Veröffentlicht am 1. Oktober 2026
Lesedauer ca. 2 Minuten

KI in China: Praxisleitlinien der Shanghaier Anwaltskammer

  • Die Shanghaier Anwaltskammer veröffentlicht erste KI-Praxisrichtlinien
  • Vertraulichkeit, menschliche Kontrolle und Sorgfalt stehen im Mittelpunkt
  • KI bleibt ein Hilfsmittel und ersetzt kein fachliches Urteil
  • Die Leitlinien bieten auch Unternehmen praktische Orientierung
Sebastian Wiendieck
Partner
Rechtsanwalt
Li Wang, LL.M.
Associate Partner
Legal Counsel (China)
Die Shanghaier Anwaltskammer hat im August 2026 detaillierte Praxisrichtlinien für den Einsatz von KI in der Rechtsberatung veröffentlicht. Obwohl sie sich an Anwälte richten, enthalten sie zentrale Compliance-Prinzipien, die auch für Unternehmen relevant sind. Insbesondere die Anforderungen an Vertraulichkeit, menschliche Kontrolle und Qualitätsprüfung von KI-Ergebnissen bieten wertvolle Orientierung für die betriebliche Praxis.

Praxisleitlinien der Shanghaier Anwaltskammer

Neben dem Finanzsektor hat auch der Rechtssektor unmittelbar vor der Meinung des Obersten Volksgerichtshofs eigene Regelungen erlassen. Die Shanghaier Anwaltskammer veröffentlichte im August 2026 Praxisrichtlinien für den KI-Einsatz durch Rechtsanwälte in der Unternehmensrechtsberatung.

Drei Kernprinzipien

Die Richtlinien legen drei Kernprinzipien für den Einsatz von KI durch Rechtsanwälte fest:

  • KI ist lediglich ein Werkzeug und kann das unabhängige fachliche Urteilsvermögen eines Rechtsanwalts nicht ersetzen (Hilfsprinzip),
  • Mandanteninformationen müssen vor der Eingabe in KI-Systeme streng anonymisiert werden (Vertraulichkeitsprinzip) und
  • Alle von KI generierten Inhalte müssen manuell überprüft und validiert werden (Sorgfaltsprinzip).

Praktische Umsetzung in der Rechtsberatung

Die Richtlinien legen einen detaillierten, achtstufigen Arbeitsablauf für Rechtsanwälte fest, der den Einsatz von KI umfasst und alle Schritte von der Aufgabenstellung über die Anonymisierung von Informationen bis hin zur Erstellung von Eingabeaufforderungen, der Überprüfung der Ergebnisse und der manuellen Verifizierung abdeckt. Zudem enthalten sie Muster-Eingabeaufforderungen für häufig vorkommende juristische Aufgaben wie Vertragsprüfung, Rechtsrecherche, Dokumentenerstellung und Analyse des Sachverhalts.

Die Richtlinien befassen sich zudem mit den Themen Haftung und Compliance. Sie betonen, dass Rechtsanwälte auch bei Einsatz von KI-Tools weiterhin die berufliche Verantwortung für alle endgültigen Arbeitsergebnisse tragen. Sie verlangen zudem die strikte Einhaltung von Datenschutz- und Vertraulichkeitsverpflichtungen und legen fest, dass das unbefugte Hochladen sensibler Informationen auf öffentliche KI-Plattformen untersagt ist.

Bedeutung für Unternehmen

Auch wenn es für vielen Unternehmen befremdlich sein dürfte, sich an den Anwaltsrichtlinien zu orientieren, dienen die drei Kernprinzipien der Richtlinie – Hilfsfunktion, Vertraulichkeit und Umsicht – als hervorragende operative Vorlage für die Einhaltung von KI-Vorschriften, die jedes Unternehmen in China unabhängig von seiner Branche übernehmen kann.

Fazit

Die Richtlinien der Shanghaier Anwaltskammer zeigen exemplarisch, wie KI verantwortungsvoll in professionellen Dienstleistungen eingesetzt werden kann. Die Grundprinzipien Vertraulichkeit, menschliche Kontrolle und sorgfältige Prüfung der Ergebnisse sind branchenübergreifend anwendbar und können Unternehmen als praktische Orientierung für ihre eigene KI-Governance dienen.