ESG als strategischer Imperativ – Warum CFOs jetzt handeln müssen
Interview mit Renata Kabas-Komorniczak
Welche Rolle spielt bei der ESG-Berichterstattung die Buchhaltung?
Eine Zentrale. Viele ESG-relevante Kennzahlen – etwa zum Energieverbrauch, zum Entgeltgefälle oder zur Zahl von Arbeitsunfällen – stammen direkt aus der Buchhaltung. Auch für die Offenlegung im Rahmen der EU-Taxonomie sind Buchhaltungsdaten entscheidend. Ohne das Finance-Team ist kein glaubwürdiger ESG-Bericht möglich.
Wie verändern die neuen ESRS-Standards die Anforderungen?
Die ESRS, die European Sustainability Reporting Standards, setzen neue Maßstäbe. ESG-Reportings haben sehr hohe Anforderungen: Die Daten müssen nachvollziehbar, vergleichbar und prüfbar sein. Das bedeutet: Es braucht eine strukturierte, systematische und vor allem unternehmensweit einheitliche Erhebung von ESG-Informationen.
Wie gelingt diese Datenqualität in der Praxis?
Die Voraussetzung ist ein gutes Zusammenspiel verschiedener Abteilungen. Finance, HR, IT, Operations und Nachhaltigkeits-Abteilungen müssen eng zusammenarbeiten – idealerweise gesteuert von einem zentralen ESG-Team. Die Datenquellen, wie ERP-Systeme, Flotten- oder Lieferkettenmanagement, müssen konsistent und integrationsfähig sein. Mitarbeitende brauchen klare Richtlinien, Schulungen und Zugang zu den richtigen KPIs.
Welche Rolle spielt Technologie?
Eine entscheidende. IT-Lösungen wie SAP, Lucanet, DATEV oder Microsoft D365 bieten mittlerweile ESG-fähige Module. Sie ermöglichen eine automatisierte und sichere Datensammlung. Aber: Die Einführung solcher Systeme erfordert gute Governance, IT-Kompetenz und strikte Sicherheitsstandards. Für CFOs wird die Systemarchitektur zu einem strategischen Erfolgsfaktor.
Was empfehlen Sie Unternehmen, die jetzt starten?
Die Buchhaltung muss frühzeitig eingebunden werden.Bestehende Systeme und Prozesse gehören auf den Prüfstand – genauso wie Schnittstellen zu Lieferanten.Klare Zuständigkeiten schaffen und Mitarbeitende schulen.Externe ESG-Beratung kann helfen, insbesondere bei der doppelten Wesentlichkeitsanalyse oder der technischen Umsetzung.
Nur ein koordiniertes Vorgehen führt zu einem Bericht, der regulatorisch sauber ist und Vertrauen schafft.