Veröffentlicht am 24. Juni 2026
Lesedauer ca. 3 Minuten

Midterms 2026: Neue US-Marktbedingungen

  • Aus dem Wirtschaftsmagazin "Entrepreneur", Ausgabe 2026
Nicolai Decker
Die Midterm-Wahlen 2026 können die politischen Kräfteverhältnisse in den USA spürbar verschieben – mit Folgen für steuerliche Rahmenbedingungen, Regulierung und Investitionsentscheidungen.

Am 4. November 2026 finden in den USA die sog. Midterm-Wahlen statt, bei denen die beiden Kammern des US-Kongresses komplett neu (Repräsentantenhaus), bzw. teilweise neu (Senat) gewählt werden. Es entspricht der Funktionsweise des politischen Systems der USA, dass die Kontrolle wenigstens einer der beiden Kammern durch die Opposition nicht nur erheblichen Einfluss auf das Gesetzgebungsverfahren und die Verabschiedung des Haushalts einräumt, sondern ihr auch ermöglicht, gegebenenfalls eigene parlamentarische Untersuchungen einzuleiten und durchzuführen.

Der Begriff Midterm leitet sich daraus ab, dass diese Wahl genau die Mitte der üblicherweise vierjährigen Amtszeit eines US-Präsidenten markiert. Entsprechend gelten die Midterms traditionell als Stimmungsbild für die Politik des Amtsinhabers. Während ein Rückblick in die Geschichte dieser Wahlen ein Muster erkennen lässt, das häufig mit Verlusten der regierenden Partei zugunsten der Opposition einhergeht, bleibt abzuwarten, ob sich diese Tendenz angesichts der zunehmend gespaltenen Gesellschaft der USA weiter fortsetzen wird.

Die Signifikanz des Wahlergebnisses dieser Abstimmung für deutsche Mittelständler mit US-Geschäftsaktivitäten soll im Folgenden in aller Kürze skizziert werden:

Steuerliche Auswirkungen

Sollte es den Republikanern, der Partei des amtieren den 47. Präsidenten Donald J. Trump, gelingen, ihre Mehrheiten in den Midterms zu verteidigen, ist davon auszugehen, dass die aktuell unternehmensfreundliche Steuerpolitik fortgeführt wird. Das Parteiprogramm der Demokraten sieht derweilen unter anderem die Absicht einer spürbaren Erhöhung des föderalen Körperschaftsteuersatzes um 7 Prozentpunkte auf 28 Prozent vor sowie eine Verschärfung der Dokumentationspflichten im Bereich der Verrechnungspreise und eine Ausweitung entsprechender Prüfungen. Für die Umsetzung dieser Vorhaben müsste die Democratic Party jedoch die Mehrheit in beiden Kammern erringen und für eine Ratifizierung zusätzlich die Zustimmung des Präsidenten erhalten – ein derzeit wenig wahrscheinliches Szenario.

Rechtliche Rahmenbedingungen

Breite Aufmerksamkeit hat der sog. „Liberation Day“ erfahren – der Tag, an dem der US-Präsident ein neues globales Zollregime ankündigte. Die in diesem Zusammenhang eingeführten Zölle, die teilweise inzwischen als unzulässig eingestuft wurden, haben zu erheblichen Belastungen im internationalen Handel geführt. Ebenso kontrovers diskutiert wird die intensive Nutzung präsidentieller Exekutivbefugnisse, mit denen wirtschaftspolitische Maßnahmen teils am Kongress vorbei umgesetzt wurden. Die hieraus entstandene politische Unsicherheit wird als großes Hindernis für zuverlässige, unternehmerische Planungen empfunden.

Eine durch die Wahl bedingte Kräfteverschiebung zugunsten der Demokraten würde vermutlich keinen grundlegenden Kurswechsel in der Zollpolitik bewirken. Allerdings dürfte die bislang als teilweise unberechenbar empfundene Entscheidungspraxis des US-Präsidenten in diesem Bereich deutlich eingeschränkt werden. Erst im Februar dieses Jahres hat das oberste Gericht der USA dem Präsidenten durch die Aberkennung einer uneingeschränkten, eigenen Zollkompetenz klare Grenzen gesetzt und zugleich die Rolle des Kongresses formal gestärkt. Eine Kontrolle einer der beiden Kammern durch die Demokraten würde dazu führen, dass zollrechtliche Parameter als Planungsgröße künftig einer geringeren Volatilität unterliegen.

Wirtschaftliche Perspektiven

Unabhängig vom Ausgang der Midterms bleiben die USA aufgrund ihrer robusten Binnenkonjunktur, der Größe des Marktes, der Kundennähe, der hohen Innovationsdynamik sowie zahlreicher Investitionsprogramme ein äußerst attraktiver Markt für international tätige Unternehmen. Zwar existieren weiterhin nicht zu unterschätzende Herausforderungen, die auch durch die Midterm-Wahlen nicht verschwinden werden, aber mit einer guten Vorbereitung, bzw. strategisch-belastbaren Planung ist hier unternehmerischer Erfolg durchaus realisierbar und das Glas in dieser Hinsicht mithin immer noch mehr als halb-voll.

Fazit

Die Midterms 2026 schaffen keine Prognosesicherheit, wohl aber Planungspflicht. Sie beeinflussen weniger das „Ob“ als das „Wo“ und „Wie“ abgesichert investiert wird. Letztlich folgt Foreign Direct Investment in den USA der Industriepolitik und nicht dem Wahlkalender und ist vor allem langfristig ausgerichtet. Die Anziehungskraft des US-Marktes wird sich nicht verringern, aber der Strukturierungsaufwand, die regulatorische Sorgfalt und eine Szenarioplanung gewinnen weiter an Bedeutung.

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