EU Hydrogen Mechanism: Dekarbonisierung besser planbar machen
- Erster Aufruf zur Interessensbekundung des Hydrogen Mechanism war erfolgreich
- Bündelung von Nachfrage und Matching von Abnehmern und Lieferanten für Wasserstoffprojekte
- Instrument, um Marktverständnis zu Preisentwicklungen, Lieferketten und Verfügbarkeiten aufzubauen
Der Hochlauf des europäischen Wasserstoffmarktes stockt weiterhin. Wasserstoffproduzenten investieren nur dann in Elektrolyseure, Netze und Importterminals, wenn langfristige Nachfrage sichtbar wird. Industrielle Abnehmer wiederum zögern mit verbindlichen Einkaufsentscheidungen, solange Preise, Infrastruktur und Verfügbarkeiten unklar bleiben. Genau an dieser Schnittstelle setzt die Europäische Union mit dem sogenannten Hydrogen Mechanism an.
Versorgungssicherheit und wettbewerbsfähige Preise sind entscheidend für die industrielle Transformation Europas. Mit der Plattform verfolgt die EU deshalb das Ziel, europäische Unternehmen bei der Beschaffung kritischer Energieträger und Rohstoffe zu unterstützen.
Die EU Energy and Raw Materials Platform fungiert dabei als zentraler und transparenter digitaler Marktplatz innerhalb des Aktionsplans ResourceEU, um die Versorgung von Unternehmen in der EU mit strategischen Rohstoffen sicherzustellen.
Die Plattform umfasst insgesamt drei Matching-Bereiche und adressiert unterschiedliche strategische Ressourcen. Neben kritischen Rohstoffen wie Lithium, Grafit, Nickel oder Kobalt (Raw Materials Mechanism) sowie Gasen wie Biomethan und Erdgas (Gas and Biomethane Mechanism) sollen Produzenten und Abnehmer von Wasserstoff über den sogenannten Hydrogen Mechanism zusammengebracht werden. Der Fokus liegt dabei auf erneuerbaren und kohlenstoffarmen Wasserstoff sowie entsprechenden Derivaten wie Ammoniak, Methanol, eMethane und eSAF.
Was der Hydrogen Mechanism konkret verändern soll:
In den vergangenen Jahren lag der Fokus der Politik und der Wasserstoffwirtschaft stark auf Produktionszielen. Europa diskutierte über Elektrolysekapazitäten und Importkorridore. Mittlerweile zeigt sich jedoch zunehmend, dass der eigentliche Engpass nicht allein auf der Angebotsseite liegt, sondern insbesondere bei der bankfähigen Nachfrage. Denn Wasserstoffprojekte benötigen langfristige Offtake-Agreements, bevor Investoren Kapital zur Verfügung stellen.
Gleichzeitig fehlt Stadtwerken und Industrieunternehmen häufig die notwendige Planungssicherheit. Viele potenzielle Abnehmer wissen bislang nicht, wann Wasserstoff tatsächlich verfügbar sein wird, in welchen Mengen geliefert werden kann und auf welchem Preisniveau sich der Markt perspektivisch bewegen wird.
Genau an diesem Punkt setzt der Hydrogen Mechanism an. Der Mechanismus fungiert im Kern als europäische Matchmaking-Plattform. Stadtwerke und Industrieunternehmen können dort ihren zukünftigen Wasserstoffbedarf, während Produzenten ihre geplanten Produktionsmengen registrieren. Die Plattform bringt anschließend potenzielle Anbieter und Abnehmer zusammen.
Organisiert wird der Prozess von der europäischen Wasserstoffbank über Aufrufe zur Interessensbekundung. Der Mechanismus ist dabei grundsätzlich angebotsgetrieben organisiert: Zunächst registrieren Wasserstofflieferanten ihre Projekte und Lieferoptionen auf der Plattform. Anschließend können potenzielle Abnehmer für diese Angebote Interessenbekundungen unverbindlich abgeben und mit potenziellen Partnern in Kontakt treten. Die EU-Kommission agiert dabei nicht als Händler oder zentraler Einkäufer. Ihre Rolle besteht vielmehr darin, eine digitale zentrale Plattform zur Verfügung zu stellen, um potenzielle Abnehmer und Lieferanten zusammenzubringen, Nachfragen zu bündeln, strategische Projekte zu unterstützen und Informationen über zur Verfügung stehende Finanzprodukte zu verbessern. Vertragsverhandlungen finden weiterhin bilateral zwischen den Unternehmen statt.
Ergebnisse des ersten Aufrufs zur Interessensbekundung
Die erste Ausschreibungsrunde des Hydrogen Mechanism wurde nach Angaben der EU-Kommission erfolgreich abgeschlossen. Im Rahmen der ersten Runde wurden insgesamt 265 Lieferoptionen registriert. Die Anbieter stammten aus 33 Ländern, darunter 16 EU-Mitgliedstaaten. Die gemeldeten Projekte umfassten sowohl Wasserstoff als auch verschiedene Derivate wie Ammoniak, Methanol, eMethane und synthetisches Kerosin beziehungsweise eSAF. 54% machten dabei Angaben zu Preisvorstellungen.
Auf der Nachfrageseite registrierten 45 Unternehmen beziehungsweise Projekte ihre erwarteten Wasserstoffbedarfe. Im anschließenden Matching-Prozess erhielt die Hälfte der Anbieter Interessenbekundungen von drei oder mehr potenziellen Abnehmern. Insgesamt fand sich für 87% aller Lieferoptionen mindestens ein Interessent.
Strategische Bedeutung des Hydrogen Mechanism für Stadtwerke und energieintensive Industrieunternehmen
Auch wenn der Hydrogen Mechanism die grundlegenden Herausforderungen des Wasserstoffmarktes nicht automatisch löst, ist die Plattform für Stadtwerke und Industrieunternehmen dennoch strategisch relevant.
Viele Unternehmen stehen derzeit vor der Herausforderung, die Rolle von Wasserstoff innerhalb ihrer Dekarbonisierungsstrategie realistisch einzuordnen. Häufig bestehen noch erhebliche Unsicherheiten hinsichtlich Verfügbarkeit, Wirtschaftlichkeit, Infrastruktur und regulatorischer Rahmenbedingungen.
Der Hydrogen Mechanism kann dazu beitragen, diese Unsicherheiten zumindest teilweise zu reduzieren. Durch die Teilnahme an den Ausschreibungs- und Matching-Runden erhalten Unternehmen frühzeitig Einblicke in Marktstrukturen, Preisentwicklungen, Verfügbarkeiten und potenzielle Lieferketten für Wasserstoff und Derivate und haben so die Möglichkeit, Wasserstoff nicht nur als technologisches Zukunftsthema, sondern als Teil langfristiger Investitions- und Transformationsplanung einzuordnen.
Weitere Ausschreibungs- beziehungsweise Matching-Runden des Hydrogen Mechanism sind bereits geplant. Konkrete Zeiträume für die nächsten Einreichungsphasen von Lieferanten und Abnehmern wurden bislang jedoch noch nicht veröffentlicht. Unternehmen können sich jedoch bereits vorab auf der Plattform registrieren, um an zukünftigen Runden teilzunehmen.
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