Langfristige kommunale Kapitalanlage – Europas Qualitätswachstumsunternehmen im Fokus
- Aktienanlagen können zur Stabilisierung und zum realen Werterhalt des Vermögens beitragen.
- Der systematische Vergleich unterschiedlicher Aktienkonzepte ermöglicht eine passgenaue Auswahl.
- Aktienanlagen können die Widerstandsfähigkeit des Portfolios stärken.
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Wir sprechen mit Wolfgang Fickus, Produktspezialist bei Comgest, über langfristige Chancen, aktuelle Portfolioanpassungen und zentrale Überlegungen für kommunale Investoren.
Herr Fickus, beim Praxisforum Kapitalanlagen wird intensiv über Transparenz, Diversifikation und neue Marktanforderungen diskutiert werden. Wie bewerten Sie das aktuelle Anlageumfeld in Europa speziell für langfristige Investoren im öffentlichen Sektor?
Wolfgang Fickus: Die Diskussion zeigt: Kommunen und öffentliche Investoren brauchen heute mehr denn je Klarheit, Planbarkeit und Partner, die nicht auf kurzfristige Modethemen aufspringen, sondern auf Struktur und Substanz setzen.
Europa befindet sich Anfang 2026 in einer Übergangsphase. Zwar ist die Inflation rückläufig, und die Europäische Zentralbank belässt den Leitzins aktuell stabil, doch das gesamtwirtschaftliche Wachstum bleibt moderat. Dazu kommen Unsicherheiten durch geopolitische Entwicklungen und den rasanten technologischen Wandel. In diesem Umfeld ist es umso wichtiger, auf robuste Geschäftsmodelle zu setzen, die langfristig tragfähig sind.
Was heißt das konkret für kommunale Anleger – etwa mit Blick auf Aktieninvestments?
Wolfgang Fickus: Kommunale Investoren bewegen sich innerhalb klar definierter regulatorischer Rahmen. Wenn Aktieninvestments erlaubt sind – typischerweise mit einer Quote von bis zu 30 – 35 % –, kommt es auf Risikosteuerung, Transparenz und einen strukturierten Auswahlprozess an.
Qualitätsaktien mit globaler Ausrichtung und defensivem Geschäftsmodell können hier einen soliden Baustein für Erträge bieten. Gerade in Zeiten, in denen klassische Anleihen kaum ausreichen, um die Inflation auszugleichen, kann eine selektive Aktienstrategie mit Fokus auf Qualität und Diversifikation echten Mehrwert stiften.
Welche Unternehmen oder Sektoren stehen dabei aktuell im Fokus?
Wolfgang Fickus: Europa verfügt einerseits über eigene Wachstumstreiber in Form von starken, oft unterschätzten Marktführern in Bereichen der strategischen Autonomie und Dekarbonisierung. Andererseits können unsere Portfoliounternehmen von globalen Wachstumsimpulsen durch steigende Gesundheitsausgaben, Investitionen in KI-Infrastruktur oder Produktivitätsgewinne durch Künstliche Intelligenz profitieren.
Als aktiver Asset Manager schauen wir uns von Grund auf die Qualität, das Wachstumspotenzial und auch die Bewertungen der Unternehmen an. Unternehmen wie ASML, Schneider Electric oder EssilorLuxottika (u.a. „Ray Ban Sonnenbrillen”) sind global relevant, profitabel und investieren kontinuierlich in Innovation. Sie ermöglichen KI-Entwicklung und wenden sie an – zum Beispiel in den Sektoren Gesundheitswesen, Software & Daten, Industrie oder Premiumkonsum. Und ihre Preissetzungsmacht schafft einen starken Hebel namens „Qualität”.
Apropos „KI”: Wie sehen Sie die Kurs-Korrekturen bei Software- und Datenunternehmen von Anfang Februar?
Wolfgang Fickus: Der Markt zeigt derzeit eine starke Polarisierung: KI-Spezialisten wie Nvidia oder OpenAI schüren Erwartungen und zugleich Ängste. Das belastet unsere realwirtschaftlich verankerten Software- und Datenunternehmen, obwohl diese nach wie vor solide aufgestellt sind und tief in den Arbeitsprozessen ihrer Kunden verankert sind.
Halten Sie diese Marktreaktionen für gerechtfertigt?
Wolfgang Fickus: Nicht vollständig. Wir sind der Meinung, dass diese Unternehmen durch Markteintrittsbarrieren geschützt sind: Sie arbeiten in einem abgeschlossenen System mit eigenen Daten und spielen eine zentrale Rolle in kritischen Arbeitsabläufen. KI macht ihre Produkte in erster Linie produktiver, statt sie zu ersetzen. Beispiele dafür sind Joule von SAP oder Lexis+ AI von RELX.
Gleichzeitig beobachten wir, dass KI-Anbieter versuchen, angrenzende Arbeitsprozesse zu übernehmen. Das könnte mittelfristig den Spielraum für Preiserhöhungen begrenzen.
Der Markt reagiert darauf derzeit sehr vorsichtig. Einige unserer Beteiligungen werden unter ihren langfristigen Durchschnittsbewertungen gehandelt, obwohl die Geschäftsmodelle weiterhin solide sind.
Und wie wirkt sich das auf die Gesamtportfolios aus?
Wolfgang Fickus: Langfristig bleiben wir unserem qualitätsorientierten Ansatz treu. Wir kommunizieren unsere Strategie transparent und erläutern unseren Investmentstil klar gegenüber unseren Investoren – Eigenschaften, die aus unserer Sicht gut mit den Anforderungen kommunaler Investoren im Einklang stehen.
Was würden Sie kommunalen Entscheidungsträgern mitgeben, die sich – wie beim Praxisforum Kapitalanlagen – mit neuen Anlagekonzepten auseinandersetzen?
Wolfgang Fickus: Wichtig ist eine klare Struktur: Welche Ziele verfolge ich? Welche Risiken kann und will ich tragen? Und
welche Partner liefern nicht nur Produkte, sondern auch Orientierung?
Unser Rat: Setzen Sie auf nachvollziehbare, globale Qualitätsunternehmen mit solider Bilanz, Preissetzungsmacht und
strukturellem Wachstum. Achten Sie dabei auf Transparenz, Governance und Langfristigkeit – genau das macht den Quality-
Growth-Ansatz von Comgest aus.
Vielen Dank für Ihre aktuellen Einschätzungen!
Aktienanlagen – insbesondere im europäischen Marktsegment – können in kommunalen Portfoliostrukturen mit mittel- bis langfristigem Anlagehorizont einen wichtigen Beitrag zur Stabilisierung und zum realen Werterhalt des Vermögens leisten. Dies gilt insbesondere in einem Umfeld anhaltender Inflationsrisiken und struktureller Unsicherheiten, die den realen Kapitalerhalt weiterhin vor Herausforderungen stellen.
Im Rahmen einer strukturierten Markterkundung lassen sich qualifizierte Asset-Management-Partner identifizieren, deren Anlagestrategien den jeweils geltenden regulatorischen Anforderungen der zuständigen Innenministerien entsprechen. Der systematische Vergleich unterschiedlicher Aktienkonzepte – beispielsweise im Hinblick auf strategische Aktienquoten, Selektionsmethodik, regionale und sektorale Allokation sowie Währungsstruktur – ermöglicht eine passgenaue Auswahl unter Berücksichtigung der individuellen Risikotragfähigkeit und Anlageziele.
Auf dieser Grundlage können Aktienanlagen nicht nur einen substanziellen Beitrag zur langfristigen Renditegenerierung leisten, sondern insbesondere auch die Widerstandsfähigkeit des Portfolios gegenüber inflationsbedingten Kaufkraftverlusten stärken und somit den nachhaltigen realen Vermögenserhalt unterstützen.
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