Langfristige Erlösplanung bei Telekommunikationsunternehmen
Entscheidungen zur Umsetzung von Ausbauvorhaben, Kooperationsüberlegungen oder die Neugestaltung von Preissystemen sollten im Vorfeld umfassend beleuchtet werden. Ein zentraler Baustein dieser Vorbereitung von Investitionsvorhaben bzw. Änderungen der Preispolitik ist eine sorgfältig erstellte Planung, die sich insbesondere durch ihre Langfristigkeit auszeichnet. Schließlich soll die Planung nicht nur alle wirtschaftlichen Effekte in den ersten Jahren nach Projektbeginn hinreichend dokumentieren, sondern auch den eingeschwungenen Zustand zeigen, den das Unternehmen erreichen kann.
Wesentlich für die Erstellung der Planung eines vollintegrierten TKU ist die Prognose der Erlöse, welche bei vorliegender Ausbauplanung auf die Planung des durchschnittlichen Erlösbeitrags pro Kunde heruntergebrochen werden kann. Dieser wird von verschiedenen Faktoren beeinflusst:
- Es ist zu erwarten, dass das Preisniveau für Glasfaserdienste insgesamt inflationsbedingt ansteigt. Ein Blick auf die historische Preisentwicklung der Tarife verschiedener Wettbewerber bestätigt die Validität dieser Annahme.
- Die Bandbreitennachfrage der Kunden kann den (langfristigen) Erlösbeitrag pro Kunde ebenfalls beeinflussen. Häufig bieten TKU drei oder vier verschiedene Tarife an, die sich trotz unterschiedlicher Details allgemeinen Tarifklassen (S, M, L und XL – beispielsweise Tarif „S“ mit 100 MBit/s, Tarif „M“ mit 300 MBit/s etc.) zuordnen lassen. Verändert sich die Aufteilung der Kunden in diesen Tarifklassen, so verändert sich auch der Erlösbeitrag pro Kunde.
- Ob eine solche Veränderung stattfindet, hängt maßgeblich davon ab, ob auch die Tarifklassen eine Veränderung durchlaufen. Es ist durchaus denkbar, dass der „S“-Tarif in fünf Jahren, bedingt durch den technischen Fortschritt und eventuellen Anpassungsdruck durch die Konkurrenz, die Geschwindigkeit des heutigen „M“-Tarifs umfasst (und entsprechend auch die anderen Tarifklassen schnellere Geschwindigkeiten bieten). Findet diese Entwicklung parallel zur Bedarfsentwicklung auf Kundenseite statt, so bliebe auch die Aufteilung der Kunden in die Tarifklassen näherungsweise konstant.
Die in der Planung angewandte Prognosemethode muss aufgrund dieser Komplexität mit Sorgfalt gewählt werden. Dass bei solchen Prognosen Fehlerpotential besteht, zeigt der Blick in eine im Jahr 2018 veröffentlichten Studie des WIK1, in der die Annahme getroffen wird, dass ca. 30 % der Internetnutzer im Jahr 2025 einen Bandbreitenbedarf von 1 GBit/s oder mehr vorweisen werden – eine Annahme, die aus heutiger Perspektive, mit dem Wissen, dass dieser Anteil Ende 2023 lediglich bei ca. 6 % lag, bestenfalls als optimistisch zu beurteilen ist, auch wenn sie zum Erstellungszeitpunkt der Studie durchaus valide erschienen haben mag. Der Hinweis auf diese Studie ist also keinesfalls als Kritik an der Studie zu verstehen, sondern zeigt die Notwendigkeit besagter Plan-Ist-Vergleiche bzw. regelmäßiger Planungsupdates auf.
Wir stellen fest, dass dem Thema Planung eine höhere Bedeutung als in der Vergangenheit beigemessen wird. Dies lässt sich nach unserer Einschätzung darauf zurückführen, dass aktuelle Branchenthemen – Kooperationen, gestiegene Bau- und Finanzierungskosten, Fokus auf „homes connected” – alle eng mit dem Thema Planung bzw. einem zunehmenden Bedürfnis nach Information und Transparenz verknüpft sind.
Fühlen Sie sich eingeladen, für die Erstellung, Analyse oder Plausibilisierung ihrer Planungsrechnung auf uns zuzukommen – wir unterstützen Sie gerne!
Quelle
1 WIK 2017 – Die Privatkundennachfrage nach hochbitratigem Breitbandinternet im Jahr 2025