Veröffentlicht am 25. Juni 2026
Lesedauer ca. 7 Minuten

Heat Auction IF25 & IF26: Ergebnisse & Ausblick auf nächste Runde

  • IF25 Heat Auction unterzeichnet – wir ordnen die Ergebnisse ein.
  • Neue Auktionsrunde (IF26) soll noch in diesem Jahr starten.
  • Förderfähige Temperaturuntergrenze soll für bestimmte Technologien auf 80 °C abgesenkt werden.
  • Die Vorbereitung der Antragsunterlagen sollte jetzt beginnen.
Maria Ueltzen
Associate Partner
Europäische Dipl.-Verwaltungsmanagerin (FH)
Konstantin Ott
M.Sc. Erneuerbare Energien Management
Die Europäische Kommission hat die Ergebnisse der ersten Innovation Fund Heat Auction (IF25) veröffentlicht und die zweite Runde (IF26) gestartet. Die Pilotauktion blieb deutlich unter den Erwartungen: Von 1 Mrd. Euro Fördervolumen werden voraussichtlich nur bis zu 397 Mio. Euro vergeben. Der Beitrag ordnet die Ergebnisse ein, beleuchtet die geplanten Anpassungen für IF26 und zeigt, warum interessierte Unternehmen bereits jetzt mit den Vorbereitungen beginnen sollten.

Hintergrund: Was ist die Innovation Fund Heat Auction?

Die Innovation Fund Heat Auction ist das größte Förderprogramm in Europa für die Elektrifizierung oder direkte Nutzung erneuerbarer Energie zur Dekarbonisierung industrieller Prozesswärme. Sie richtet sich an Projekte ab 3 MW thermischer Leistung, die Prozesswärme ab 100 °C (künftig ab 80 °C für bestimmte Technologien) erzeugen und wird aus den Einnahmen des EU-Emissionshandelssystems (EU ETS) finanziert.

Der Förderverfahren funktioniert als kompetitive Auktion. Unternehmen geben Gebote in EUR/t CO₂ ab. Bezuschlagt werden jene Projekte, die den geringsten Förderbedarf je vermiedener Tonne CO₂ aufweisen und zugleich die formal und technisch festgelegten Qualifikationskriterien erfüllen. Die Förderung wird in aufsteigender Reihenfolge der Gebote vergeben, bis das verfügbare Budget ausgeschöpft ist. Die Förderung wird als fixer Aufschlag auf jede tatsächlich produzierte MWh Wärme über fünf Jahre gezahlt.

Die Innovation Fund Heat Auction wurde im Februar 2025 als Pilotinstrument der neuen Industrial Decarbonisation Bank (IDB) angekündigt – einem zentralen Baustein des Clean Industrial Deal. Ziel der IDB ist es, umfangreiche Investitionen in die Dekarbonisierung der europäischen Industrie zu mobilisieren und gleichzeitig die Wettbewerbsfähigkeit des Industriestandorts Europa zu stärken. Die IDB soll über einen Zeitraum von zehn Jahren 100 Mrd. Euro zur Verfügung stellen, mit denen gezielt innovative Technologien und Transformationsprojekte gefördert werden, die zu einer nachhaltigen Senkung der CO₂-Emissionen im Industriesektor beitragen. Für Sommer 2026 hat die Kommission einen konkreten Vorschlag zur Ausgestaltung der IDB angekündigt.

Einordnung der Ergebnisse der Pilotauktion (IF25)

85 Anträge eingegangen 65 Projekte ausgewählt 397 Mio. Euro von 1 Mrd. Euro für Förderung vorgesehen 10 EU-Länder vertreten

Am 22.5.2026 hat die Europäische Kommission die Ergebnisse der ersten Innovation Fund Heat Auction veröffentlicht. Nach Ausschluss nicht förderfähiger Projekte sowie solcher ohne glaubwürdige Umsetzungsperspektive innerhalb der 4-Jahresfrist wurden 65 Projekte aus 10 EU-Ländern mit einem Volumen von 396,5 Mio. Euro für die Grant Agreement-Vorbereitung ausgewählt.

(1) Deutliche Unterzeichnung der Auktion

Mit rund 397 Mio. Euro bei einem verfügbaren Budget von 1 Mrd. Euro blieb die erste Heat Auction deutlich unterzeichnet. Dies ist insbesondere vor dem engen Zeitrahmen der Pilotauktion zu betrachten: Zwischen der Veröffentlichung der finalen Terms & Conditions im Herbst 2025 und dem Bewerbungsschluss im Februar 2026 lagen nur wenige Monate.

Unternehmen, die bereits über weit entwickelte Projekte verfügten und die Anforderungen kurzfristig erfüllen konnten, profitierten hingegen von den Rahmenbedingungen der Pilotauktion. Da keine Höchstgebotspreise für die einzelnen Fördertöpfe festgelegt wurden und die Auktion unterzeichnet war, waren auch Projekte mit vergleichsweise hohen Förderbedarfen erfolgreich.

(2) Dominanz von Widerstandserhitzern

Die hohe Anzahl erfolgreicher Projekte im Bereich der elektrischen Widerstandserhitzer (Abbildung 1) unterstreicht, dass diese Anwendungen bereits eine hohe technologische Reife und überschaubare Umsetzungsrisiken aufweisen. Nach Angaben der Europäischen Kommission dominierten im Mitteltemperaturkorb E-Kessel unterschiedlicher Bauarten, während im Hochtemperaturkorb vor allem verschiedene Formen elektrisch beheizter Industrieöfen und Schmelzöfen erfolgreich waren.

Abbildung 1: Verteilung der erfolgreichen Projekte nach Technologie

(3) Geringe Beteiligung im Hochtemperatursegment

Die vergleichsweise geringe Auktionsteilnahme im Hochtemperatursegment – lediglich 12% der zur Verfügung stehenden Mittel wurden vergeben – deutet darauf hin, dass sich viele der relevanten Technologien weiterhin im Forschungs- und Entwicklungsstadium befinden. Für diese Projekte könnten Förderprogramme wie Horizon Europe oder die regulären Innovation Fund Calls mit stärkeren Innovationsfokus die attraktivere Förderoption darstellen.

Abbildung 2: Vergebenes Budget im Vergleich zum verfügbaren Budget je Auktionskorb

(4) Spanien und Frankreich am stärksten unter den erfolgreichen Projekten vertreten

Ein Großteil der erfolgreichen Projekte stammt aus Spanien und Frankreich. Auffällig ist zudem, dass einzelne Unternehmen mit mehreren Projekten erfolgreich waren – u.a. Dalkia (Energiedienstleistungsunternehmen aus Frankreich) mit zehn und Iberdrola Clientes (Energieversorger aus Spanien) mit acht Projekten.

Abbildung 3: Anzahl der erfolgreichen Projekte nach Land und Auktionskorb

(5) Hohe Nachfrage aus Papier-, Lebensmittel- und Chemieindustrie

Die sektorale Verteilung der Projekte zeigt einen klaren Schwerpunkt in der Papier- und Zellstoffindustrie, der Lebensmittel- und Getränkeindustrie sowie der Chemieindustrie. Dies bestätigt, dass insbesondere in diesen Branchen bereits heute wirtschaftlich und technisch realisierbare Elektrifizierungslösungen verfügbar sind.

Abbildung 4: Erfolgreiche Projekte nach Branchen

(6) Hohe Anforderungen der Antragsstellung

Von den ursprünglich 85 eingereichten Projekten wurden 16 bereits in der Qualifikationsphase ausgeschlossen. Dies verdeutlicht, dass auch die Heat Auction hohe Anforderungen an Projektreife, Datengrundlage und Antragsqualität stellt.

IF26 Heat Auction: Was soll sich in der zweiten Runde ändern?

 Die EU hat bereits angekündigt, dass noch in diesem Jahr eine zweite Auktionsrunde mit einem weiteren Budget von 1 Mrd. Euro stattfinden soll. Aktuell liegt dazu ein Draft der Terms & Conditions (Stand: 22.5.2026) im Rahmen eines laufenden Konsultationsprozesses vor. Die finale Version ist für Herbst 2026 geplant. Im Folgenden geben wir einen kurzen Überblick über die wichtigsten geplanten Änderungen.

Geplante Änderung Erläuterung
Einführung eines
einheitlichen
Emissionsfaktors
Es soll ein einheitlicher Emissionsfaktor für alle Projekte eingeführt (0,170 t CO₂/MWh) werden, mit dem die Gebote (EUR/MWh) in EUR/t CO₂ automatisch umgerechnet werden. Damit würde die bisherige Möglichkeit entfallen, durch die nachgewiesene Stilllegung eines fossilen Wärmeerzeugers („Decommissioning“) einen höheren Emissionsfaktor anzusetzen. Dieser konnte zu einer höheren angerechneten CO₂-Minderung und damit zu einem niedrigeren Gebotspreis in EUR/t CO₂ führen. Projekte mit Decommissioning erhielten dadurch einen Wettbewerbsvorteil in der Auktion. Durch die Vereinheitlichung würden Gebote nun besser miteinander vergleichbar werden. Zudem könnten Gas- oder Ölkessel weiterhin als Backup-Systeme betrieben werden, ohne dass dadurch Nachteile im Auktionsverfahren entstehen.
Neue Auktionskörbe und Temperaturuntergrenzen

Statt drei Körben soll es künftig zwei geben. Zudem schlägt die EU-Kommission eine Absenkung der Temperaturuntergrenze auf 80 °C für bestimmte Technologien vor, was weitere Anwendungsfelder eröffnen würde.

(1) Mitteltemperaturkorb (100 – 400 °C, ab 3 MW): Budget 700 Mio. Euro.

Zusätzlich förderbar: Projekte mit 80 – 100 °C, wenn Kapazität >10 MW und Einsatz von Wärmepumpen (COP >1,5) vorgesehen. Direkt erneuerbare Wärme sowie Small Modular Nuclear Fission Reactors sollen ebenfalls unter diesen Fördertatbestand fallen.

(2) Hochtemperaturkorb (>400 °C, ab 3 MW): Budget 300 Mio. Euro

Absenkung des Gebotspreises durch Bid Bonus Projekte die Strom- oder thermische Energiespeicher (mit dem Ziel, den Strombezug aus dem Netz bzw. den Wärmebedarf des Prozesses für 4 Stunden innerhalb einer Stunde um 20% zu ersetzen), Wärmepumpen mit COP ≥ 1,5, direkt erneuerbare Wärmelösungen oder Small Modular Nuclear Fission Reactors einsetzen, sollen künftig einen Bid Bonus in Höhe von 25% erhalten – Absenkung des Gebotspreises für die Rangliste. Projekte mit Bid Bonus sollen außerdem für bis zu 100% der Volllaststunden Förderung beanspruchen können. Ohne Bonus liegt die Grenze weiterhin bei 70%.
Höchstgebotspreise (Ceiling Prices)

Für die nächste Auktionsrunde sollen für die beiden vorgesehenen Auktionskörbe Höchstgebotspreise eingeführt werden, die vor Anwendung des Bid Bonus gelten:

Mitteltemperaturkorb: 400 EUR/t CO₂
Hochtemperaturkorb: 800 EUR/t CO₂

Small Modular Nuclear Fission Reactors förderfähig Small Modular Nuclear Fission Reactors sollen förderfähig werden.
Abwärme aus Rechenzentren als Wärmequelle nutzbar Abwärme aus Rechenzentren soll als Wärmequelle für Wärmepumpen genutzt werden können.
Kein Letter of Intent (LOI) für Strom- und Wärmeabnahme notwendig Die bisher erforderlichen LOIs von Strom- und Wärmeabnehmern entfallen. Stattdessen genügt eine Strategiebeschreibung.
Längere Fristen für Hochtemperaturprojekte Aufgrund der hohen Komplexität von Hochtemperaturprojekten schlägt die EU-Kommission verlängerte Fristen vor: Der Financial Close soll innerhalb von 2,5 statt 2 Jahren und die Inbetriebnahme (Entry into Operation) innerhalb von 5 statt 4 Jahren nach Unterzeichnung des Grant Agreements erfolgen können.

Für die zweite Auktionsrunde ist mit einem deutlich intensiveren Wettbewerbsumfeld zu rechnen. Marktteilnehmer konnten bereits erste Erfahrungen mit dem Fördermechanismus sammeln, gleichzeitig ist die Vorbereitungszeit länger und die Anforderungen der Auktion sind inzwischen besser bekannt. Vor diesem Hintergrund ist davon auszugehen, dass sowohl die Zahl der Einreichungen als auch der Wettbewerb um die verfügbaren Fördermittel spürbar zunehmen werden.

Der aktuelle Draft der Terms & Conditions zeigt dabei nur geringfügige Anpassungen gegenüber der vorherigen Runde. Entsprechend empfehlen wir, die Projektentwicklung bereits frühzeitig anzustoßen und die Vorbereitung der Antragstellung nicht bis zur finalen Veröffentlichung der Bedingungen aufzuschieben.

Weiterer Zeitplan zur Innovation Fund Heat Auction

Aktuell – 7.7.2026 Öffentliche Konsultation zum IF26 T&C Draft (6 Wochen). Abschluss mit Workshop am 7.7.2026.
Q2 2026 Erwarteter Vorschlag der EU-Kommission zur Industrial Decarbonisation Bank (IDB).
Sept. / Okt. 2026 Erwartete Unterzeichnung der Grant Agreements für IF25 Projekte.
Herbst 2026 Veröffentlichung der finalen IF26 Terms & Conditions.
Ende 2026 Erwarteter Beginn der IF26 Antragsphase (genaues Datum noch offen)

Sie haben Fragen zum Auktionsverfahren oder planen aktuell eine Teilnahme? Sprechen Sie uns gerne an!

Wir begleiten Sie bei der Vorbereitung auf die IF26 Heat Auction entlang des gesamten Prozesses durch unser interdisziplinäres Team – von der Einordnung der Anforderungen über die Entwicklung einer geeigneten Gebotsstrategie und die Optimierung des Projektdesigns bis hin zur Einreichung. Dabei bringen wir unsere Erfahrung in EU-Förderprogrammen und wettbewerblichen Auktionsverfahren ein, um Ihre Projekte strukturiert auf die Anforderungen der Auktion auszurichten und Ihre Erfolgschancen im Auswahlverfahren zu erhöhen.

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