Veröffentlicht am 1. September 2026
Lesedauer ca. 7 Minuten

PVT-Kollektoren: Alternative Wärmequelle für Schwimmbäder und Fördermöglichkeiten

  • PVT auf dem Weg aus der Nische: Deutschland größter Markt, 22.300 m² Zubau 2024.
  • Hohe Effizienz: Kombination aus PV & Thermie, bis 80% Gesamtwirkungsgrad und JAZ >4,5 möglich.
  • Ideal für Bäder: Hoher Wärmebedarf und Flächenknappheit.
  • Fördervorteile: BEG/EEW ermöglichen hohe Zuschüsse und wirtschaftlichen Betrieb.
Naomi Mzyk
Senior Associate
B.A. Management in Organic and Sustainability Business
Leon Lüdicke
Consultant
Die Nachfrage nach photovoltaisch‑thermischen Kollektoren (PVT) wächst rasant: 2024 wurden in Deutschland rund 22.300 m² installiert – viermal so viel wie 2020 und 30% des globalen Zubaus. Deutschland ist damit der weltweit größte PVT‑Markt.¹ ² Sinkende Systemkosten, zunehmende Bekanntheit und Fördermöglichkeiten führen zu einer wachsenden Marktpräsenz. Die Dekarbonisierung kommunaler Schwimmbäder stellt einen idealen Anwendungsbereich dar.

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Funktionsweise von PVT-Kollektoren

PVT-Kollektoren vereinen zwei Technologien in einem Modul:

  • Photovoltaik erzeugt Strom auf der Vorderseite
  • Solarthermie gewinnt Wärme auf der Rückseite

Durch die Doppelnutzung erreichen sie Gesamtwirkungsgrade von bis zu 80%³ und steigern den Stromertrag durch Wärmeabführung und Kühlung der Solarzellen um bis zu 10%.⁴ Für Betreiber bedeutet das: Mehr Energie pro Quadratmeter und eine optimale Nutzung knapper Dach- und Freiflächen.

Quelle: C.A.R.M.E.N. e.V.

Unabgedeckte PVT-Kollektoren dominieren mit 95% den deutschen Markt. Ihre offene Bauweise erlaubt die effiziente Nutzung der Umgebungswärme. Mit einem Wasser-Glykol-Gemisch als Wärmeträgermedium sind sie eine attraktive Niedertemperaturquelle für Sole‑Wasser‑Wärmepumpen, die eine Temperaturerhöhung auf 150 bis 200 °C ermöglichen.⁵

PVT‑Kollektoren entsprechen in Größe und Montage weitgehend klassischen PV‑Modulen. Moderne PVT-Kollektoren erreichen Leistungen von ca. 400 bis 600 W elektrisch und 700 bis 1.200 W thermisch⁴ ⁶ abhängig vom Aufbau des Wärmeüberträgers und der thermischen Effizienz. Trotz des höheren Gewichts bleibt die statische Anforderung vergleichbar mit PV‑Anlagen, da durch das Mehrgewicht (29 kg⁴ vs. 21 kg⁷) weniger Zusatzballast erforderlich ist. Zudem kann Schnee aktiv abgetaut werden, was die Schneelastreserve reduziert.⁸

Dekarbonisierung durch Einbindung von PVT-Kollektoren

Der Erfolg der PVT-Technologie ist eng mit dem Wärmepumpenhochlauf seit 2020 verknüpft. Verbesserte Förderbedingungen sowie die Energiekrise 2022 haben den Umstieg auf erneuerbare Wärme beschleunigt.⁹

PVT lässt sich in monovalente und in bivalente Wärmepumpensysteme mit Erdsonden und Pufferspeichern integrieren. Die Anzahl bzw. die Tiefe kostenintensiver Bohrungen wird reduziert und damit werden die Investitionskosten gesenkt. Gleichzeitig wird eine Regeneration des Erdreichs ermöglicht, das Auskühlen der Sonden verhindert und die Effizienz langfristig stabilisiert.¹⁰ Je nach Systemausgestaltung können folgende Jahresarbeitszahlen erreicht werden:⁴ ¹¹

  • Luft-Wasser-Wärmepumpe: >3
  • PVT + Sole-Wasser-Wärmepumpe: >4
  • PVT + Erdsonde + Sole-Wasser-Wärmepumpe: >4,5

Viele Kommunen verfolgen ambitionierte Klimaziele. Gleichzeitig stehen kommunale Schwimmbäder unter hohem wirtschaftlichem Druck: hoher Grundlastbedarf, steigende Energiekosten, veraltete Heizsysteme und begrenzte Flächen – ein idealer Anwendungsbereich für PVT.

Und auch das aktuelle Energiesystem kann PVT ergänzen. Die Abhängigkeit von Gaspreisen und das Kostenrisiko können reduziert werden, was mehr Planungssicherheit bei den Energiekosten schafft. Steigende CO₂‑Kosten im Rahmen des ETS 2 wirken sich dadurch weniger stark aus. Details zum ETS 2 können in diesem Artikel¹⁶ nachgelesen werden. Zudem stehen Förderprogramme zur Verfügung.

Nachfolgende Tabelle zeigt die Grundparameter eines beispielhaften Zubaus von PVT-Kollektoren im Einsatz bei Schwimmbädern.

Beispiel Zubau PVT (455 Module à 440 Wp⁴)
Elektrische Leistung 200,2 kWp
Thermische Leistung 546 kWp
Flächenbedarf¹² ca. 1.200 m²
Elektrischer Energieertrag¹³ 220 MWh/a
Thermischer Energieertrag⁵ 410 MWh/a
Investitionskosten (exkl. Wärmepumpe und Förderung) TEUR 400
CO₂-Einsparung Gassubstitution¹⁴ 82,41 t/a
Wärmegestehungskosten¹⁵ 10 – 20 ct/kWh

Fördermöglichkeiten für PVT-Anlagen (Auswahl)

Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG)

Die Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG) unterstützt die Errichtung und Erweiterung von Anlagen zur Wärmeerzeugung aus Erneuerbaren Energien. Förderfähig sind unter anderem Wärmepumpen, Biomasse- und Brennstoffzellenheizungen sowie solarthermische Anlagen.

Auch photovoltaisch-thermische Kollektoren (PVT- / Hybridkollektoren) können gefördert werden, wenn sie als Wärmeerzeuger (Solarthermie) oder als Wärmequelle für Wärmepumpen eingesetzt werden. Förderfähig sind zudem zugehörige Komponenten wie Solarspeicher und Steigleitungen. Solarthermische Anlagen müssen so errichtet werden, dass die Nutzung Erneuerbarer Energien im Gebäude oder in unmittelbarer räumlicher Nähe zum versorgten Gebäude erfolgt. Für Schwimmbäder ist diese Systematik besonders relevant, da die Gebäude einen kontinuierlich hohen Wärmebedarf aufweisen und zum Teil große Dachflächen für solare Nutzung bieten.

Antragsberechtigt sind grundsätzlich alle Investoren (z.B. Hauseigentümer, Unternehmen, Kommunen) von förderfähigen Maßnahmen. Ist der Antragsteller nicht Eigentümer des Gebäudes, ist eine Antragstellung nur möglich, wenn der Eigentümer grundsätzlich förderberechtigt ist und vorab über die Förderung sowie den maximalen Förderbetrag informiert wurde.

Fördervoraussetzung ist u.a., dass die geförderte Maßnahme zu einer Verbesserung des energetischen Niveaus des Gebäudes beiträgt.

Die Förderung erfolgt als Projektförderung auf Ausgabenbasis durch einen nicht rückzahlbaren Zuschuss. Zusätzlich ist ein zinsgünstiger Ergänzungskredit zur Finanzierung der förderfähigen Kosten einschließlich Planung und Baubegleitung möglich. Der Grundfördersatz beträgt 30% der förderfähigen Ausgaben.

Ein wesentlicher Vorteil ist, dass PVT-Anlagen auch bei gleichzeitiger EEG-Förderung oder Einspeisevergütung förderfähig bleiben können – abweichend vom sonst üblichen Ausschluss einer Doppelförderung. Für die Förderfähigkeit werden dabei ausschließlich die Kosten berücksichtigt, die der PVT-Anlage selbst sowie ihrer Montage und Inbetriebnahme zugeordnet werden können. Der elektrische Teil der Anlage wird rechnerisch abgegrenzt. Es erfolgt ein pauschaler Abzug in Höhe von 1.500 €/kWp installierter PV-Leistung, um die Stromerzeugungskomponenten herauszurechnen. Stromspeicher sind grundsätzlich nicht Bestandteil der Förderung.

Die Kumulierung einer Förderung für dieselbe Maßnahme nach der BEG mit anderen Fördermitteln ist grundsätzlich möglich. Die gleichzeitige Inanspruchnahme einer Förderung nach der BEG und einer Förderung u.a. nach der Kommunalrichtlinie sowie der Kälte-Klima-Richtlinie, dem KWKG, dem EEG oder der BEW für dieselben förderfähigen Ausgaben ist nicht möglich.

Bundesförderung für Energie- und Ressourceneffizienz in der Wirtschaft (EEW)

Neben der BEG kann für PVT-Anlagen insbesondere die Bundesförderung für Energie- und Ressourceneffizienz in der Wirtschaft (EEW) eine interessante Ergänzung darstellen. Dieses Förderprogramm richtet sich u.a. an private und kommunale Unternehmen mit einer Betriebsstätte oder Niederlassung in Deutschland sowie Contractoren. Nicht antragsberechtigt sind u.a. Kommunen und deren Regie- und Eigenbetriebe.

Gefördert werden Investitionen in Maßnahmen zur Steigerung der Energieeffizienz sowie zur Nutzung Erneuerbarer Energien. Dazu gehören unter anderem Anlagen zur Nutzung erneuerbarer Wärme, Wärmepumpensysteme sowie die Einbindung solarthermischer Technologien.

PVT-Anlagen können in diesem Zusammenhang förderfähig sein, sofern ein überwiegender Prozessbezug für die erzeugte Wärme und den erzeugten Strom vorliegt. Die beantragte PVT-Anlage muss beim BAFA gelistet sein. Für nicht gelistete, aber nach Solar Keymark zertifizierte Module ist der Nachweis der Förderfähigkeit spätestens mit dem Verwendungsnachweis einzureichen.

Die Förderung erfolgt wahlweise als BAFA-Zuschuss oder als Tilgungszuschuss über einen zinsgünstigen KfW-Kredit. Je nach Unternehmensgröße beträgt die Förderung 40 bis 60% der förderfähigen Investitionskosten. Eine Kombination mit anderen staatlichen Förderungen für dieselbe Maßnahme ist ausgeschlossen.

Für Schwimmbäder lassen sich PVT-Anlagen grundsätzlich im Rahmen von Modul 2 als förderfähig einordnen, sofern ein überwiegender Prozessbezug für die erzeugte Wärme und den erzeugten Strom gegeben ist. Als relevanter Prozess gilt dabei insbesondere die Beckenheizung, da sie unmittelbar dem Betrieb und der Nutzung des Schwimmbads zuzuordnen ist. Demgegenüber werden die reine Warmwasserbereitung sowie die Unterstützung der technischen Gebäudeversorgung nicht als Prozess im Sinne der Förderkriterien gewertet.

Neben den Bundesprogrammen existieren auf Landesebene zusätzliche Förderinstrumente, die den Einsatz von PVT-Anlagen unterstützen können. Da sich die Förderlandschaft auf den einzelnen Ebenen teils deutlich unterscheidet und zudem kontinuierlich weiterentwickelt, ist eine systematische Sondierung der relevanten Programme unerlässlich, um das volle Förderpotenzial auszuschöpfen und eine bestmögliche Gesamtförderung zu erreichen.

Die Kombination aus hoher Flächeneffizienz, gleichzeitiger Strom- und Wärmeerzeugung sowie attraktiven Fördermöglichkeiten macht PVT-Anlagen zu einer spannenden Zukunftslösung. Wer heute Sanierungs- oder Neubauprojekte plant, sollte PVT daher frühzeitig in die energetische Gesamtstrategie einbeziehen und mögliche Förderoptionen bereits in der Konzeptphase prüfen.

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1 IEA SHC TCP: https://www.iea-shc.org/Data/Sites/1/publications/Solar-Heat-Worldwide-2025.pdf.
2 IEA SHC Task 73: https://task73.iea-shc.org/Data/Sites/1/publications/IEA-SHC-Task73-Highlights-2025.pdf.
3 Bis zu 80% der solaren Strahlungsenergie kann in nutzbare Energie umgewandelt werden.
4 Sunmaxx PVT GmbH: https://sunmaxx-pvt.com/de/loesung/pvt-modul-px-1/.
5 Sunmaxx PVT GmbH: https://sunmaxx-pvt.com/de/faq/pvt-systeme-fragen-zu-planung-kosten-und-foerderung/.
6 C.A.R.M.E.N. e.V.: https://www.carmen-ev.de/marktuebersicht-pvt-kollektoren/.
7 Trina Solar: https://static.trinasolar.com/sites/default/files/EN_Datasheet_Vertex_DE09.pdf.
8 Sunmaxx PVT GmbH.
9 Bundesverband Wärmepumpe (BWP) e.V.: https://www.waermepumpe.de/fileadmin/user_upload/2026-03-30_BWP-Branchenstudie_2026_final.pdf.
10 Prisma®-PVT (TWL-Technologie GmbH): https://prisma-pvt.com/erdsondenregeneration.
11 Die JAZ ist eine wichtige Kenngröße einer Wärmepumpe und beschreibt das Verhältnis der über ein Jahr abgegebenen Heizenergie zur aufgenommenen elektrischen Energie (Bundesverband Geothermie e. V.: https://www.geothermie.de/bibliothek/lexikon-der-geothermie/j/jahresarbeitszahl).
12 Annahme: spez. Flächenbedarf 6 m²/kWpel.
13 Unter Annahme von 1.000 kWh/kWp*a zzgl. 10% Mehrertrag durch Wärmabführung.
14 BAFA Informationsblatt CO2-Faktoren.
15 Sunmaxx. Richtwert – die LCOH sind abhängig von der projektspezifischen Systemausgestaltung und können sowohl höher und niedriger ausfallen.
16 RÖDL: https://www.roedl.com/insights/ets-2-verzoegert-klimakosten-bleiben-warum-sie-nicht-auf-die-politik-warten-sollten-2/.