Investitionsbedarf in der deutschen Wasser- und Abwasserwirtschaft: Herausforderungen und Zukunftsperspektiven
Eine aktuelle Studie im Auftrag des Verbands kommunaler Unternehmen (VKU) ermittelte den Investitions- und Finanzierungsbedarf für den zweiten Lebenszyklus der Wasserversorgungs- und Abwasserentsorgungsnetze in den kommenden 10 bis 20 Jahren.1 Die Ergebnisse zeigen einen erheblichen Finanzierungsbedarf, der die bisherigen Investitionsvolumina deutlich übersteigt.
Hintergrund der Studie
Die bestehende Infrastruktur in der Wasser- und Abwasserwirtschaft ist vielerorts veraltet. Viele Anlagen und Netze erreichen das Ende ihrer technischen Nutzungsdauer oder haben diese bereits überschritten. Hinzu kommen neue Anforderungen durch den Klimawandel, gesetzliche Vorgaben und demografische Entwicklungen, die zusätzliche Investitionen erfordern. In den vergangenen Jahren wurden jährlich rund 10 Milliarden Euro in die Wasserwirtschaft investiert. Laut Studie wird jedoch ein deutlich höherer Finanzierungsbedarf prognostiziert.
Erwartete Investitionssumme
Die Studie prognostiziert für die kommenden zwei Jahrzehnte ein Gesamtinvestitionsvolumen von rund 800 Milliarden Euro. Dies entspricht einer jährlichen Investitionssumme von etwa 40 Milliarden Euro. Bezogen auf die Bevölkerung in Deutschland bedeutet das in den kommenden 20 Jahren einen Investitionsbedarf von etwa 10.000 Euro pro Kopf. Dabei entfallen rund 35 Prozent der Investitionen auf die Trinkwasserversorgung und rund 65 Prozent auf die Abwasserentsorgung. Von den notwendigen Investitionen sind rund 10 bis 15 Prozent auf die zukünftigen Anpassungen an den Klimawandel und andere unvorhersehbare Ereignisse zurückzuführen.
Herausforderungen bei der Finanzierung
Die erheblichen Investitionskosten stellen eine große finanzielle Herausforderung für Kommunen und Versorgungsunternehmen dar. Die Studie analysiert verschiedene Finanzierungsmodelle, darunter:
Entgelterhöhungen: Höhere Wasserentgelte und Abwassergebühren könnten zur Deckung der Kosten beitragen, stoßen jedoch auf gesellschaftlichen Widerstand.
Fördermittel: Staatliche Subventionen könnten helfen, die Finanzierungsbelastung zu reduzieren.
Privatwirtschaftliche Beteiligungen: Kooperationen mit privaten Investoren könnten zusätzliche Mittel erschließen.
Fazit und Ausblick
Die Investitionen in die Wasser- und Abwasserwirtschaft sind unausweichlich, um die Versorgungssicherheit langfristig zu gewährleisten. Ohne eine deutliche Erhöhung der Investitionen drohen Infrastrukturverschleiß und Qualitätsverluste. Die Branche steht somit vor der Herausforderung, tragfähige Finanzierungsmodelle zu entwickeln und die Akzeptanz für notwendige Maßnahmen in der Bevölkerung zu erhöhen.
Quelle:
1 Ermittlung des Investitions- und Finanzierungsbedarfs für den zweiten Lebenszyklus der Wasserversorgungs- und Abwasserentsorgungsnetze und -anlagen in den nächsten 10 bzw. 20 Jahren unter: https://www.vku.de/studie-investitionen-wasserwirtschaft/, zuletzt aufgerufen am 18.03.2025.