Integrated Reporting: Der neue Standard für die Unternehmensberichterstattung?
Bedeutung einer integrierten Berichterstattung
In den letzten Jahren haben in zunehmendem Maße nichtfinanzielle Angaben Einzug in die externe Unternehmensberichterstattung gefunden, durch die Umsetzung der Corporate Social Resposibility (CSR)-Richtinie (2014/95/EU). Sie verteilen sich häufig auf verschiedene Elemente der Unternehmensberichterstattung, wie z.B. Lage-, Nachhaltigkeits-, Corporate Governance- und Finanzbericht. Regelmäßig sind die darin enthaltenen Informationen jedoch weitgehend isoliert voneinander dargestellt, da es an entsprechenden Verknüpfungen mangelt. Zudem werden sie oftmals ohne konkreten Bezug zu den Geschäftsaktivitäten und der Strategie des Unternehmens präsentiert. Das resultiert letztlich in erhöhten Kosten auf Unternehmens- und Adressatenseite hinsichtlich der Erstellung und Auswertung der verfügbaren Unternehmensberichte.
Mit dem Ziel, die Schwachstellen zu beseitigen, wurde das International Integrated Reporting Council (IIRC) im Jahr 2010 gegründet. Es besteht aus hochrangigen Vertretern von Investoren, Wirtschaftsprüfungsgesellschaften und der Industrie sowie internationalen Rechnungslegungsgremien. Im Dezember 2013 hat das IIRC bereits ein Rahmenkonzept für eine integrierte Berichterstattung veröffentlicht, das weltweit auf große Resonanz gestoßen ist. Darin wird Integrated Reporting definiert als prägnante Darstellung darüber, wie Strategie, Führung, Leistung und Zukunftsaussichten eines Unternehmens unter Berücksichtigung des Umfelds zur kurz-, mittel- und langfristigen Wertschöpfung beitragen. Das Rahmenwerk umfasst insbesondere eine Definition der anzuwendenden Berichtsprinzipien und der Inhaltselemente einer integrierten Berichterstattung sowie eine Erläuterung der zugrunde liegenden Konzepte. Wegen der prinzipienorientierten Ausgestaltung des Rahmenkonzepts verzichtete das IIRC gleichsam auf die Vorgabe bestimmter Indikatoren oder Kennzahlen. Stattdessen sind nur solche Berichtsinhalte aufzunehmen, die von der Unternehmensleitung als wesentlich für die Beurteilung der Wertschaffungsverhältnisse angesehen werden. Sie sind miteinander zu verknüpfen, um Wechselwirkungen transparent darzustellen.
Darstellung des gesamten Wertschöpfungsprozesses
Der Integrated Report dient zwar grundsätzlich den Interessen aller Stakeholder, gleichwohl werden im Rahmenkonzept Eigen- und Fremdkapitalgeber explizit als Primäradressaten benannt. Daher soll der Bericht sowohl finanzielle als auch nicht-finanzielle Angaben enthalten, die geeignet sind den Wertschöpfungsprozess des Unternehmens zu erläutern. Es soll insbesondere dargestellt werden, wie unternehmerische Ressourcen bei den jeweiligen Geschäftsmodellen eingesetzt und verändert werden. Zur Kategorisierung der Ressourcen werden sechs Kapitalarten vorgeschlagen: Finanzkapital, Produktionskapital, geistiges Kapital, Humankapital, Sozial- bzw. Netzwerkkapital und natürliches Kapital.
Durch den Wertschöpfungsprozess werden die Kapitalarten erhöht, verringert oder anderweitig verändert. Durch eine Investition in Mitarbeiterschulungen wird bspw. Finanzkapital in Humankapital umgewandelt. Daneben sind bei der Beschreibung der Wertschöpfung weitere Faktoren wie Chancen und Risiken, finanzielle Leistung und Zukunftsaussichten zu berücksichtigen. Entscheidend für eine erfolgreiche integrierte Berichterstattung ist damit, dass das Unternehmen die Beziehungen zwischen den Funktionseinheiten und den Kapitalarten aktiv berücksichtigt. Das IIRC spricht in diesem Zusammenhang von „Integrated Thinking”, das als Voraussetzung für ein gelungenes Integrated Reporting angesehen wird. Der Bericht ist damit letztlich nur die Abbildung einer integrierten Unternehmenssteuerung, die alle wesentlichen Aspekte bereichsübergreifend entlang des Wertschöpfungsprozesses berücksichtigt.
Fazit
Letztlich bleibt festzuhalten, dass die Bedeutung von Integrated Reporting in Zukunft weiter zunehmen wird – gerade vor dem Hintergrund der steigenden Bedeutung von nichtfinanzieller Berichterstattung. Es ist zu erwarten, dass auch Standardsetter und Gesetzgeber die Prinzipien des IR-Rahmenkonzepts aufgreifen werden. Unternehmen sollten die Entwicklung als Chance begreifen, die Beziehungen innerhalb des Wertschöpfungsprozesses besser verstehen und damit auch steuern zu können.