Nitrat-Alarm – Warum das neue Düngegesetz unser Trinkwasser teurer machen könnte
- Mit Streichung der Stoffstrombilanz entfällt ein zentrales Instrument
- Ohne Nährstoffbilanzierung kein wirksames Nitrat-Monitoring
- Höhere Nitratwerte bedeuten für viele Versorger zusätzliche technische Aufbereitungsschritte
- Kooperationen von Wasserversorgern mit der Landwirtschaft
Im Februar 2026 sorgt der Entwurf zur Änderung des Düngegesetzes1 für Diskussionen. Das Bundesministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat (BMLEH) spricht von einer Vereinfachung der bestehenden Regelungen. In der Wasserwirtschaft wird der Entwurf jedoch deutlich kritischer gesehen. Dort befürchtet man, dass mit der Streichung der bewährten Stoffstrombilanz ein zentrales Instrument entfällt. Diese Bilanz machte betriebliche Nährstoffüberschüsse transparent und bildete die Grundlage für eine verursachergerechte Regulierung.
Das stattdessen vorgesehene Wirkungsmonitoring wird kritisch bewertet. Nach Ansicht der Wasserwirtschaft basiert es lediglich auf aggregierten Daten. Eine direkte Erfassung der Stickstoffeinträge auf Betriebsebene ist damit nicht vorgesehen. Sollten die Nitratwerte im Grundwasser auf hohem Niveau verharren oder weiter steigen, müssten viele Versorger zusätzliche Aufbereitungsmaßnahmen prüfen – mit entsprechenden Auswirkungen auf die Kosten.
Kritik der Wasserverbände am Gesetzentwurf
Die Wasserwirtschaftsverbände VKU, DVGW, BDEW und DWA warnen, dass ohne Nährstoffbilanzierung ein wirksames Nitrat-Monitoring nicht gelingen werde. Nach Einschätzung der Verbände besteht dadurch die Gefahr, dass die Nitratkonzentrationen im Grundwasser nicht ausreichend sinken oder sich in belasteten Regionen sogar weiter erhöhen. Damit würde das Ziel, die Grenzwertüberschreitungen dauerhaft zu reduzieren, deutlich erschwert.2
Anhaltend hohe Nitratbelastung im Grundwasser
Die Problematik ist seit Jahren bekannt: An rund 25,6 % der Messstellen wird der EU-Grenzwert von 50 mg Nitrat pro Liter überschritten. An etwa 23 % der Messstellen steigen die Werte weiterhin an.3 Da rund 70 % des Trinkwassers in Deutschland aus Grund- und Quellwasser gewonnen werden4, wirkt sich eine steigende Belastung direkt auf die Wasseraufbereitung aus.
Mögliche Auswirkungen auf die Trinkwasserkosten
Höhere Nitratwerte bedeuten für viele Versorger zusätzliche technische Aufbereitungsschritte, etwa durch Denitrifikationsverfahren oder Mischung mit geringem belastetem Wasser. Ein aktuelles BDEW-Gutachten5 verdeutlicht die finanziellen Folgen: In belasteten Regionen könnte das Trinkwasser um bis zu 62 Prozent teurer werden. Konkret würde die durchschnittliche Jahresrechnung eines 3-Personen-Haushalts von aktuell 217 Euro auf 352 Euro steigen – eine Mehrbelastung von 135 Euro pro Jahr. Diese Kosten müssen mittel- bis langfristig über die Wasserentgelte refinanziert werden.
Fazit
Die Diskussion um das neue Düngegesetz zeigt, dass Landwirtschafts- und Wasserpolitik eng miteinander verknüpft sind. Um Stickstoffeinträge wirksam zu begrenzen, setzen Wasserversorger verstärkt auf Kooperationen mit der Landwirtschaft, gezielte Gewässerschutzberatung vor Ort sowie den vorsorgenden Schutz von Einzugsgebieten. Sollte die regulatorische Begrenzung der Einträge nicht ausreichen, drohen langfristig steigende Aufbereitungskosten mit potenziellen Folgen für die Verbraucherinnen und Verbraucher.
Der anhaltende Kostendruck in der Wasserwirtschaft und die unsicheren regulatorischen Rahmenbedingungen erfordern vorausschauendes Handeln. Wir unterstützen Sie dabei, notwendige Investitionen in die Aufbereitungstechnik präzise in Ihre Gebühren- und Entgeltkalkulationen einzupreisen. Möchten Sie diese Herausforderungen gemeinsam mit uns angehen? Wir freuen uns auf Ihren Kontakt.
1 BMLEH-Referentenentwurf: Zweites Gesetz zur Änderung des Düngegesetzes, Februar 2026
2 Kommunale Versorger schlagen Alarm, ZFK, veröffentlicht am 10.2.2026
3 Hintergründe zur Düngeverordnung und zur Nitratproblematik, Deutsche Umwelthilfe e.V.
4 Faktencheck Trinkwasserqualität, VKU
5 Durch Nitratbelastung: Stark steigende Wasserpreise befürchtet, BDEW