Mexiko – Im Gespräch mit unseren Länderexperten Dr. Dirk Oetterich
Wie würden Sie das Investitionsklima in Mexiko beschreiben? Welche Branchen bergen großes Potenzial?
Mexiko etabliert sich zunehmend als bevorzugter Standort für internationale Investoren – und das nicht nur aufgrund seiner geografischen Nähe zu den Vereinigten Staaten. Vielmehr überzeugt das Land durch eine Kombination aus wettbewerbsfähigen Lohnkosten, gut ausgebildeten Fachkräften, solider Infrastruktur und einer zunehmend qualifizierten lokalen Zulieferindustrie. Ein weiterer entscheidender Standortvorteil ist Mexikos einzigartige Netz an Freihandelsabkommen: Mit Abkommen in Kraft mit insgesamt 50 Ländern genießt das Land einen privilegierten Zugang zu den wichtigsten Weltmärkten – ein strategischer Vorteil, der Investoren weltweit anzieht.
Im Jahr 2024 verzeichnete das Land ausländische Direktinvestitionen („FDI“) in Höhe von 36,87 Milliarden US-Dollar, was einem Zuwachs von 2,3 Prozent gegenüber dem Vorjahr entspricht. Die Topinvestoren kamen dabei aus den Vereinigten Staaten (16,1 Milliarden US-Dollar), Japan (4,28 Milliarden US-Dollar) und aus Deutschland (3,78 Milliarden US-Dollar). Für 2025 wird mit einem weiteren Anstieg auf über 39 Milliarden US-Dollar gerechnet – ein klares Signal für das anhaltende Vertrauen internationaler Unternehmen in den mexikanischen Markt.
Besonders bemerkenswert: Der Anteil der FDI am Bruttoinlandsprodukt lag 2024 bei 24,5 Prozent – ein Indikator für die zentrale Rolle, die ausländisches Kapital für das mexikanische Wirtschaftswachstum spielt. Die Investitionen konzentrieren sich vor allem auf strategische Sektoren wie die Automobil-, Luftfahrt-, Elektronik-, Chemie- und Pharma-Industrie und zunehmend auch auf die Halbleiterfertigung, was Mexiko als Produktionsstandort im Rahmen globaler Lieferketten weiter stärkt.
Ferner haben die Europäische Union und Mexiko die Verhandlungen über ein modernisiertes Freihandelsabkommen im Januar 2025 abgeschlossen. Die Ratifizierung durch beide Seiten wird noch im Laufe des Jahres erwartet. Die modernisierte Form des seit 2000 bestehenden Abkommens sieht die Zollbefreiung von zahlreichen Agrargütern und Lebensmitteln aus der EU vor, auf die bisweilen ein Zollsatz von mehr als 20 Prozent erhoben wurde. Darüber hinaus soll es unter anderem erleichterten Zugang von EU-Unternehmen zu öffentlichen Ausschreibungen in Mexiko ermöglichen. Diese Neuerungen eröffnen erhebliche Marktchancen für europäische Produzenten und stärken gleichzeitig die wirtschaftliche Partnerschaft zwischen Mexiko und der EU.