Glasfaser als Nebenprodukt der Energiewende: Wirtschaftliche Chancen für Stadtwerke
- Bestehende Glasfaserinfrastruktur kann kurzfristige wirtschaftliche Potenziale bieten
- Tiefbaukosten entfallen häufig – Einstieg in Telekommunikation wird deutlich günstiger
- Schon wenige hundert Kunden können zusätzliche Deckungsbeiträge generieren
- Mehrfachnutzung vorhandener Infrastruktur schafft Liquiditätsspielräume
Die Herausforderungen der Energiewende sind längst bei den Stadtwerken angekommen. Viele Aufgaben ergeben sich in diesem Kontext: Das Stromverteilernetz muss dem Wandel der Erzeuger- und Verbraucherlandschaft folgen, die Dekarbonisierung der Wärmeversorgung muss eingeleitet und umgesetzt werden und an vielen Stellen ist eine Digitalisierung der Energienetze unerlässlich. Daraus resultiert erheblicher Investitionsbedarf und dementsprechend auch erheblicher Finanzierungsbedarf.
Das Thema Digitalisierung wird häufig schon länger mitgedacht. Vielerorts werden bereits seit einigen Jahren bei Tiefbauprojekten Leerrohre für Glasfaserinfrastruktur mitverlegt. In der Regel ist die Zielsetzung dabei energiewirtschaftlicher Natur: Im Fokus steht die Anbindung von Trafostationen, Umspannwerken und Netzleitstellen. Das Datenübertragungspotenzial der Leitungen wird dabei häufig nicht ausgenutzt.
Dies schafft kurzfristiges wirtschaftliches Potenzial, welches häufig unterschätzt wird. Denn für den Einstieg in den Telekommunikations-Sektor ist kein vollständig ausgebautes Netz notwendig – bereits die Erschließung einiger Hundert Haushalte kann als Grundstein für Telekommunikationsangebote ausreichen. Die finanzielle Hürde ist durch die Mitverlegung aus energiewirtschaftlichen Gründen zudem sehr gering. Häufig sind für die Aufnahme von Geschäftsaktivitäten lediglich Investitionen in aktive Technik und ggf. In-House-Technik notwendig. Der Tiefbau – welcher beim Vollausbau oft über 70 % des Investitionsvolumens ausmacht – ist bereits abgeschlossen.
Der genaue Zustand des Netzes bestimmt dabei das passende Geschäftsmodell: Handelt es sich hauptsächlich um längere Strecken im öffentlichen Grund ohne Hausanschlüsse, kann das Erschließen von Geschäftskunden attraktiv sein. Wurde die Glasfaserinfrastruktur jedoch beispielsweise im Zuge des Wärmenetzausbaus errichtet und bis in die Gebäude ausgebaut, kann auch der Einstieg ins Endkundengeschäft lukrativ sein. Zu beachten ist weiterhin der bestehende Internet-Versorgungszustand im eigenen Netzgebiet.
Erwartungshaltung und Netzstruktur sollten dabei zusammenpassen: Die Glasfaseraktivitäten werden bei zögerlichem Kundenverhalten und geringer Hausanschlusszahl die Energiewende nicht im Alleingang finanzieren. Die zusätzlichen Deckungsbeiträge aus bereits vorhandener Infrastruktur verbessern die wirtschaftliche Situation dennoch. Werden beispielsweise 500 Kunden erreicht, mit denen monatlich 15 € Deckungsbeitrag generiert werden können, so ergeben sich daraus jährlich 90.000 € Mittelzufluss, die dem Geschäftsergebnis mit vergleichsweise wenig Aufwand hinzugefügt werden können.
Die Synergiepotenziale beim Ausbau werden häufig erkannt – das Verfolgen dieses Wegs bis zum Ende kann ein wesentlicher Beitrag zur Finanzierung der Energiewende sein. Gerade in Zeiten hohen Investitionsbedarfs kann die Mehrfachnutzung bestehender Infrastruktur ein pragmatischer Weg sein, zusätzliche Liquiditätsspielräume zu schaffen.
Gerne unterstützen wir Sie bei der Analyse der wirtschaftlichen Potenziale Ihrer Bestandsinfrastruktur – sprechen Sie uns an!
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