Kasachstan: Standort mit langfristigen wirtschaftlichen Perspektiven
- Interview mit Prof. Dr. Christian Rödl
- Quelle: Erstveröffentlichung in „Kazakhstan Invest Now“, Februar 2026, S. 10-11
Herr Prof. Dr. Rödl, welche Überlegungen standen hinter der Entscheidung, bereits 2009 eine Niederlassung in Kasachstan zu eröffnen?
Als wir 2009 unsere eigene Niederlassung in Almaty eröffneten, war dies eine bewusst langfristige strategische Entscheidung. Bereits damals erkannten wir, dass sich das Land wirtschaftlich dynamisch entwickelt und deutschen Unternehmen attraktive Perspektiven bietet. Unser Ziel war es, von Anfang an vor Ort präsent zu sein, um unsere Mandanten nicht nur beim Markteintritt, sondern auch beim Aufbau stabiler Strukturen und bei der Umsetzung ihrer ersten Projekte zu begleiten. Diese frühe Positionierung hat es uns ermöglicht, unsere Expertise kontinuierlich auszubauen und heute als verlässlicher Partner für deutsche Investoren in Kasachstan und der gesamten Region zu agieren.
RÖDL begleitet seit 17 Jahren Industrie-, Infrastruktur- und Energieprojekte in Kasachstan. Welche Branchen sind aus Ihrer Sicht zukunftsfähig und welche Erfolge konnten Sie gemeinsam mit Ihren Mandanten erzielen?
In Kasachstan beobachten wir derzeit einen deutlichen Aufschwung sowohl bei Industrievorhaben als auch in den Bereichen Bergbau und erneuerbare Energien. In den vergangenen 17 Jahren haben wir zahlreiche große deutsche Investoren in unterschiedlichen Industriesektoren beraten. Ein Beispiel ist ein komplexes Gerichtsverfahren, das wir für einen Mandanten aus Norddeutschland erfolgreich geführt haben und das weit über den Einzelfall hinaus Wirkung entfaltet hat. Zudem begleiten wir eines der größten, international tätigen deutschen Engineering- und Technologieunternehmen bei mehreren strategisch relevanten Projekten. Auch im Bereich der erneuerbaren Energien verfügen wir über langjährige Expertise. Besonders bei Solarenergievorhaben haben wir zahlreiche Unternehmen beim Aufbau und der Realisierung von Solarkraftwerken unterstützt. Diese Projekte unterstreichen das wirtschaftliche Potenzial des Standorts und motivieren uns, unsere Beratungsleistungen kontinuierlich weiterzuentwickeln.
Welche gesetzlichen Änderungen in Kasachstan sind für deutsche Unternehmen aktuell wichtig?
Der neue Steuerkodex Kasachstans ist derzeit eines der zentralen Themen für unsere Mandanten. Vor diesem Hintergrund führen wir aktuell für viele Unternehmen ein strukturiertes Tax Risk Assessment durch, um steuerliche Risiken frühzeitig zu identifizieren und konkrete Handlungsempfehlungen abzuleiten. Hierzu bieten wir auch Workshops an, um praxisnah über die wichtigsten Neuerungen zu informieren. Eng damit verbunden sind die aktuellen Entwicklungen im Arbeits- und Migrationsrecht. Für deutsche Unternehmen werden insbesondere Fragen zur rechtssicheren Entsendung von Fach- und Führungskräften, zu Aufenthaltstiteln und zu lokalen Beschäftigungsanforderungen immer wichtiger. Diese Themen fassen wir unter dem Bereich „Global Mobility Consulting” zusammen und begleiten unsere Mandanten dabei ganzheitlich – von der arbeitsrechtlichen und steuerlichen Strukturierung bis zur migrationsrechtlichen Umsetzung. So unterstützen wir deutsche Unternehmen in Kasachstan umfassend und zuverlässig bei allen aktuell relevanten steuerlichen, arbeits- und mobilitätsbezogenen Fragestellungen.
Die zentralasiatischen Staaten verfolgen zunehmend gemeinsame wirtschaftliche Entwicklungsziele, vor allem im Bereich Wasserwirtschaft und Energieversorgung. Welche neuen Marktchancen ergeben sich daraus für deutsche Unternehmen?
Zentralasien entwickelt sich zu einer immer stärker wirtschaftlich vernetzten Region. Besonders deutlich zeigt sich das im Bereich der Wasserwirtschaft, die für alle Staaten von zentraler Bedeutung ist. Themen wie Wasserversorgung, nachhaltige Nutzung und Ausbau der Wasserkraft stehen im Mittelpunkt der regionalen Zusammenarbeit. Wir sehen großes Potenzial für Investoren, die mit ihrem Know-how zu modernen und effizienten Lösungen beitragen können. Gleichzeitig beobachten wir, dass sich die zentralasiatischen Staaten zunehmend abstimmen und gemeinsame Projekte in den Bereichen Infrastruktur und Energie vorantreiben. Diese Form der Zusammenarbeit schafft stabile Rahmenbedingungen und eröffnet neue Perspektiven für internationale Projekte in der gesamten Region.
RÖDL hat kürzlich ein Rebranding vorgenommen. Welche Ziele verfolgen Sie damit auf internationaler Ebene?
Die Umbenennung verdeutlicht unsere Markenpositionierung. Sie unterstreicht unseren Anspruch, für deutschsprachige Unternehmen weltweit Wegbegleiter bei jedem Schritt und Wegbereiter für nachhaltiges Wachstum zu sein – mit Rechtsberatung, Steuerberatung, Audit & Assurance, Advisory & IT sowie Business Process Outsourcing. Die neue Marke macht sichtbar, wofür RÖDL seit der Gründung im Jahr 1977 durch meinen Vater, Dr. Bernd Rödl, steht. Wir beraten unsere Mandanten vorausschauend mit einheitlichen deutschen Standards. Persönlich. Interdisziplinär. Weltweit.
RÖDL wächst seit Jahren kontinuierlich und organisch. Unsere internationale Präsenz basiert auf eigenen Standorten und Teams, nicht auf Netzwerken oder Franchise-Modellen. Diese Struktur sichert in einem dynamischen Marktumfeld Unabhängigkeit und Agilität – ein strategischer Vorteil für Mandanten und das Unternehmen selbst.
Der neue Claim „Wir ebnen Wege. Weltweit.“ bringt diese Haltung auf den Punkt. RÖDL steht für Eigenständigkeit, Internationalität und die Bündelung aller Kompetenzen unter einem Namen. Wir bleiben dabei unseren Wurzeln treu und gehen zugleich mutig voran – als Wegbegleiter und Wegbereiter mit einem globalen Mindset und lokaler Nähe.
Fazit: Kasachstan gilt für deutsche Investoren zunehmend nicht nur als Markt mit kurzfristigen Chancen, sondern auch als Standort mit langfristigen wirtschaftlichen Perspektiven. In einer Zeit globaler Umbrüche gewinnt Zentralasien damit weiter an Bedeutung.