Polen – Im Gespräch mit unserer Länderexpertin Renata Kabas-Komorniczak
Wie beurteilen Sie die gegenwärtige wirtschaftliche Lage in Polen?
Im 4. Quartal 2024 stieg das BIP im Vergleich zum analogen Zeitraum des Jahres 2023 um 3,2 Prozent – somit ist die Wirtschaft Ende letzten Jahres schnell gewachsen. Vor dem Hintergrund der anderen EU-Staaten konnte Polen ein besonders hohes, vom Konsum angetriebenes Wirtschaftswachstum verzeichnen.
Die Analysten rechnen damit, dass die polnische Wirtschaft 2025 um rund 3,4 Prozent wachsen wird, also wesentlich schneller als in anderen hochentwickelten westeuropäischen Ländern, was von einem soliden makroökonomischen Fundament sowie von einer wirksamen Fiskal- und Geldpolitik zeugt.
Die Herausforderung für die Regierenden wird zweifellos darin bestehen, die Inflation unter Kontrolle zu bringen und den Anstieg der Zinssätze zu stabilisieren, so dass das in den letzten Jahren trotz der vorübergehenden Rezession erreichte Wirtschaftswachstum erhalten bleibt.
Nicht ohne Bedeutung für das anhaltende Wirtschaftswachstum sind die beträchtlichen EU-Mittel, deren effektiver Einsatz weitere Reformen in Polen unterstützen, die Investitionen in innovative Projekte und neue Technologien steigern und die grüne Transformation beschleunigen kann.
Polen ist einer der größten Empfänger von EU-Mitteln. Es handelt sich um einen Betrag von ca. 76 Mrd. Euro aus EU-Strukturfonds für die Jahre 2021 bis 2027 und Milliarden Euro aus anderen Programmen, wie dem Nationalen Wiederaufbau- und Resilienzplan oder dem Modernisierungsfonds, wovon ein Teil für die Projekte von Unternehmen gewährt werden wird. In Polen werden vor allem folgende Bereiche gefördert werden: Innovation, Unternehmergeist, Infrastruktur, Umweltschutz, Energetik, Bildung und soziale Angelegenheiten. Die Unternehmen können mit Zuschüssen und Darlehen zu Präferenzbedingungen für Forschung und Entwicklung, Investitionen in ökologische Veränderungen, darunter den Übergang zu Erneuerbaren Energien, sowie die Einführung von Innovation oder Digitalisierung rechnen.
Polen ist unter Deutschlands Handelspartnern mit Abstand der größte in Osteuropa und der fünftgrößte weltweit. Welche Chancen eröffnet das für die polnisch-deutsche Zusammenarbeit?
Riesige. Zum ersten Mal haben wir eine so hohe Platzierung erreicht. Dabei haben wir sogar so große Volkswirtschaften wie Italien überholt, was davon zeugt, dass die Bedeutung Polens als Außenhandelspartner Deutschlands von Jahr zu Jahr wächst. Die polnischen Unternehmen sehen bereits Chancen zur Anknüpfung fester Kontakte mit dem deutschen KMU-Sektor. Das eröffnet Entwicklungschancen für viele Wirtschaftssektoren, wie z.B. Energie, digitale Technologien, Autoindustrie oder Pharmazie.