Interimsmanagement als Brücke zur Handlungsfähigkeit: Finanzwirtschaftliche Führungsfunktionen im Fokus des Fachkräftemangels
- Fachkräftemangel gefährdet zunehmend die Handlungsfähigkeit kommunaler Verwaltungen.
- Finanzwirtschaftliche Führungspositionen sind für die Steuerungsfähigkeit besonders relevant.
- Interimsmanagement sichert bei Vakanzen Kontinuität, Stabilität und Handlungsfähigkeit.
- Interim Manager können zugleich Wissen sichern und Veränderungsprozesse vorantreiben.
Als PDF lesen:
Die Diskussion um den Arbeits- und Fachkräftemangel im öffentlichen Sektor wird seit Jahren geführt. Inzwischen ist aus einer langfristig prognostizierten Entwicklung eine akute Herausforderung geworden. Kommunen und öffentliche Unternehmen stehen vor der Aufgabe, immer komplexere Anforderungen zu bewältigen, während gleichzeitig die Personalgewinnung und -bindung zunehmend schwieriger wird.
Der Deutsche Städtetag beschreibt in seinem Positionspapier „Kommunale Handlungsfähigkeit erhalten in Zeiten des Arbeitskräftemangels“ die Situation sehr deutlich: Der demografische Wandel, eine bevorstehende Ruhestandswelle und die stetig wachsenden Anforderungen an die öffentliche Verwaltung treffen zeitgleich auf einen angespannten Arbeitsmarkt. Viele Stellen bleiben unbesetzt, während gleichzeitig neue Aufgaben aus Transformation, Digitalisierung, Klimaschutz, Fördermittelmanagement und Regulierung hinzukommen. Die kommunale Handlungsfähigkeit gerät dadurch zunehmend unter Druck.
Besonders kritisch ist dabei, dass der Personalengpass längst nicht mehr nur einzelne Fachbereiche betrifft. Vielmehr werden Führungs- und Schlüsselpositionen zunehmend schwerer nachzubesetzen. Vakanzzeiten von mehreren Monaten sind keine Seltenheit mehr. Die Folgen zeigen sich oftmals unmittelbar in einer steigenden Belastung der verbleibenden Mitarbeitenden und Führungskräfte, verzögerten Entscheidungen sowie einer eingeschränkten Umsetzungsfähigkeit wichtiger Vorhaben. Der Deutsche Städtetag warnt folgerichtig davor, dass die Leistungsfähigkeit der kommunalen Verwaltung dauerhaft beeinträchtigt werden könnte, wenn dieser Entwicklung nicht wirksam begegnet wird.¹
Finanzwirtschaftliche Führungsfunktionen besonders betroffen
Eine besondere Bedeutung kommt dabei den finanzwirtschaftlichen Führungsfunktionen zu. Kämmerinnen und Kämmerer, kaufmännische Leitungen, Fachbereichsleitungen Finanzen, Verantwortliche für Finanzbuchhaltung, Beteiligungsmanagement oder Controlling übernehmen zentrale Steuerungsaufgaben für die gesamte Organisation. Sie sorgen dafür, dass politische Zielsetzungen mit den finanziellen Möglichkeiten in Einklang gebracht werden und stellen die Einhaltung gesetzlicher sowie regulatorischer Anforderungen sicher.
Gerade in diesen Bereichen sind die Anforderungen in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen. Haushaltskonsolidierung, Digitalisierung von Finanzprozessen, Einführung und Weiterentwicklung von Compliance-, Risiko- und internen Kontrollsystemen, zunehmende Berichtspflichten sowie komplexe Fördermittel- und Beteiligungsstrukturen erfordern ein hohes Maß an Fachwissen und Führungskompetenz. Gleichzeitig gehört die Finanzwirtschaft zu den Bereichen, in denen viele erfahrene Beschäftigte in den kommenden Jahren altersbedingt ausscheiden werden.
Bleiben entsprechende Führungsfunktionen längere Zeit unbesetzt, entstehen erhebliche Risiken für die Organisation. Haushaltsaufstellungen können sich verzögern, Jahres- und Gesamtabschlüsse geraten unter Zeitdruck, Steuerungsinformationen stehen nicht rechtzeitig zur Verfügung und wichtige Investitionsentscheidungen werden aufgeschoben. Hinzu kommt der Verlust von institutionellem Wissen, das insbesondere in kommunalen Strukturen oftmals über Jahrzehnte aufgebaut wurde.
Nicht selten sind finanzwirtschaftliche Führungskräfte zudem Träger zentraler Veränderungs- und Transformationsvorhaben. Ihre Abwesenheit kann dazu führen, dass Digitalisierungsprojekte, Konsolidierungsprogramme oder Organisationsentwicklungen an Dynamik verlieren oder vollständig ins Stocken geraten. Die Auswirkungen reichen damit weit über den eigentlichen Fachbereich hinaus und betreffen die gesamte strategische Steuerungsfähigkeit der Verwaltung oder des Unternehmens.
Interimsmanagement als pragmatische Antwort auf Personalengpässe
Vor diesem Hintergrund gewinnt Interimsmanagement im öffentlichen Sektor zunehmend an Bedeutung. Dabei handelt es sich nicht lediglich um eine temporäre Vertretungslösung, sondern um einen strukturierten Ansatz zur Sicherung von Handlungsfähigkeit in kritischen Situationen.
Der zentrale Vorteil liegt in der kurzfristigen Verfügbarkeit erfahrener Fach- und Führungskräfte. Während reguläre Stellenbesetzungsverfahren häufig mehrere Monate in Anspruch nehmen, können Interim Manager in der Regel kurzfristig Verantwortung übernehmen und operative wie strategische Aufgaben unmittelbar fortführen.
Insbesondere bei finanzwirtschaftlichen Führungsfunktionen ist dies von hoher Relevanz. Erfahrene Interim Manager verfügen oftmals über umfangreiche Kenntnisse kommunaler Haushalts- und Rechnungswesenstrukturen, öffentlicher Governance-Anforderungen sowie der spezifischen Rahmenbedingungen in Verwaltungen und öffentlichen Unternehmen. Dadurch können lange Einarbeitungszeiten vermieden und bestehende Prozesse ohne wesentliche Unterbrechungen fortgeführt werden.
Zugleich übernimmt Interimsmanagement eine wichtige Entlastungsfunktion für Verwaltungsspitzen und Geschäftsführungen. In Vakanzsituationen werden Verantwortlichkeiten häufig zusätzlich auf bestehende Fach- und Führungskräfte verteilt, die bereits stark ausgelastet sind. Interim Manager können hier operative und strategische Aufgaben eigenverantwortlich übernehmen und dadurch notwendige Freiräume schaffen.
Darüber hinaus profitieren Organisationen von einer unabhängigen Perspektive von außen. Externe Fach- und Führungskräfte bringen Erfahrungen aus unterschiedlichen Verwaltungen und öffentlichen Unternehmen mit und können etablierte Prozesse kritisch hinterfragen. Häufig entstehen daraus Impulse für effizientere Abläufe, verbesserte Steuerungsinstrumente oder die Weiterentwicklung organisatorischer Strukturen.
Ein weiterer Mehrwert liegt im Wissenstransfer. Erfolgreiches Interimsmanagement beschränkt sich nicht auf die Übernahme von Verantwortung auf Zeit. Vielmehr werden Erfahrungen, Methoden und Fachkenntnisse gezielt in die Organisation eingebracht und an die Mitarbeitenden weitergegeben. Dadurch kann die Übergangsphase zugleich zur organisatorischen Weiterentwicklung genutzt werden.
Erfahrung und Umsetzungskompetenz als Erfolgsfaktor
Die Anforderungen an Interim Manager im öffentlichen Sektor unterscheiden sich dabei erheblich von jenen in der Privatwirtschaft. Neben fundiertem Fachwissen sind ein tiefes Verständnis kommunaler Entscheidungsprozesse, politische Sensibilität sowie Erfahrungen mit den rechtlichen und organisatorischen Besonderheiten öffentlicher Einrichtungen erforderlich.
Wir begleiten seit vielen Jahren Kommunalverwaltungen, kommunale Unternehmen und weitere öffentliche Organisationen in finanzwirtschaftlichen, organisatorischen und strategischen Fragestellungen. Die Erfahrungen aus bundesweiten Projekten zeigen, dass insbesondere in Vakanz- und Übergangszeiten die Verbindung von Fach-, Führungs- und Projektexpertise entscheidend für den Erfolg ist. Neben der Übernahme von operativer und strategischer Verantwortung umfasst dies häufig auch die Stabilisierung bestehender Prozesse, die Sicherstellung fristkritischer Aufgaben sowie die Begleitung von Veränderungs- und Transformationsvorhaben.
Gerade bei finanzwirtschaftlichen Schlüsselpositionen wird deutlich, dass Interimsmanagement nicht isoliert betrachtet werden sollte. Vielmehr kann die temporäre Besetzung wichtiger Funktionen dazu beitragen, laufende Projekte fortzuführen, Wissen zu sichern und gleichzeitig optimale Voraussetzungen für eine nachhaltige Nachbesetzung zu schaffen.
Fazit
Der Arbeits- und Fachkräftemangel wird den öffentlichen Sektor auch in den kommenden Jahren nachhaltig prägen. Die Einschätzungen des Deutschen Städtetages verdeutlichen, dass die Sicherung kommunaler Handlungsfähigkeit zu den zentralen Zukunftsaufgaben gehört.²
Interimsmanagement ersetzt dabei keine langfristige Personalstrategie und kann den strukturellen Fachkräftemangel nicht lösen. Als Brücken- und Stabilisierungslösung kann es jedoch einen wichtigen Beitrag leisten, um kritische Führungspositionen vorübergehend zu besetzen, Steuerungsfähigkeit zu erhalten und laufende Veränderungsprozesse erfolgreich fortzuführen. Insbesondere in finanzwirtschaftlichen Schlüsselbereichen bietet der gezielte Einsatz erfahrener Fach- und Führungskräfte als Interim Manager die Möglichkeit, Kontinuität, Stabilität und Handlungsfähigkeit auch in herausfordernden Zeiten sicherzustellen.
1 Kommunale Handlungsfähigkeit erhalten in Zeiten des Arbeitskräftemangels – Positionspapier des Deutschen Städtetages; Berlin und Köln, Januar 2024.
2 Kommunale Handlungsfähigkeit erhalten in Zeiten des Arbeitskräftemangels – Positionspapier des Deutschen Städtetages; Berlin und Köln, Januar 2024.
Aus dem Newsletter
„Fokus Public Sector“ Hier Newsletter
abonnieren
