Fix it, sell it, close it? Wege aus anhaltender Ertragsschwäche
- Aus dem Wirtschaftsmagazin "Entrepreneur", Ausgabe 2026
Bleibt die Rentabilität hinter den Erwartungen zurück, besteht akuter Handlungsbedarf. Die Ursachen liegen häufig in ineffizienten Prozessen, einer hohen Kostenbasis, fehlender Marktanpassung oder veränderten Kundenanforderungen. Ohne Gegenmaßnahmen kann sich eine wirtschaftliche Schwäche zu einer existenziellen Krise entwickeln. Zu Beginn steht eine fundierte Analyse der finanziellen, operativen und strategischen Situation. Zentrale Kennzahlen wie EBIT, Cashflow und Eigenkapitalquote zeigen die wirtschaftliche Stabilität. Ergänzend sind qualitative Faktoren wie Innovationsfähigkeit, Marktposition oder Managementqualität zu bewerten. Darauf aufbauend werden die Handlungsoptionen Restrukturierung (fix it), Verkauf (sell it) oder Schließung (close it) hinsichtlich Machbarkeit, Zeitbedarf, Kosten und Auswirkungen auf Stakeholder geprüft.
Fix it – Restrukturierung
Die Restrukturierung ist häufig der erste Schritt zur Stabilisierung. Ziel ist es, Effizienz zu steigern, Kosten zu senken und Wachstumspotenziale zu erschließen. Typische Maßnahmen sind:
- Operativ: Prozesse optimieren, Digitalisierung vorantreiben, Produktivität erhöhen
- Finanziell: Refinanzierung sichern, Kapitalmaßnahmen planen und umsetzen, Budgetsteuerung konsequent durchführen
- Strategisch: Geschäftsmodell an Marktveränderungen anpassen, neue Märkte erschließen
Rechtliche Instrumente wie das StaRUG ermöglichen eine außergerichtliche Sanierung unter gerichtlichem Schutz und strukturieren Gläubigerverhandlungen. Gerade bei komplexen Transformationsprozessen schafft das zusätzliche Sicherheit.
Erfolgreiche Turnarounds erfordern klare Prioritäten, schnelle Umsetzung und transparente Kommunikation mit Mitarbeitenden, Kunden und Finanzierungspartnern. Innovationsfähigkeit und Kooperationen können zusätzliche Impulse für nachhaltige Wettbewerbsfähigkeit liefern.
Sell it – Verkauf
Ist eine nachhaltige Verbesserung nicht realistisch oder entspricht der Geschäftsbereich nicht mehr der strategischen Ausrichtung, kann ein Verkauf sinnvoll sein.
Wesentliche Erfolgsfaktoren dabei sind:
- Timing: Den Verkauf einleiten, solange noch Wertpotenziale bestehen
- Käuferstruktur: Strategische Investoren, Wettbewerber oder Finanzinvestoren gezielt ansprechen
- Professionelle Begleitung: Ein strukturierter Prozess erhöht die Transaktionssicherheit
Auch Teilverkäufe oder Carve-outs können Kapital freisetzen und ermöglichen die Konzentration auf profitable Kernaktivitäten.
Close it – geordnete Beendigung
Wenn Restrukturierung oder Verkauf nicht realisierbar sind, kann eine geordnete Beendigung erforderlich sein. Hierbei sind mögliche Wege:
- Insolvenz in Eigenverwaltung: Sanierung unter gerichtlicher Aufsicht bei Erhalt der Managementverantwortung
- Schutzschirmverfahren: zusätzlicher zeitlicher Rahmen zur Entwicklung tragfähiger Lösungen
- Solvente Liquidation: geordnete Abwicklung bei ausreichender Liquidität
Eine strukturierte Vorgehensweise hilft, Vermögenswerte bestmöglich zu sichern und rechtliche Risiken zu minimieren. Gleichzeitig bleibt eine transparente Kommunikation mit Mitarbeitenden und Geschäftspartnern entscheidend für Reputation und Vertrauen.
Bedeutung externer Beratung
In Krisensituationen unterstützen externe Experten mit Erfahrung, objektiver Perspektive und interdisziplinärem Know-how. Business Recovery Services bündeln betriebswirtschaftliche, rechtliche und strategische Expertise und begleiten von der Analyse bis zur Umsetzung geeigneter Maßnahmen. Gerade bei komplexen Transformationsprojekten erhöht die Kombination aus Restrukturierungs-, Transaktions- und Insolvenzerfahrung die Erfolgsaussichten deutlich.
Fazit
Die Wahl zwischen Restrukturierung, Verkauf oder Schließung gehört zu den anspruchsvollsten Managemententscheidungen. Voraussetzung ist eine realistische Bewertung der Ausgangslage sowie eine konsequente Umsetzung geeigneter Maßnahmen. Instrumente wie StaRUG oder Eigenverwaltung erweitern den Handlungsspielraum. Entscheidend bleibt jedoch ein frühzeitiges, strukturiertes Vorgehen. Wer rechtzeitig handelt, sichert Werte, reduziert Risiken und schafft die Grundlage für eine nachhaltige Zukunft.