der EU-Offenlegungsverordnung (SFDR) und des BaFin-Merkblatts zum Zuordnungsansatz
- Die Einhaltung rechtlicher Bestimmungen von Nachhaltigkeitsangaben in Prospekten und Werbung
- Die Einhaltung von zugesagten Investitionen in ESG-konforme Anlagen bei Kapitalverwaltungsgesellschaften
- Wertpapierprospekte anhand ihres Greenwashing-Konzepts
Zusätzlich kündigte die BaFin eine Marktuntersuchung zu Greenwashing bei Vermögensanlagen an.
CSRD
Als dritten priorisierten Tätigkeitsbereich im Trendthema Nachhaltigkeit benennt die BaFin eine verstärkte Marktpräsenz im Rahmen der Corporate Sustainability Reporting Directive (CSRD). Sobald das deutsche Umsetzungsgesetz in Kraft tritt, wird die BaFin Nachhaltigkeitsberichte stichprobenhaft prüfen und deren Übereinstimmung mit den European Sustainability Reporting Standards (ESRS) kontrollieren.
Der Bericht „Risiken im Fokus 2026“ stellt die Fokusthemen der BaFin für das laufende Jahr klar heraus. Die Aufsicht setzt auf Prävention, Proportionalität und risikoorientiertes Handeln, um Schwachstellen frühzeitig zu erkennen und Stabilität zu sichern. Genau hier liegt auch für Unternehmen die Chance: wer ESG-Risiken systematisch in Reporting und Steuerung integriert, stärkt nicht nur die regulatorische Konformität, sondern vor allem die Zukunftsfähigkeit des eigenen Geschäftsmodells. ESG-Reporting- und Risikomanagementsysteme sind damit kein zusätzlicher Aufwand, sondern ein zentraler Bestandteil für mehr Resilienz im zunehmend volatilen Umfeld und ein klarer Wettbewerbsvorteil für die kommende Reise. Nicht die Marktbewegungen lassen sich steuern, sondern die eigene Widerstandsfähigkeit.