NRW-Zukunftsstrategie Wasser: Chancen, Herausforderungen und Perspektiven für die Wasserwirtschaft
- NRW stellt mit „H₂O NRW“ die Wasserwirtschaft klimaresilient und zukunftsfähig auf
- Vier Cluster bündeln 17 Ziele zu Resilienz, Sicherheit, Gestaltung und Zusammenarbeit
- Schwerpunkt auf Wasserversorgung, Gewässerschutz und Vorsorge bei Extremwetter
- Lernprozess mit breiter Beteiligung von Wasserwirtschaft, Verwaltung und Wissenschaft
Ziel ist es, die Wasserversorgung, Gewässerökologie und wasserwirtschaftliche Infrastruktur im Land langfristig resilient und nachhaltig zu gestalten – unter Einbeziehung aller relevanten Akteurinnen und Akteure.
Im Zentrum der Landeswasserstrategie stehen vier strategische Cluster mit insgesamt 17 Zielen, die gemeinsam einen ganzheitlichen Rahmen für eine zukunftsfähige Wasserwirtschaft in Nordrhein-Westfalen bilden.
1. Resilienz – Wasserhaushalt stärken
Die Strategie legt einen Schwerpunkt auf die Stärkung der Resilienz von Gewässern und des Wasserhaushalts, um besser auf Niedrigwasserphasen, Trockenzeiten und lang andauernde Hitzeperioden reagieren zu können:
- Niedrigwassermanagement neu denken und die natürlichen Wasserspeicher – wie Böden und Grundwasser – stärken.
- Naturnahe Maßnahmen wie Auenrenaturierungen, Uferrandstreifen und strukturreiche Flusslandschaften fördern nicht nur Biodiversität, sondern verbessern auch den Wasserhaushalt.
- Böden als Speicher und Filter gewinnen besondere Bedeutung für stabile Wassermengen und -qualität.
2. Sicherheit – Schutz vor Extremereignissen & Versorgung garantieren
Die Strategie unterstreicht die Notwendigkeit, Hochwasserschutz, Starkregenvorsorge und Versorgungssicherheit zu verbessern, einschließlich:
- Ausbau des Hochwasserschutzes und Anpassung an den Klimawandel.
- Integriertes Management der Talsperrenlandschaft NRW – als Teil eines regionalen Wasserversorgungssystems auch bei längeren Trockenphasen.
- Sicherstellung einer verlässlichen Wasserversorgung in qualitativ hochwertiger und mengenmäßig ausreichender Form für Bevölkerung, Industrie und Landwirtschaft.
- Weiterentwicklung der Abwasserinfrastruktur, einschließlich höherer Anforderungen durch neue EU-Standards wie die novellierte Kommunalabwasserrichtlinie.
3. Gestaltung – Wasserwirtschaft als Motor für Strukturwandel und Klimaziele
Wasser wird als zentrale Ressource für gesellschaftliche und wirtschaftliche Transformationen verstanden:
- Die Wasserwirtschaft wird aktiv als Gestalterin des Strukturwandels, insbesondere im Rheinischen Revier, eingebunden.
- Innovative Ansätze zur energieeffizienten und nachhaltigen Nutzung von Wasser unterstützen sowohl Klimaschutz als auch wirtschaftliche Entwicklung.
- Nachsorge- und Transformationsprozesse im Zusammenhang mit Bergbaufolgen werden integriert in wasserwirtschaftliche Planungen.
4. Zusammenarbeit – Vernetzung lokal, regional und international
Ein zentraler Ansatz der Strategie ist der Austausch und die Kooperation:
- Verknüpfung von Verwaltung, Wasserwirtschaft, Wissenschaft und Verbänden zur gemeinsamen Lösungsentwicklung.
- Intensivierung der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit – z. B. bei Flussgebietsmanagement und Hochwasserschutz.
- Förderung von Sensibilisierung, Bildung und Forschung, um Wasserwissen in der Gesellschaft zu stärken und neue Formen der Kooperation zu verankern.
Ergänzend zu den strategischen Clustern adressiert die Landeswasserstrategie NRW eine Reihe konkreter fachlicher Herausforderungen, die für die Wasserwirtschaft und insbesondere für Wasserversorger von zentraler Bedeutung sind. Ein wesentlicher Fokus liegt auf dem Schutz der Wasserqualität angesichts zunehmender Belastungen durch Mikro- und Spurenstoffe, PFAS sowie antibiotikaresistente Keime. Die Strategie hebt hervor, dass diffuse Einträge aus Landwirtschaft, Siedlungsbereichen und Industrie künftig stärker erfasst, reguliert und reduziert werden müssen, um Trinkwasserressourcen und Gewässer langfristig zu sichern. Parallel dazu wird ein integriertes Wassermanagement angestrebt, das Oberflächengewässer, Grundwasser, Talsperren und Abwasserinfrastruktur stärker als zusammenhängendes System betrachtet. Die Talsperrenlandschaft Nordrhein-Westfalens wird dabei als zentrales Element zur Stabilisierung der Wasserversorgung in Trockenphasen und zur Unterstützung des Wasserhaushalts verstanden. Darüber hinaus misst die Strategie der Weiterentwicklung blau-grüner Infrastrukturen eine hohe Bedeutung bei, insbesondere im urbanen Raum, um Starkregenrisiken zu mindern, Wasser lokal zurückzuhalten und Städte besser an die Folgen des Klimawandels anzupassen.
Ausblick
Die „NRW-Zukunftsstrategie Wasser“ ist als lernbasierter Prozess angelegt. Der jetzt vorliegende Entwurf wird in einer weiteren Beteiligungsphase fachöffentlich breit diskutiert und kommentiert, bevor er finalisiert wird. Wasserversorger und Akteurinnen der Wasserwirtschaft sind dabei ausdrücklich eingeladen, sich einzubringen und so die Ausgestaltung der wasserwirtschaftlichen Zukunft Nordrhein-Westfalens mitzuprägen.
Quelle: Ministerium für Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz Nordrhein-Westfalen: H20 – NRW Wasserwirtschaft im Klimawandel, Referentenentwurf der Zukunftsstrategie Wasser, Stand 18.12.2025; https://www.landtag.nrw.de/portal/WWW/dokumentenarchiv/Dokument/MMV18-4677.pdf, zuletzt aufgerufen am 22. Januar 2026.