Litauen, Lettland und Estland machen den letzten Schritt zur energiewirtschaftlichen Freiheit
Bislang waren Litauen, Lettland und Estland zusammen mit Russland und Weißrussland im so genannten BRELL-Stromring eingebunden, in dem die Stromfrequenz zentral von Russland geregelt wird. Die Abkopplung von BRELL und der Anschluss an das europäische Stromnetz ist nicht nur ein politischer Schritt, sondern auch ein äußerst wichtiger Schritt im Hinblick auf die nationale Sicherheit.
In seinem Streben nach Energieunabhängigkeit hat Litauen einen extrem langen und schwierigen Weg bis zur baldigen Abkopplung vom BRELL-Ring zurückgelegt: Ein LNG-Terminal wurde zusammen mit einem Speicherschiff gebaut, russische Energiequellen wurden vollständig abgeschafft, und die Entwicklung erneuerbarer Energien wurde intensiviert. Die Synchronisierung mit den kontinentaleuropäischen Stromnetzen ist der letzte Schritt zur energetischen Freiheit Litauens.
Die Synchronisierung der baltischen Länder mit dem kontinentaleuropäischen Netz wird durch den Ausbau der bestehenden LitPol-Verbindung zwischen Litauen und Polen erfolgen. Zur Vorbereitung der Synchronisierung werden die internen Übertragungsnetze der baltischen Staaten und Polens verstärkt, Synchronkompensatoren installiert und die Systeme darauf vorbereitet, sich von BRELL abzukoppeln und die Frequenz unabhängig zu regeln.
Im Januar 2025 wurde der zweite von drei durch den litauischen Stromübertragungsnetzbetreiber Litgrid installierten Synchronkompensatoren in der Synchronkompensatoren-Station Alytus in Betrieb genommen. Die Inbetriebnahme der Synchronkompensatoren ist ein wichtiger Schritt auf dem Weg zur Abtrennung vom russischen Stromnetz im Februar 2025 und zum erfolgreichen Anschluss an das kontinentaleuropäische Netz.
Der Synchronkompensator funktioniert als erster Schutzring und bremst die Frequenzschwankungen bei unerwarteten Störungen, z. B. wenn ein Kraftwerk abgeschaltet wird. Diese Lösung stellt sicher, dass das Netz stabil bleibt, bis andere frequenzstützende Reserven, wie Batterien oder Erzeugungskapazitäten, zum Einsatz kommen. Die mehr als 460 Tonnen schwere Anlage wurde in Deutschland hergestellt und von Siemens Energy in Litauen installiert.
Insgesamt sind in Litauen drei Synchronkompensatoren an das Übertragungsnetz angeschlossen: am Umspannwerk Telšiai, am Strom-Knotenpunkt Alytus, der aus dem Umspannwerk Alytus und dem Verteilerzentrum LitPol Link besteht, und am Umspannwerk Neris im Bezirk Vilnius. Der Synchronkompensator in Telšiai wurde im vergangenen Herbst in Betrieb genommen, während der Synchronkompensator in Neris im Mai in Betrieb genommen wird.
Die Abkopplung Litauens vom BRELL-Stromring wird dem Land eine aktivere Teilnahme am gemeinsamen Strommarkt der EU ermöglichen. Nach Angaben des Energieministeriums wird auch erwartet, dass die installierte Infrastruktur dazu beitragen wird, noch mehr Stromerzeugungskapazität aus erneuerbaren Quellen in das litauische System zu integrieren.