Die SE: Eine Rechtsform für international tätige Familienunternehmen im Trend
Grund dafür sind zum einen Gestaltungsmöglichkeiten hinsichtlich der Leitungsstruktur, da statt der klassischen (dualistischen) Struktur mit Vorstand und Aufsichtsrat, die für eine AG prägend ist, auch ein Verwaltungsrat als einheitliches Leitungs- und Kontrollorgan gebildet werden kann (sog. Monistisches System). Zum anderen ist die Möglichkeit zum „Einfrieren der Mitbestimmung” für viele mittelständische Unternehmen durchaus attraktiv, insb., wenn sie in absehbarer Zukunft durch steigende Mitarbeiterzahlen die Schwellenwerte nach Drittelbeteiligungs- oder Mitbestimmungsgesetz erreichen werden.
Die Umwandlung in eine SE kann daher den Einfluss der Familie auf das Unternehmen für die Zukunft absichern.
Im Gang der Darstellung wird zu wichtigen Punkten Stellung genommen, die bei dem Übergang von einer deutschen zu einer europäischen AG entscheidungserheblich sind. Im Folgenden wird dabei von der Grundkonstellation ausgegangen, dass eine deutsche AG formwechselnd zu einer SE wird. Dabei soll von einem großen, nicht kapitalmarktorientierten Unternehmen i.S.d. § 267 Abs. 3 HGB ausgegangen werden. Zwar bestehen (vgl. unter III.) eine Reihe von Möglichkeiten, eine SE zu gründen, gleichwohl wird nachfolgend auf den in der Praxis häufigen Fall einer Umwandlung zur SE-Gründung abgestellt.
Ferner wird unterstellt, dass die deutsche AG in zahlreichen Standorten im Ausland mit eigenen Tochtergesellschaften seit mehr als fünf Jahren Geschäfte betreibt und sich weiterhin auf Wachstumskurs befindet, um zusätzliche Standorte im Ausland mit neuen Märkten in den kommenden Jahren zu erschließen.
[1] Update: Inzwischen existieren bereits 3.357 Gesellschaften (lt. Studie der Hans-Böckler-Stiftung, Stand 1.7.2020) der Rechtsform in Europa und die Tendenz ist weiter steigend. 731 der 3.357 SEs sind operativ tätig. Von den 731 operativ tätigen Gesellschaften entfallen wiederum 404 SEs auf Deutschland. Zwischen 2018 und 2019 hat sich die Anzahl der operativen SEs in Deutschland um 65 erhöht..