Veröffentlicht am 1. Juli 2026
Lesedauer ca. 3 Minuten

Die leichteste Form der Haushaltskonsolidierung – Vorhandenes Geld für den Haushalt durch optimiertes Forderungsmanagement verfügbar machen

  • Vorhandenes Geld nutzen statt sparen: Potenziale im Forderungsbestand heben.
  • Forderungsmanagement als Quick Win für die kommunale Haushaltskonsolidierung.
  • Altforderungen neu denken und zusätzliche Einnahmepotenziale erschließen.
  • Mehr Transparenz, höhere Realisierungsquoten, spürbare Haushaltsentlastung.
Thomas Seitz
Partner
Diplom-Betriebswirt (FH)
Florian Moritz
Partner
Diplom-Kaufmann
Kommunen stehen bundesweit vor erheblichen finanzwirtschaftlichen Herausforderungen. Steigende Sozialausgaben, wachsende Investitionsbedarfe und begrenzte finanzielle Spielräume erschweren vielerorts die Aufstellung eines ausgeglichenen Haushalts. In dieser Situation richtet sich der Fokus häufig zu schnell auf klassische Konsolidierungsmaßnahmen wie Ausgabenkürzungen oder Gebührenerhöhungen. Dabei bleibt ein Bereich oftmals unberücksichtigt: das kommunale Forderungsmanagement.

Gerade in älteren Forderungsbeständen – insbesondere bei niedergeschlagenen oder bislang als uneinbringlich bewerteten Forderungen – liegen häufig erhebliche Potenziale verborgen. In der Praxis zeigt sich, dass Forderungen vielfach über Jahre hinweg unverändert bewertet werden, obwohl sich die wirtschaftlichen Verhältnisse der Schuldner zwischenzeitlich deutlich, in vielen Fällen auch zum Positiven, verändert haben können. Bürgerinnen und Bürger, die zum Zeitpunkt der ursprünglichen Vollstreckung über keine ausreichende Leistungsfähigkeit verfügten, haben heute möglicherweise wieder Einkommen, Vermögen oder stabile Beschäftigungsverhältnisse aufgebaut.

Hier setzt unser Prozessansatz an. Gemeinsam mit der Kommune analysieren wir das bestehende Forderungsportfolio – einschließlich niedergeschlagener Forderungen – und bewerten dieses anhand aktueller Bonitätsinformationen neu. Für Inhaber fälliger Forderungen ist die Einholung entsprechender Bonitätsinformationen im Regelfall datenschutzrechtlich zulässig und unbedenklich.

Die Erfahrungen aus durchgeführten Projekten zeigen, dass sich dadurch erhebliche wirtschaftliche Potenziale identifizieren lassen. Forderungen, die bislang pauschal als uneinbringlich betrachtet wurden, können sich bei aktueller Betrachtung als ganz oder teilweise werthaltig erweisen. Für Kommunen ergeben sich daraus mehrere positive Effekte.

Haushaltsentlastung durch realistische Neubewertung

Ein wesentlicher Vorteil dieses Prozesses liegt in der verbesserten Transparenz über die tatsächliche Werthaltigkeit des Forderungsbestands. Durch die einzelfallbezogene Bewertung auf Grundlage aktueller Bonitätsdaten entsteht eine nachvollziehbare Entscheidungsgrundlage, welche Forderungen weiterhin als nicht realisierbar einzustufen sind und bei welchen eine wirtschaftlich sinnvolle Wiedervorlage oder erneute Bearbeitung angezeigt ist.

Dies ermöglicht zugleich eine realistischere Abbildung des Forderungsbestandes im Haushalt. Werthaltige Forderungen können entsprechend berücksichtigt und in die finanzwirtschaftliche Betrachtung einbezogen werden.
Gerade für Kommunen in der Haushaltskonsolidierung entsteht dadurch ein zusätzlicher Handlungsspielraum, ohne unmittelbar neue Belastungen für Bürgerinnen und Bürger schaffen zu müssen.

Ressourcen gezielt und wirtschaftlich einsetzen

Neben den bilanziellen Effekten verbessert sich insbesondere die operative Steuerung des Forderungseinzuges. Die personellen Ressourcen in Kämmerei, Vollstreckung und Forderungsmanagement sind vielerorts begrenzt. Gleichzeitig bindet die Bearbeitung wirtschaftlich aussichtsloser Fälle erhebliche Kapazitäten.

Durch die strukturierte Bewertung des Forderungsportfolios lassen sich die vorhandenen Ressourcen gezielt auf Forderungen mit tatsächlicher Realisierungsperspektive konzentrieren. Die Verwaltung gewinnt damit eine belastbare Grundlage für Priorisierung und Steuerung. Maßnahmen des Forderungseinzuges erfolgen nicht mehr pauschal, sondern datenbasiert und wirtschaftlich nachvollziehbar.

Für die Mitarbeitenden bedeutet dies zugleich eine spürbare Entlastung. Statt hoher Fallzahlen ohne erkennbare Erfolgsaussichten kann die Bearbeitung auf wirtschaftlich relevante Forderungen fokussiert werden. Dadurch steigt nicht nur die Effizienz des Forderungsmanagements, sondern auch die Nachvollziehbarkeit gegenüber Verwaltungsleitung, Politik und Rechnungsprüfung.

Datenbasierte Steuerung statt pauschaler Annahmen

Die Neubewertung kommunaler Forderungen ist kein theoretischer Ansatz, sondern ein pragmatisches Instrument moderner Haushaltssteuerung. Sie verbindet finanzwirtschaftliche Konsolidierung mit einer verbesserten organisatorischen Steuerung und schafft Transparenz über einen Bereich, der in vielen Kommunen bislang nur eingeschränkt analysiert wird.

Gerade in Zeiten angespannter Haushaltslagen empfiehlt sich daher eine systematische Betrachtung des Forderungsbestandes als möglicher „Quick Win“ im Rahmen der Haushaltskonsolidierung. Mit überschaubarem Aufwand lassen sich häufig erhebliche Potenziale identifizieren – nachvollziehbar, wirtschaftlich sinnvoll und nachhaltig wirksam.

Wir unterstützen Kommunen bei der Analyse und Bewertung ihres Forderungsportfolios, der Identifikation werthaltiger Forderungen sowie der Entwicklung eines wirtschaftlich ausgerichteten Forderungsmanagements. Dadurch können kurzfristig Beiträge für die Haushaltskonsolidierung geschaffen werden, die weder komplexe politische Abspracheprozesse noch Aufgabenreduzierungen zur Folge haben.

Gerne stehen wir Ihnen für ein unverbindliches Gespräch zur Verfügung.

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