Veröffentlicht am 1. September 2026
Lesedauer ca. 5 Minuten

Kooperationen als Schlüssel für die Zukunft kommunaler Energieversorger

  • Kooperationen werden für Stadtwerke zum strategischen Erfolgsfaktor.
  • Studie zeigt: Über 80% der Stadtwerke setzen bereits auf Kooperationen.
  • Gemeinsame Projekte schaffen Effizienz, Know-how und neue Wachstumspotenziale.
  • Welche Kooperationsmodelle bieten Stadtwerken die größten Chancen?
Christoph Spier
Partner
Certified Valuation Analyst (CVA), Diplom-Volkswirt
Diana Basilio
Associate Partner
M.Sc. Energie- und Finanzwirtschaft
Die Energiewirtschaft befindet sich in einer Phase tiefgreifender Veränderungen. Vor diesem Hintergrund haben wir im vergangenen Jahr im Rahmen unserer Kooperationsstudie die Erfahrungen, Erwartungen und Strategien kommunaler Energieversorger untersucht. Die Ergebnisse waren eindeutig: Kooperationen gewinnen für Stadtwerke und Energieversorger weiter an Bedeutung. Bereits über 80 Prozent der befragten Unternehmen arbeiten heute mit Partnern zusammen, und nahezu alle Teilnehmenden bewerten ihre bisherigen Kooperationserfahrungen als erfolgreich.

Als wesentliche Treiber werden steigende regulatorische Anforderungen, wachsender Investitionsbedarf, technologische Veränderungen sowie der Fachkräftemangel genannt.

Die Studie zeigt damit einen klaren Trend: Kooperationen entwickeln sich zunehmend von einer Randerscheinung zu einem strategischen Instrument, um die Herausforderungen der Transformation erfolgreich zu bewältigen.

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Neue Herausforderungen und aktuelle Marktentwicklungen

Die Rahmenbedingungen für kommunale Energieversorger verändern sich derzeit schneller als jemals zuvor. Die Umsetzung der Energiewende, die kommunale Wärmeplanung, der Ausbau Erneuerbarer Energien, die Digitalisierung von Prozessen und Kundenbeziehungen sowie steigende Anforderungen an die Resilienz kritischer Infrastrukturen führen zu einer deutlich höheren Komplexität.

Zudem rücken neue Themen in den Mittelpunkt strategischer Überlegungen. Hierzu zählen insbesondere die Nutzung von Künstlicher Intelligenz zur Automatisierung von Geschäftsprozessen, der Aufbau intelligenter Netze, die Integration dezentraler Erzeugungsanlagen sowie Großspeicherlösungen. Parallel dazu erwarten Kunden zunehmend digitale Serviceangebote, transparente Kommunikation und ganzheitliche Energielösungen.

Gleichzeitig verschärfen Fachkräftemangel und steigende Investitionsbedarfe den Handlungsdruck. Gerade in diesem Umfeld gewinnen Kooperationen als strategische Antwort auf die Transformation an Bedeutung.

Warum Kooperationen jetzt wichtiger denn je sind

Kooperationen ermöglichen es Stadtwerken, ihre jeweiligen Stärken zu bündeln und gleichzeitig Risiken zu reduzieren. Die Ergebnisse unserer Studie haben gezeigt, dass insbesondere Kostenoptimierung, Know-how-Aufbau und die Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit zentrale Motive für Kooperationen darstellen.

Darüber hinaus eröffnen Kooperationen neue Wachstumschancen. So können Unternehmen gemeinsam in innovative Geschäftsfelder investieren, die allein nur mit erheblichem Aufwand erschlossen werden könnten. Dies betrifft beispielsweise den Ausbau Erneuerbarer Energien, die Entwicklung von Wärmelösungen, Elektromobilitätsangebote oder digitale Kundenplattformen.

Ein weiterer Vorteil liegt in der Risikoteilung. Investitionen in Infrastruktur, IT-Systeme oder neue Geschäftsmodelle werden zunehmend kapitalintensiver. Durch Kooperationen können finanzielle Risiken verteilt und Projekte wirtschaftlicher umgesetzt werden.

Gleichzeitig bieten Kooperationen die Möglichkeit, dem Fachkräftemangel zu begegnen. Gemeinsame Gesellschaften oder Betriebsführungsmodelle schaffen attraktive Entwicklungsperspektiven für Mitarbeitende und ermöglichen den Zugriff auf spezialisiertes Know-how.

Nicht zuletzt fördern Kooperationen Innovationen. Unterschiedliche Erfahrungen, Kompetenzen und Perspektiven führen häufig zu besseren Lösungen und beschleunigen die Umsetzung neuer Ideen.

Die Bandbreite moderner Kooperationsmodelle

Kooperationen bieten die Möglichkeit, Ressourcen zu bündeln, Risiken zu teilen und Kompetenzen gezielt auszubauen. Die Gestaltungsmöglichkeiten sind dabei äußerst vielfältig.

Am Anfang des Spektrums stehen eher lose Formen der Zusammenarbeit. Hierzu zählen beispielsweise gemeinsame Beschaffungsaktivitäten, Erfahrungsaustausche oder die Zusammenarbeit bei einzelnen Projekten. Solche Modelle lassen sich meist schnell umsetzen und schaffen unmittelbare Effizienzvorteile, ohne die unternehmerische Selbstständigkeit der Beteiligten einzuschränken.

Eine intensivere Form der Zusammenarbeit stellen Dienstleistungs- und Betriebsführungsmodelle dar. Dabei übernimmt ein Partner ausgewählte Aufgaben oder ganze Geschäftsprozesse für andere Unternehmen, etwa im Netzbetrieb, bei kaufmännischen Dienstleistungen, im Messwesen oder in der IT. Dies ermöglicht den Zugang zu spezialisiertem Know-how und schafft Skaleneffekte.

Zwischen reinen Dienstleistungsbeziehungen und weitergehenden gesellschaftsrechtlichen Kooperationen haben sich zudem gemeinsame Servicegesellschaften etabliert. In einer solchen Gesellschaft bündeln die beteiligten Unternehmen ausgewählte Unterstützungs- und Querschnittsfunktionen, beispielsweise in den Bereichen kaufmännische Dienstleistungen, Personal, IT, Marktkommunikation, Verbrauchsabrechnung oder Messwesen. Durch die gemeinsame Leistungserbringung können Effizienzpotenziale gehoben, Ressourcen gebündelt und gleichzeitig die Eigenständigkeit der jeweiligen Unternehmen weitgehend erhalten werden.

Einen anderen Schwerpunkt legt die Zusammenarbeit im Rahmen von strategischen Partnerschaften, Joint Ventures oder Projektgesellschaften. Diese Modelle werden häufig für den Ausbau Erneuerbarer Energien, die Entwicklung von Wärmeprojekten, den Betrieb von Infrastruktur oder die Umsetzung digitaler Plattformen genutzt. Investitionen, Chancen und Risiken werden dabei gemeinsam getragen.

Am Ende der Integrationsskala stehen gesellschaftsrechtliche Zusammenschlüsse oder Fusionen. Diese kommen insbesondere dann in Betracht, wenn langfristig umfassende Synergien realisiert und Strukturen dauerhaft zusammengeführt werden sollen.

Welches Modell geeignet ist, hängt von den jeweiligen strategischen Zielen, den wirtschaftlichen Rahmenbedingungen und dem gewünschten Grad der Zusammenarbeit ab. Die große Bandbreite an Möglichkeiten zeigt jedoch, dass Kooperationen heute für nahezu jedes Stadtwerk und jede Ausgangssituation passende Lösungsansätze bieten. Sie ermöglichen es, die eigene Wettbewerbsfähigkeit zu stärken und gleichzeitig die Herausforderungen einer sich wandelnden Energiewirtschaft erfolgreich zu bewältigen.

Erfolgsfaktoren sowie typische Risiken

Trotz der zahlreichen Vorteile sind Kooperationen kein Selbstläufer. Erfolgreiche Partnerschaften benötigen klare Ziele, transparente Entscheidungsstrukturen und gegenseitiges Vertrauen.

Die Studie zeigt, dass Kommunikation, eindeutige Zuständigkeiten, ergänzende Fachkompetenzen und eine faire Verteilung von Chancen und Verantwortung zu den wichtigsten Erfolgsfaktoren zählen.

Gleichzeitig existieren Herausforderungen, die bereits frühzeitig berücksichtigt werden sollten. Hierzu gehören unterschiedliche Zielvorstellungen der Beteiligten, langwierige Entscheidungsprozesse, mangelnde Flexibilität oder Abhängigkeiten zwischen den Partnern. Auch die Verfügbarkeit personeller Ressourcen stellt häufig ein Hemmnis für die Umsetzung neuer Kooperationen dar.

In der Praxis zeigt sich jedoch, dass sich diese Risiken durch eine professionelle Vorbereitung und strukturierte Projektsteuerung deutlich reduzieren lassen. Die hohe Erfolgsquote bestehender Kooperationen bestätigt dies eindrucksvoll.

Von der Strategie zur Umsetzung: So unterstützen wir Sie

Die Entscheidung für eine Kooperation ist nur der erste Schritt. Der eigentliche Erfolg entsteht bei der strategischen Planung und operativen Umsetzung.

Wir begleiten Stadtwerke und Energieversorger entlang des gesamten Kooperationsprozesses. Dies beginnt bei der Entwicklung einer Kooperationsstrategie und der Identifikation geeigneter Partner. Darauf aufbauend unterstützen wir bei Wirtschaftlichkeitsanalysen, Due-Diligence-Prüfungen, steuerlichen und rechtlichen Strukturierungen, Analysen zur Organisation, Prozessen sowie bei der Ausgestaltung von Beteiligungsmodellen, Betriebsführungen, Joint Ventures oder gesellschaftsrechtlichen Zusammenschlüssen. In diesem Zusammenhang erfolgt auch die Ermittlung von Synergien sowie Dyssynergien.

Darüber hinaus verfügen wir über langjährige Erfahrung in Transformationsprojekten der Energiewirtschaft. Dazu gehören die strategische sowie operative Neuausrichtung von Energieversorgern, begleitende Unterstützung im Bereich des Changemanagements, Maßnahmen zur Effizienzsteigerung, die Umsetzung von Digitalisierungsprojekten, Fragen der Regulierung sowie die Begleitung von Projekten im Bereich Wärmeplanung, Erneuerbare Energien und Infrastrukturentwicklung.

Fazit

Die Ergebnisse der aktuellen Studie zeigen deutlich: Die Herausforderungen der kommenden Jahre werden sich vielfach nicht mehr allein bewältigen lassen. Erfolgreiche Stadtwerke werden diejenigen sein, die Partnerschaften frühzeitig als strategisches Instrument verstehen und deren Potenziale konsequent nutzen. Kooperationen schaffen nicht nur Effizienz und wirtschaftliche Stabilität, sondern leisten auch einen wichtigen Beitrag zur erfolgreichen Gestaltung der Energieversorgung von morgen.


Kooperationsstudie Energie 2025

Kommunale Energieversorger: Kooperationen im Fokus – Erfahrungen, Nutzen und Chancen

Die Ergebnisse unserer aktuellen „Kooperationsstudie Energie 2025“ zeigen deutlich, dass Kooperationen mit anderen Energieversorgern oder Unternehmen aus der Privatwirtschaft einen wichtigen Hebel darstellen, um diese Herausforderungen erfolgreich zu meistern.

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