Nächste fossile Energiepreiskrise in Sicht: Wie real ist das Risiko?
- Geopolitische Krisen treiben die Preisvolatilität bei Erdgas deutlich nach oben.
- Gasspeicher in Deutschland nur zu 39% gefüllt (Stand 21.6.2026).
- Hinweise auf eine erneute fossile Energiepreiskrise nehmen zu.
- Unternehmen sollten Risiken aktiv adressieren und Gegenmaßnahmen ergreifen.
Entwicklung der monatlichen Preisvolatilität von Erdgas
Werfen wir hierfür zunächst einen Blick auf die monatliche Preisvolatilität von Erdgas. Diese beschreibt hier die Schwankungsbreite des Erdgaspreises als Standardabweichung über einen bestimmten Zeitraum. Die jüngsten geopolitischen Krisen im Mittleren Osten treiben die Erdgas-Preise in die Höhe und beeinflussen auch die Preisvolatilität.

Abbildung 1: Historische monatliche Preisvolatilität von Erdgas (TTF month-ahead), Quelle: IEA
Abbildung 1 veranschaulicht die Preisvolatilität von Erdgas seit 2010 auf monatlicher Basis. Während die Jahre von 2010 bis 2019 durch eine geringe Volatilität geprägt waren, ist seit 2020 teils durch die Corona-Pandemie, teils durch vorlaufende Entwicklungen des Ukraine-Krieges, sowie die darauffolgende Energiepreiskrise selbst eine deutlich stärkere Preisschwankungsbreite festzustellen. Zwar folgte durch entsprechende Gegenmaßnahmen und den mittlerweile umfangreicheren LNG-Lieferungen eine kurze Phase relativer Stabilisierung sowohl des Preisniveaus als auch der Preisvolatilität, doch die jüngsten geopolitischen Spannungen – insbesondere im Zusammenhang mit dem Iran und der strategisch bedeutenden Straße von Hormus – führen erneut zu einem signifikanten Anstieg.
Insgesamt zeigt sich, dass innerhalb kurzer Zeiträume erhebliche Preisschwankungen auftreten können, die eng mit geopolitischen Krisenereignissen verknüpft sind. Die Entwicklung der 2020er-Jahre deutet darauf hin, dass sich Phasen sprunghaft ansteigender Volatilität häufen und strukturell verfestigen könnten. Vor diesem Hintergrund stellt sich zunehmend die Frage, ob diese wiederkehrenden Ausschläge nicht vielmehr das neue Normal an den Energiemärkten darstellen. Wie sich diese Dynamik mittelfristig fortsetzt, bleibt insbesondere mit Blick auf die kommenden Wintermonate und die bislang zu niedrigen Füllstände der Gasspeicher abzuwarten.
Aktuelle Lage der deutschen Erdgasspeicher – Füllstände im Jahresvergleich
Durch die derzeit hohen Erdgaspreise könnte sich die Befüllung der Speicher erheblich verteuern. Ein Blick auf die aktuellen Füllstände der Erdgasspeicher in Tabelle 1 unterstreicht die angespannte Lage:
| Speicherfüllstand in % | 2025/2026 | 2024/2025 | Maximum 10/2018 – 09/2021 | Minimum 10/2018 – 09/2021 |
| 1.10. | 76,31% | 96,09% | 98,34% | 80,12% |
| 1.11. | 75,13% | 98,19% | 99,21% | 87,75% |
| 1.12. | 66,74% | 90,64% | 98,57% | 82,65% |
| 1.1. | 56,19% | 79,47% | 96,89% | 73,22% |
| 1.2. | 31,90% | 55,16% | 85,97% | 44,06% |
| 1.3. | 20,82% | 33,61% | 78,06% | 30,78% |
| 1.4. | 21,83% | 29,14% | 72,74% | 26,91% |
| 1.5. | 26,12% | 33,4% | 78,68% | 25,42% |
| 1.6. | 32,69% | 41,12% | 85,14% | 31,12% |
| 1.7. | – | 50,94% | 89,02% | 41,61% |
| 1.8. | – | 61,02% | 89,33% | 50,18% |
| 1.9. | – | 72,54% | 95,97% | 59,9% |
Tabelle 1: Füllstände der Gasspeicher zum Monatsersten in %, Quelle: Bundesnetzagentur (Stand: 8.6.2026)
Infolge der Sperrung der Straße von Hormus sind die Gaspreise deutlich gestiegen, sodass für Händler derzeit geringere Anreize zur Einspeicherung bestehen. In der laufenden Periode 2025/2026 erreichen die prozentualen Speicherfüllstände bei Weitem nicht das Niveau des entsprechenden Vorjahreszeitraums (2024/2025). Besonders kritisch ist der Zeitraum von Oktober bis einschließlich April zu bewerten, in dem die Werte sogar deutlich unter den Minimalwerten des Referenzzeitraums von Oktober 2018 bis September 2021 – also vor der durch den russischen Angriffskrieg ausgelösten Energiekrise – liegen. Am 1.5. betrug der Füllstand rund 26% und lag damit nur knapp über den historischen Minimalwerten dieses Referenzzeitraums. Seitdem ist zwar wieder ein Anstieg zu beobachten, aktuell (21.6.26) beträgt der Füllstand knapp 39%, damit jedoch etwa 21% weniger als im langfristigen Mittel. Damit besteht (zumindest bislang noch) das Risiko von Versorgungslücken – insbesondere in Phasen hoher Nachfrage wie dem kommenden Winter.
Gleichzeitig zeigt sich jedoch eine neue strukturelle Abhängigkeit: Die drohende Verknappung infolge gestörter Lieferketten führt dazu, dass die Bedeutung verbleibender LNG-Lieferanten weiter zunimmt. Insbesondere die USA bauen ihre dominierende Rolle auf dem europäischen LNG-Markt aus und erreichten im ersten Quartal 2026 bereits einen Anteil von 63%. Für Deutschland fällt diese Abhängigkeit noch stärker aus: Rund 96% der LNG-Importe stammen im Jahr 2025 aus den Vereinigten Staaten. Die Abhängigkeit von einzelnen Lieferanten ist grundsätzlich kritisch zu bewerten, insbesondere vor dem Hintergrund, dass die USA aktuell verstärkt handelspolitische Maßnahmen als geopolitisches Instrument einsetzen.
Fossile Abhängigkeit als Risikofaktor für Unternehmen
Trotz vielseitiger Bemühungen seitens der Bundesregierung, die Situation zu entschärfen, scheint die Gefahr weiter steigender Kosten für fossile Energieverbraucher kaum abzuwenden. Insbesondere eine mögliche Kältewelle oder ausbleibende Lieferungen im kommenden Winter könnten zu Versorgungsengpässen führen und in der Folge erneute Preisvolatilitäten auslösen. Die beschriebenen Risiken betreffen insbesondere Unternehmen, die bei der Wärme- und Stromerzeugung weiterhin auf fossile Energieträger setzen.
Vor dem Hintergrund aufgezeigter Preisvolatilitäten und wachsender Versorgungsrisiken ist es für Sie als Unternehmen entscheidend, Ihre Energieversorgung strategisch neu auszurichten. Um diese Risiken nachhaltig zu reduzieren, benötigen Sie einen strukturierten Transformationsansatz, der kurzfristig wirksame Effizienzmaßnahmen mit gezielten Investitionen in eine resiliente Energieversorgung verbindet. Aus unserer Erfahrung in der praktischen Umsetzung zeigt sich, dass der erste Schritt darin besteht, Transparenz über Ihre größten Energieverbraucher, Lastprofile und energiekostenrelevanten Prozesse zu schaffen.
Darauf aufbauend lassen sich konkrete und wirtschaftlich darstellbare Maßnahmen umsetzen: etwa die Substitution fossiler Prozesswärme durch elektrische Lösungen wie Großwärmepumpen, der Ausbau von Photovoltaik zur Eigenstromversorgung – idealerweise kombiniert mit Speichertechnologien – sowie die gezielte Flexibilisierung Ihres Energieeinsatzes. Ergänzend können Sie durch Effizienzmaßnahmen, beispielsweise die Nutzung von Abwärme oder die Optimierung energieintensiver Prozesse, kurzfristig signifikante Einsparpotenziale realisieren.
Ziel ist es, Ihre Abhängigkeit von fossilen Energieträgern systematisch zu reduzieren, Preisrisiken aktiv zu steuern und Ihre Energiekosten langfristig zu stabilisieren – bevor externe Schocks erneut zu erheblichen Belastungen führen. Den Einsatz von Erdgas sollten Sie dabei konsequent auf Anwendungen begrenzen, für die aktuell noch keine wirtschaftlich oder technisch tragfähigen Alternativen verfügbar sind.
RÖDL begleitet Sie auf diesem Weg ganzheitlich: von der Identifikation relevanter Handlungsfelder über die wirtschaftliche Bewertung konkreter Maßnahmen bis hin zur Umsetzungsbegleitung. Gemeinsam entwickeln wir passgenaue Strategien, mit denen Sie Ihre Energieversorgung zukunftssicher aufstellen und Ihre Abhängigkeit von fossilen Energien gezielt reduzieren.
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