Veröffentlicht am 1. Januar 2025
Lesedauer ca. 2 Minuten

Indonesien – Im Gespräch mit unseren Länderexperten Markus Schlüter und Tom Pagels

Tom Pagels
Associate Partner
Kontaktieren Sie uns:
Jetzt Kontakt aufnehmen
Die indonesische Volkswirtschaft hat sich in den letzten zwanzig Jahren mit jährlichen Wachstums­raten von rund 5 Prozent dynamisch entwickelt. Sie ist mit Abstand die größte Volkswirtschaft in Südost-Asien und größer als die Volkswirtschafen von Vietnam, Malaysia und Thailand zusammen­genommen. Indonesien nimmt derzeit den weltweit 16. Platz der Volkswirtschaften ein.

Wie schätzen Sie die derzeitige Investitionslage in Indonesien ein?

Angesichts der positiven wirtschaftlichen Entwicklung, des riesigen Binnenmarktes und der bisherigen Wachstumsprognosen zieht Indonesien nun verstärkt die Aufmerksamkeit ausländischer Investoren auf sich. Die Hoffnung der indonesischen Regierung, von dem Trend einer „Abkopplung“ und des „De-Risking“ vom chinesischen Markt zu profitieren, haben sich bislang jedoch nicht erfüllt. Die Hausaufgaben hinsichtlich einer besseren Integration in die regionalen bzw. globalen Lieferketten sowie der Reduzierung der Unzulänglichkeit der Infrastruktur für ein nachhaltiges Wachstum (insbesondere außerhalb von Jakarta) bleiben bestehen.

Zudem gelten weiterhin Beschränkungen für ausländische Investitionen in einigen Wirtschaftssek­toren, um die einheimische Wirtschaft (insbesondere SMEs) zu schützen. Herausfordernd für die Geschäftspraxis sind auch die bislang geltenden restriktiven Arbeitsgesetze. Allerdings hat sich die Ausgangslage für ausländische Investoren seit einer umfassenden Reform in den Jahren 2020/2021 gebessert. Großvolumige Investitionen in bestimmte Industrien (insbesondere die verarbeitende Industrie, Automobilindustrie, chemische Industrie und rohstoffverarbeitende Industrie) werden vom indonesischen Staat bevorzugt behandelt. Alle Wirtschafts­teilnehmer profitieren von einer konsequenten Digitalisierungsstrategie in der Verwaltung, einer Vereinfachung der Genehmigungs- und Lizensierungsverfahren sowie einer attraktiven Gehaltsstruktur, insbesondere im industriellen Sektor.

Am 18. Juli 2016 wurde die Aufnahme von Verhandlungen über ein Freihandelsabkommen zwischen der EU und Indonesien angekündigt, welches unter anderem auf den Abbau von Handelshemmnissen abzielt. Im September 2022 vereinbarten die Europäische Kommission und Indonesien, die Verhandlungen über dieses Freihandelsabkommen zu beschleunigen und bis Mitte 2024 abzuschließen. Dieser Zeitplan wurde nicht eingehalten. Auch gab es in den letzten Jahren gewissen Tendenzen der indonesischen Regierung, Einfuhrbeschränkungen und nicht-tarifäre Handelshemmnisse in einigen Bereichen (wieder) auszubauen.

Allerdings ist die Europäische Handelskammer vor Ort zuversichtlich, dass es noch im Jahr 2025 zu einem Abschluss des Freihandelsabkommens kommen wird, da die derzeitige geopolitische Lage zu einem Umdenken in der Europäischen Union aber auch in Indonesien hinsichtlich der Notwendigkeit eines Freihandelsabkommens geführt hat.

Diese positiven Entwicklungen im regulatorischen Bereich, der Größe des indonesischen Marktes mit einer Bevölkerung von ca. 285 Millionen Menschen und die ausgezeichneten Wachstumsprognosen machen Indonesien zwar nicht zu einem perfekten, aber zu einem zukunftsträchtigen Investitionsstandort für ausländische Investoren.