Veröffentlicht am 25. August 2026
Lesedauer ca. 6 Minuten

Polen digitalisiert die Steuerprüfung: Neue Verrechnungspreisrisiken

  • Datenkonsistenz wird zum entscheidenden Faktor der TP-Compliance
  • Digitale Steuerprüfungen erhöhen den Fokus auf Verrechnungspreisrisiken
  • Nicht Dokumente, sondern Datenqualität entscheidet über Risiken
  • Unternehmen sollten TP-Daten frühzeitig auf Konsistenz prüfen
Dominika Tyczka-Szyda
Partner
Tax Adviser (Polen)
Verrechnungspreise geraten in Polen in eine neue Dimension der steuerlichen Überwachung. Durch die fortschreitende Digitalisierung können Auffälligkeiten in Finanz- und Steuerdaten deutlich früher erkannt werden. Erfahren Sie, welche Auswirkungen dies auf Transfer-Pricing-Compliance, Datenqualität und interne Prozesse hat und worauf sich internationale Unternehmensgruppen vorbereiten sollten.

Daten statt Dokumente: Warum polnische Betriebsprüfungen für internationale Unternehmensgruppen anspruchsvoller werden

Polen treibt die Digitalisierung der Steuerverwaltung konsequent voran. Mit der Einführung von JPK_KR_PD erweitert die Finanzverwaltung ihren Zugang zu strukturierten Buchhaltungs- und Steuerdaten erheblich. Für international tätige Unternehmensgruppen bedeutet dies nicht zwangsläufig neue Compliance-Pflichten im Bereich der Verrechnungspreise. Die Art und Weise, wie steuerliche Risiken identifiziert und Betriebsprüfungen vorbereitet werden, dürfte sich jedoch grundlegend verändern.

Gerade für deutsche Konzerne mit Produktions-, Vertriebs- oder Dienstleistungsgesellschaften in Polen stellt sich daher weniger die Frage, welche zusätzlichen Meldungen erforderlich sind. Entscheidend ist vielmehr, ob die bereits vorhandenen Informationen über alle Reporting-Systeme hinweg konsistent sind.

Verrechnungspreise rücken stärker in den Fokus datenbasierter Analysen

Verrechnungspreisprüfungen gehören seit Jahren zu den Schwerpunkten der polnischen Steuerverwaltung. Bisher waren umfangreiche Analysen häufig erst im Rahmen einer Betriebsprüfung möglich, wenn Verrechnungspreisdokumentationen, Steuererklärungen und Buchhaltungsunterlagen im Detail ausgewertet wurden.

Die zunehmende Verfügbarkeit strukturierter Daten verändert diesen Ansatz. Steuerbehörden können Informationen aus unterschiedlichen Quellen automatisiert miteinander verknüpfen und Auffälligkeiten bereits vor Einleitung einer Prüfung identifizieren. Die Verrechnungspreisdokumentation bleibt zwar weiterhin von zentraler Bedeutung. Für die Risikobeurteilung gewinnt jedoch die Qualität der zugrunde liegenden Daten zunehmend an Gewicht.

Für CFOs und Tax Manager bedeutet dies einen Paradigmenwechsel: Nicht allein die Dokumentation einer Verrechnungspreispolitik wird entscheidend sein, sondern deren konsistente Abbildung in den Finanzdaten des Unternehmens.

Vom „Audit Trigger“ zur kontinuierlichen Risikoüberwachung

Viele internationale Unternehmen betrachten Verrechnungspreise noch immer primär aus der Perspektive einer möglichen Betriebsprüfung. Die Digitalisierung der Steuerverwaltung führt jedoch zu einer stärkeren Verlagerung hin zu einer laufenden datenbasierten Risikoüberwachung.

Steuerbehörden werden einen Teil der erforderlichen Informationen vermutlich unmittelbar den Rechnungs- und Buchhaltungsunterlagen entnehmen können. Bestimmte Daten und Zusammenhänge werden jedoch erst im Kontext weiterer Informationsquellen, insbesondere der TPR-C-Meldung, erkennbar bzw. überprüfbar sein. Nichtdestotrotz erhalten die Steuerbehörden zunehmend die Möglichkeit,

  • Transaktionsvolumina mit verbundenen Unternehmen automatisiert auszuwerten,
  • Profitabilitätsentwicklungen über mehrere Jahre hinweg zu analysieren,assess profitability trends over several years;
  • Abweichungen zwischen steuerlichen Meldungen und Buchhaltungsdaten festzustellen,
  • ungewöhnliche Margen oder Verlustsituationen innerhalb eines Konzerns zu identifizieren.

Dadurch verschiebt sich der Fokus von der klassischen nachgelagerten Prüfung hin zu einem präventiven Risikomanagement auf Seiten der Finanzverwaltung. Unternehmen, deren Daten ein erhöhtes Risikoprofil erkennen lassen, könnten deutlich früher in den Fokus steuerlicher Nachfragen geraten als bisher.

Datenkonsistenz wird zum neuen Compliance-Faktor

In vielen Unternehmensgruppen entstehen steuerlich relevante Informationen in unterschiedlichen Systemen, Abteilungen und Ländern. Die Verrechnungspreisdokumentation wird häufig von der Steuerfunktion koordiniert, während Buchhaltung, Controlling und Reporting in anderen Bereichen angesiedelt sind.

Genau an diesen Schnittstellen entstehen potenzielle Risiken. Aus Sicht der Finanzverwaltung können beispielsweise folgende Fragestellungen relevant werden:

  • Stimmen die in den TPR-Meldungen angegebenen Transaktionswerte mit den Buchhaltungsdaten überein?
  • Werden Verrechnungspreisanpassungen konsistent in Dokumentation, Steuererklärung und Buchhaltung erfasst?
  • Entsprechen die ausgewiesenen Margen den wirtschaftlichen Funktionen und Risiken der jeweiligen polnischen Gesellschaft?
  • Lassen sich konzerninterne Dienstleistungen, Lizenzen oder sonstige Leistungsbeziehungen eindeutig nachvollziehen?

Unternehmen, die diese Fragen bereits vor einer möglichen Prüfung beantworten können, verfügen über einen erheblichen Vorteil. Verrechnungspreis-Compliance entwickelt sich zunehmend zu einem datengetriebenen Governance-Thema.

Eigene Vergleichsdaten der Finanzverwaltung als neue Realität

Besonders interessant ist eine weitere Entwicklung: Durch den Zugang zu großen Mengen strukturierter Unternehmensdaten erhält die Steuerverwaltung die Möglichkeit, eigene Vergleichsgruppen aufzubauen und Marktentwicklungen selbst auszuwerten. In diesem Sinne werden reale, von Unternehmen gemeldete Daten zunehmend als Ausgangspunkt für Risikoanalysen dienen.

Damit steigt die Wahrscheinlichkeit, dass auffällige Abweichungen bei Profitabilität, Lizenzgebühren oder konzerninternen Dienstleistungen schneller erkannt werden. Unternehmen sollten sich daher darauf einstellen, dass die Transparenz ihrer Geschäftsmodelle gegenüber den Steuerbehörden weiter zunimmt.

Was bedeutet das für deutsche Unternehmensgruppen in Polen?

Für die meisten Unternehmen besteht der Handlungsbedarf nicht in der Einführung neuer Verrechnungspreisprozesse. Wesentlich wichtiger ist die kritische Überprüfung der bestehenden Prozesse auf Konsistenz und Datenqualität.

Im Fokus sollten insbesondere stehen:

  • die Abstimmung zwischen Verrechnungspreisdokumentation, Steuererklärungen und Finanzbuchhaltung,
  • die Behandlung von Verrechnungspreisanpassungen,
  • die Nachvollziehbarkeit konzerninterner Transaktionen,
  • das Vorliegen einer aktuellen Verrechnungspreisanalyse.

Ein integrierter Ansatz, der Tax, Finance, Accounting und Controlling miteinander verbindet, wird künftig noch wichtiger werden. Verrechnungspreise sind längst nicht mehr u rein Dokumentationsthema. Sie werden zunehmend zu einer Frage der Datenqualität und der konzernweiten Compliance-Steuerung.

Fazit

Die Digitalisierung der Steuerprüfung in Polen markiert einen weiteren Schritt hin zu einer datengetriebenen Steueraufsicht. Für deutsche Unternehmensgruppen mit Aktivitäten in Polen steigt damit die Bedeutung einer konsistenten und belastbaren Verrechnungspreis-Compliance.

Die Digitalisierung der Steuerprüfung in Polen markiert einen weiteren Schritt hin zu einer datengetriebenen Steueraufsicht. Für deutsche Unternehmensgruppen mit Aktivitäten in Polen steigt damit die Bedeutung einer konsistenten und belastbaren Verrechnungspreis-Compliance.

Fragen und Antworten

Betrifft das Thema nur polnische Unternehmen?

Nein. Die Verpflichtung zur Übermittlung von JPK_KR_PD betrifft grundsätzlich polnische Gesellschaften. Die Entwicklungen sind aber für internationale Unternehmensgruppen relevant, die Tochtergesellschaften oder Abteilungen in Polen unterhalten. Die neuen Analysemöglichkeiten der polnischen Finanzverwaltung können sich unmittelbar auf konzerninterne Geschäftsbeziehungen auswirken.

Müssen deutsche Unternehmensgruppen ihre Transfer-Pricing-Strategie anpassen?

Nicht zwingend. Viele Unternehmen verfügen bereits über etablierte Verrechnungspreissysteme. Im Fokus sollte jedoch die Frage stehen, ob die angewendeten Transfer-Pricing-Modelle konsistent in Buchhaltung, Steuererklärungen, TPR-Meldungen und Verrechnungspreisdokumentation abgebildet werden.

Welche Bereiche bergen aus Sicht der Finanzverwaltung das größte Risiko?

Besondere Aufmerksamkeit gilt häufig konzerninternen Dienstleistungen, Lizenzzahlungen, Finanztransaktionen, Verrechnungspreisanpassungen sowie Geschäftsmodellen mit dauerhaft niedrigen Margen oder Verlusten. Auffälligkeiten in diesen Bereichen können zusätzliche Nachfragen der Finanzverwaltung auslösen.

Können formale Fehler trotz marktüblicher Verrechnungspreise problematisch werden?

Ja. Auch wenn die angewandten Verrechnungspreise dem Fremdvergleichsgrundsatz entsprechen, können Inkonsistenzen zwischen verschiedenen steuerlichen und finanziellen Berichten zu erhöhtem Prüfungsinteresse führen.

Warum wird Datenqualität zunehmend zu einem Transfer-Pricing-Thema?

Weil Verrechnungspreisprüfungen immer stärker datengetrieben erfolgen. Für die Risikobewertung ist nicht nur die Dokumentation selbst relevant, sondern auch die Frage, ob die zugrunde liegenden Finanzdaten die dargestellten Verrechnungspreispositionen nachvollziehbar unterstützen.

Steigen die Risiken von Transfer-Pricing-Prüfungen in Polen?

Nicht zwangsläufig, jedoch verändern sich die Methoden der Risikoidentifikation. Durch den erweiterten Zugang zu strukturierten Finanz- und Steuerdaten kann die polnische Finanzverwaltung potenzielle Auffälligkeiten schneller und gezielter erkennen. Unternehmen mit konsistenten Prozessen, belastbaren Verrechnungspreissystemen und einer hohen Datenqualität sind dabei deutlich besser auf mögliche Prüfungen vorbereitet.

Was sollten CFOs und Tax Manager jetzt tun?

Empfehlenswert ist ein frühzeitiger Health Check der Transfer-Pricing-Compliance. Dabei sollten insbesondere die Abstimmung zwischen Finance, Accounting und Tax sowie die Konsistenz der Daten in allen relevanten Reportings überprüft werden.

Neue Anforderungen schaffen neues Terrain. Unser Transfer-Pricing-Team in Polen begleitet internationale Unternehmensgruppen auf diesem Weg. Gemeinsam mit Spezialistinnen und Spezialisten aus Tax, Finance und Accounting schaffen wir Transparenz, stellen Datenkonsistenz sicher und helfen dabei, Verrechnungspreisrisiken frühzeitig zu steuern. Mit fachlicher Exzellenz, einem interdisziplinären Ansatz und langjähriger Erfahrung entwickeln wir Lösungen, die nicht nur den regulatorischen Anforderungen gerecht werden, sondern auch in der Praxis tragen.