M&A Vocabulary – Experten verstehen: Dual-Track-Prozess – Zwei Wege, ein Ziel
- M&A und IPO werden parallel vorbereitet, um flexibel entscheiden zu können.
- Dual-Track-Prozesse stärken die Verhandlungsposition und können den Verkaufserlös optimieren.
- Bewertung, Marktbedingungen und Transaktionssicherheit bestimmen die finale Entscheidung.
- Der Ansatz bietet Chancen, erfordert aber mehr Ressourcen und sorgfältiges Projektmanagement.
M&A vs. IPO
Wie der Name schon vermuten lässt, umschreibt der Begriff „Dual-Track-Prozess“ eine zweigleisige Transaktionsplanung.
Anvisiert ein Gesellschafter den Exit aus einem Unternehmen oder benötigt er neues Kapital und sucht nach Investoren, steht er vor einer Grundsatzentscheidung: Entweder er verkauft seine Gesellschaftsbeteiligung (ganz oder teilweise) an einen Investor (M&A-Track) oder – bei entsprechender Größe und Kapitalmarktfähigkeit – wagt er den Gang an die Börse, das sogenannte Initial Public Offering (IPO-Track).
Parallele Vorbereitung von Unternehmensverkauf und Börsengang
Beim Dual-Track-Prozess wird die Wahl zwischen M&A- und IPO-Track nicht vorab getroffen, vielmehr bis zur endgültigen Entscheidung beide Exit-Wege parallel zueinander vorbereitet. Ziel ist es, durch den zweigleisigen Prozess und das Offenhalten beider Handlungsoptionen am Ende den Track zu wählen, der für das Unternehmen und den Gesellschafter die attraktivsten Bedingungen bietet.
Dabei laufen beide Tracks unter fortlaufender Evaluierung parallel zueinander – von der Vorbereitungsphase über die Markt- und Investorenansprache und den Due-Diligence-Prozess bis hin zur Erstellung und Abstimmung der Transaktions- und IPO-Dokumentation und der finalen Phase kurz vor dem IPO oder der Unterzeichnung des Kaufvertrags.
Beide Tracks werden hierbei fortlaufend miteinander verglichen. Entscheidend sind dabei nicht ausschließlich die erzielbaren Bewertungen. Auch Faktoren wie Transaktionssicherheit, Geschwindigkeit, langfristige strategische Perspektiven, verbleibende Beteiligungsmöglichkeiten an der Gesellschaft und die aktuelle Situation an den Kapitalmärkten spielen eine wichtige Rolle.
Die finale Entscheidung, ob M&A- oder IPO-Track, erfolgt insbesondere erst dann, wenn der erzielbare Kaufpreis im Rahmen einer Veräußerung bezifferbar und die im Rahmen eines Börsengangs realisierbare Unternehmensbewertung hinreichend konkret eingeschätzt werden kann.
Chancen und Risiken des Dual-Track-Prozesses
Der Dual-Track-Prozess stellt hohe Anforderungen an die Beteiligten, da zwei komplexe Transaktionen parallel zueinander vorbereitet werden müssen. Hierfür bedarf es einer hohen Ressourcenbindung und dadurch auch höheren Beratungskosten. Jedoch können bei Vorbereitung und Erstellung der Transaktionsdokumentation Synergien genutzt werden.
Eine weitere Herausforderung stellen die Anforderungen an die Prozesssteuerung. Dies betrifft insbesondere die Vertraulichkeit, die im Rahmen des M&A-Tracks eine bedeutende Rolle spielt, während ein IPO mit erhöhter Öffentlichkeit verbunden ist. Hinzu kommen unterschiedliche regulatorische Anforderungen sowie abweichende Bewertungsansätze.
Der Dual-Track-Prozess schafft durch das zweigleisige Vorgehen zusätzliche Flexibilität im Entscheidungsprozess und trägt zur Optimierung des Verkaufserlöses bei. Dadurch, dass sich die Wahl des Tracks bewusst offengehalten wird, werden Verhandlungspositionen gestärkt und etwaige Risiken der jeweiligen Alternative können bestmöglich gesteuert werden. Durch den Dual-Track-Prozess kann auch der Wettbewerb unter potenziellen Investoren angefeuert und dadurch die Verkaufswahrscheinlichkeit und Chance auf einen höheren Verkaufserlös gesteigert werden. Es ist möglich, entsprechend der aktuellen Marktbedingungen zu entscheiden und den für das Unternehmen und den Gesellschafter vorteilhafteren Weg zu wählen, insbesondere ist eine Risikominimierung in Bezug auf die Marktvolatilität möglich. So kann sich der Gesellschafter vor allem bei volatilen Kapitalmärkten oder veränderten makroökonomischen Rahmenbedingungen, die Einfluss auf den Kapitalmarkt haben, flexibel für den M&A-Track entscheiden.
Wann sich der Aufwand lohnt
Ein Dual-Track-Prozess ist insbesondere dann sinnvoll, wenn sowohl ein IPO als auch ein M&A-Deal realistische, tragfähige und attraktive Optionen darstellen und die Gesellschafter bereit sind, den höheren organisatorischen und finanziellen Aufwand zu tragen. Zwar erfordert der Dual-Track-Prozess zusätzliche Ressourcen und ein komplexes, sorgfältiges Projektmanagement. Durch die gleichzeitige Vorbereitung von M&A- und IPO-Track können jedoch die Bewertung, die Verhandlungsposition und die Flexibilität deutlich gesteigert sowie Zeitpunkt und Form der Transaktion optimal gestaltet werden. Gelingt dies, erhöht sich die Chance, den für das Unternehmen und den Gesellschafter attraktivsten Exit zu realisieren.
Aus dem Newsletter
„Corporate Law, Deals & Capital Markets“ Hier Newsletter
abonnieren Zu unseren
M&A Vocabularies

