PFAS im deutschen Trinkwasser: Aktuelle Messwerte und künftige Grenzwerte
- PFAS-Chemikalien im deutschen Trinkwasser können für Verbraucher gesundheitsschädlich sein.
- Neue Grenzwerte der novellierten Trinkwasserverordnung treten 2026 bzw. 2028 in Kraft.
- Einhaltung der PFAS-Grenzwerte erfordert möglicherweise kostenintensive Aufbereitungsverfahren.
Für Versorger und Kommunen könnten damit technische und finanzielle Vorkehrungen erforderlich werden, um die Schadstoffbelastung durch PFAS zu senken und die öffentliche Gesundheit zu schützen.
Was sind PFAS?
PFAS (per- und polyfluorierte Alkylsubstanzen) sind synthetische Chemikalien, die aufgrund ihrer wasser-, fett- und schmutzabweisenden Eigenschaften in zahlreichen Industrieprodukten eingesetzt werden. Sie gelten als „Ewigkeitschemikalien“, da sie extrem langlebig sind und sich in der Umwelt kaum abbauen. Studien zeigen, dass PFAS gesundheitsschädlich sein können und sich im menschlichen Körper anreichern.¹
Deshalb wird die Schadstoffbelastung durch PFAS mit der novellierten TrinkwV in Deutschland erstmals wie folgt geregelt:²
- Ab dem 12.1.2026 gilt ein Summengrenzwert von 100 ng/L für die Stoffgruppe PFAS-20.
- Ab dem 12.1.2028 gilt ein Summengrenzwert von 20 ng/L für die Stoffgruppe PFAS-4.
Die Verordnung führt zudem einen risikobasierten Trinkwasserschutz (Water Safety Plan) ein, der Risiken entlang der gesamten Versorgungskette bewertet und entsprechende Maßnahmen vorgibt.
Aktuelle Testergebnisse
Zwischen Juni und Oktober 2025 wurden vom Bund für Umwelt und Naturschutz e. V. (BUND) insgesamt 62 Wasserproben entnommen. Neben Grund- und Oberflächenwasser wurde insbesondere Trinkwasser beprobt. In 42 von 46 untersuchten Trinkwasserproben wurden PFAS nachgewiesen.³
Besonders häufig fanden sich PFAS-Stoffgruppen, für die bisher keine spezifischen gesetzlichen Beschränkungen bestehen und in der Industrie zum Teil als Ersatzstoffe für bereits regulierte Stoffgruppen eingesetzt werden.
Hinsichtlich dieser Stoffgruppen wurden vereinzelt Messergebnisse festgestellt, die über den neuen Grenzwerten in der TrinkwV liegen.
Ausblick
Um die Grenzwerte einzuhalten, könnten je nach Rohwasserqualität zusätzliche Aufbereitungsverfahren notwendig werden wie z. B. mittels Aktivkohle, Nanofiltration oder Umkehrosmose. Diese Verfahren gelten als energie- und kostenintensiv. Zudem erfordern schadstoffreiche Konzentrate sichere Entsorgungswege. Empfohlen sind daher präventive Risikoanalysen und ein kontinuierliches Monitoring, z. B. durch stufenweise Bewertung einzelner Summenparameter entlang der Versorgungskette.
Parallel dazu werden auf EU-Ebene weitere PFAS-Beschränkungen diskutiert. Die Europäische Chemikalienagentur (ECHA) hat im August 2025 einen aktualisierten Vorschlag veröffentlicht. Auf dieser Grundlage werden Restriktionen evaluiert, die von Nutzungsbeschränkungen über Ausnahmen bis hin zu einem vollständigen Verbot reichen. Eine Entscheidung wird 2026 erwartet.⁴
Fazit
Wie sich der weitere Umgang mit PFAS entwickelt, bleibt somit offen. Während Umweltverbände auf ein schnelles Ende der PFAS-Produktion drängen, betont der BDEW, dass Trinkwasser weiterhin sicher sei, warnt aber vor hohen Kosten für die Entfernung und fordert ein Herstellungsverbot sowie einen Sanierungsfonds.⁵
Quellen:
1 vgl. Per- und Polyfluoralkylsubstanzen (PFAS) – BfR
2 vgl. Neue Trinkwasserverordnung sichert hohe Qualität unseres Trinkwassers | Umweltbundesamt
3 vgl. PFAS im Trinkwasser: BUND-Aktive entdecken erneut Ewigkeits-Chemikalien im Wasser
4 vgl. All news – ECHA
5 vgl. BDEW-Stellungnahme zum PFAS-Beschränkungsvorschlag | BDEW