Polen nimmt seine erste Biomethananlage in Betrieb: Steht ein Durchbruch auf dem Markt bevor?
Einleitung
Im September wurde der erste Kubikmeter Biomethan in das Netz von Polska Spółka Gazownictwa, dem größten Erdgasverteilungsnetzbetreiber Polens, eingespeist. Das Unternehmen gab offiziell den Anschluss der ersten Biomethananlage Polens, die in der Zuckerfabrik in Strzelin errichtet wurde, an das Gasnetz bekannt. Nach Angaben des Investors wird das aus Zuckerrübenresten gewonnene Biogas für den Eigenbedarf der Zuckerfabrik Strzelin verwendet, während der Überschuss in Form von Biomethan über eine 9 Kilometer lange Gasleitung in das Netz eingespeist wird.
(Un)genutztes Potenzial
Die Investition in Strzelin ist die erste großtechnische Biomethananlage in Polen. Bislang war nur eine Pilotanlage in Brody, die im Februar 2025 von Wissenschaftlern der Universität für Lebenswissenschaften in Posen in Betrieb genommen wurde (Leistung: 0,499 MW), zu Forschungszwecken in Betrieb.
Laut einem Bericht des Nationalen Zentrums für Forschung und Entwicklung beträgt das gesamte technische Potenzial für die Biomethanproduktion in Polen 8 Milliarden m3. Das Investitionspotenzial wird konservativ auf 3,2 Milliarden m3 geschätzt, was 40 Prozent des technischen Potenzials entspricht1. Um sein Energiesystem auszugleichen, benötigt Polen zwischen 1,5 und 2 Milliarden m3 Biomethan pro Jahr, während die Industrie – insbesondere die chemische Industrie – einen hohen Bedarf an diesem Rohstoff hat2.
Bislang wird das gesamte oben genannte Potenzial von einer einzigen Biomethananlage bedient. Zum Vergleich: In Deutschland sind derzeit 270 Biomethananlagen in Betrieb, die jährlich 1,4 Milliarden m3 erneuerbares Gas ins Netz einspeisen. Allein im Jahr 2024 wurden 21 Biomethananlagen in Betrieb genommen3.
Das bedeutet jedoch nicht, dass es in Polen keine Projekte gibt. Laut einem Bericht der Polish Biomethane Organisation wurden für das erste Quartal 2025 105 Investitionsprojekte in verschiedenen Entwicklungsstadien mit einer Gesamtproduktionskapazität von etwa 349 Millionen Nm3 pro Jahr identifiziert. Dabei dominieren mittelgroße Anlagen (1–5 MW).
Gründe für die derzeitige Schwäche des Biomethanmarktes
Unzureichende Rechtsvorschriften wurden fast einstimmig als Hauptgrund für die bisherige Stagnation des polnischen Biomethanmarktes genannt.
Investoren betonten erhebliche Schwierigkeiten beim Anschluss an das Gasnetz. Diese betrafen sowohl den Mangel an Informationen über die Kapazität des Gasnetzes als auch die von den Betreibern auferlegten Vorschriften hinsichtlich des Mindestheizwerts von Biomethan (über 38 MJ/m3).
Biomethananlagen wurden außerdem durch langwierige Verwaltungsverfahren in der Investitionsphase behindert, darunter Umweltentscheidungen, Baugenehmigungen und Nutzungsgenehmigungen.Ein weiterer großer Schwachpunkt war das Fehlen eines Fördersystems, das Biomethanproduzenten zuverlässige Einnahmeaussichten bieten würde, obwohl Fördersysteme in Polen für Biogasprojekte erfolgreich funktionieren.
Verbesserung der Investitionsbedingungen
In den letzten Monaten hat sich jedoch die rechtliche und regulatorische Lage für den Bau von Biomethananlagen in Polen deutlich verbessert. Ein wichtiger Schritt war die Veröffentlichung von Gasnetz-Absorptionskarten durch die Polska Spółka Gazownictwa („PSG“), die es Investoren erstmals ermöglichten, die tatsächlichen Möglichkeiten für den Anschluss von Anlagen an das Netz zu bewerten. Die PSG änderte auch ihren Ansatz hinsichtlich der Qualitätsparameter für Biomethan, einschließlich der Anforderungen an die Verbrennungswärme, was die Planung von Anlagen erheblich erleichtert. Nach Angaben der PSG wurden bereits 970 Entscheidungen über den Anschluss von Biomethananlagen getroffen – sowohl Bedingungen als auch Stellungnahmen zur Möglichkeit des Anschlusses an unser Netz – und 12 Anschlussverträge abgeschlossen4.
Link zur Absorptionskarte:Polska Spółka Gazownictwa – Bereit für BiomethanIn Polen gibt es seit einem Jahr ein Fördersystem für Biomethananlagen mit einer Leistung von bis zu 1 MW, das auf einem Einspeiseprämienmechanismus basiert. Dieser Mechanismus ermöglicht den Verkauf von Strom auf einem wettbewerbsorientierten Markt mit dem Recht auf Deckung des negativen Saldos, was eine Subvention in Höhe des garantierten festen Kaufpreises darstellt.
Nach der aktuellen Regelung liegt der Referenzpreis für Biomethan aus Biogas für Anlagen zur Erzeugung erneuerbarer Energien bei etwa 126,30 Euro pro 1 MWh und für Biomethan aus landwirtschaftlichem Biogas bei 127,93 Euro pro 1 MWh. Wichtig ist, dass das System nur für Biomethan gilt, das in das Gasnetz eingespeist wird.
Weitere Änderungen in Sicht
Die beobachtete Richtung der Gesetzesänderungen in Polen scheint Biomethan zu begünstigen.
Eine Reihe von Bestimmungen zur Verbesserung der Situation der Biomethanproduzenten wurde in den Entwurf zur Änderung des Gesetzes über Onshore-Windparks aufgenommen. Unter anderem wurde vorgeschlagen, ein Fördersystem für Biomethananlagen mit einer Leistung von mehr als 1 MW auf der Grundlage einer Auktionsformel einzuführen. Für Biomethananlagen mit einer installierten elektrischen Leistung von weniger als 2 MW und von 2 MW oder mehr sind separate Auktionen geplant. Außerdem wurde vorgeschlagen, Biomethanproduzenten den Bau direkter Gasleitungen zu Endverbrauchern unter Umgehung der Gasnetzbetreiber zu ermöglichen.
Zugegebenermaßen sind die oben genannten Bestimmungen aufgrund des Vetos des Präsidenten noch nicht in Kraft getreten. Es scheint jedoch, dass der Widerstand des Präsidialamtes hauptsächlich die Abstandsregel für Onshore-Windenergie betraf und dass in Polen ein breiter Konsens über die Entwicklung von Biomethan besteht. Daher fordern Vertreter der Biogasindustrie unter der Führung der Polnischen Biomethan-Kammer, die Biomethan-Bestimmungen in einen separaten Gesetzentwurf auszugliedern, der die Zustimmung des Präsidenten finden dürfte.
Zusammenfassung
Die Richtung der Energiegesetzgebung und der Politikentwicklung deutet darauf hin, dass der Biomethanmarkt zu einem der am schnellsten wachsenden Segmente des Energiesektors in Polen werden könnte.
Gemäß dem Entwurf des Nationalen Energie- und Klimaplans plant Polen, bis 2030 eine Biomethanproduktion von 1,5 Milliarden m3 und bis 2040 von 3,9 Milliarden m3 zu erreichen. Dies eröffnet erhebliche Investitionsmöglichkeiten – sowohl für Greenfield-Projekte als auch für den Erwerb von bereits entwickelten Anlagen mit Genehmigungen und Anschlussbedingungen.
Die Struktur des polnischen Energiemix und die Anforderungen der EU deuten darauf hin, dass Biomethan zu einem integralen und strategischen Bestandteil des polnischen Energiemix werden wird.
Der Biogas- und Biomethanmarkt in Polen wird kontinuierlich von den Anwälten von RÖDL beobachtet, die Investoren und Unternehmer in jeder Phase der Projektentwicklung – von der Planung über die Umsetzung bis hin zum Betrieb – unterstützen.
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Quellen:
1 National Centre for Research and Development, Real potential for biomethane production in Poland. Version dated 20 May 2024, p. 10.
2 Ibid.
3Biomethan: Warum Deutschland bei der Energiewende den Anschluss verliert
4Polska Spółka Gazownictwa – Pierwsza w kraju biometanownia przyłączona do sieci gazowej
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