Veröffentlicht am 1. September 2026
Lesedauer ca. 4 Minuten

Vom Auftrag zur Partnerschaft: Wie Stadtwerke kritische Ressourcen sichern

  • Stadtwerke sichern Fachkräfte und Know-how zunehmend durch Beteiligungen.
  • Akquisitionen helfen, kritische Ressourcen für die Energiewende langfristig zu sichern.
  • Unternehmensnachfolgen eröffnen Stadtwerken neue Chancen für strategische Beteiligungen.
  • Beteiligungen stärken das Leistungsportfolio und die Umsetzungskraft von Stadtwerken.
Christoph Spier
Partner
Certified Valuation Analyst (CVA), Diplom-Volkswirt
Christoph Beer
Partner
Certified Valuation Analyst (CVA), Diplom-Betriebswirt (FH)
Aktuell zeigt sich nicht nur in der Energiewirtschaft, dass die Verfügbarkeit qualifizierter Fachkräfte und operativer Umsetzungskapazitäten zunehmend zu einem wesentlichen Faktor strategischer Entscheidungen wird. Für viele (kommunale) Versorgungsunternehmen lautet die zentrale Frage längst nicht mehr, ob Projekte umgesetzt werden sollen, sondern wer in der Lage ist, diese erfolgreich zu realisieren.

Gerade bei kommunalen Versorgern lässt sich beobachten, dass zunehmend Beteiligungen an Handwerksbetrieben, Ingenieurbüros, Dienstleistungsunternehmen, Elektrotechnikbetrieben oder Spezialisten für Photovoltaik, Ladeinfrastruktur und Wärmelösungen erworben werden. Dabei geht es längst nicht mehr ausschließlich um klassische Diversifikation. Vielmehr steht der dauerhafte Zugriff auf begrenzte Kompetenzen und Ressourcen im Vordergrund.

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Vom Einkauf von Leistungen zur Sicherung von Fähigkeiten

Die Energiewende führt zu einem massiven Anstieg des Umsetzungsbedarfs. Wärmenetze müssen ausgebaut, Stromnetze modernisiert, Smart-Meter installiert, Photovoltaikanlagen montiert und Ladeinfrastruktur errichtet werden. Gleichzeitig verschärft sich der Fachkräftemangel in vielen technischen Gewerken.

Für Versorgungsunternehmen wird damit ein Geschäftsmodell, das stark von der Beauftragung externer Dienstleister abhängig ist, zunehmend riskant. Selbst finanziell gut ausgestattete Unternehmen stoßen an Grenzen, wenn Planungs- oder Installationskapazitäten am Markt nicht verfügbar sind. Die Konsequenz lautet daher immer häufiger: Statt einzelne Aufträge zu vergeben, sichern sich Energieversorger den direkten Zugriff auf die benötigten Ressourcen durch Beteiligungen oder Übernahmen.

Die Strategie dahinter ist eindeutig, denn wer ein etabliertes Handwerks- oder Technikunternehmen in die eigene Unternehmensgruppe integriert, erhält nicht nur Mitarbeiter und Know-how, sondern sichert langfristig Kapazitäten, die für die Umsetzung von Infrastruktur- und Energiewendeprojekten erforderlich sind.

Stadtwerke erschließen neue Wertschöpfungsstufen

Ein weiterer Treiber dieser Entwicklung ist die strategische Erweiterung des Leistungsportfolios.
Viele Stadtwerke entwickeln sich von klassischen Versorgern zu integrierten Energiedienstleistern. Kunden erwarten zunehmend ganzheitliche Lösungen statt isolierter Energielieferverträge.

Gefragt sind Angebote zu Photovoltaikanlagen, Batteriespeichern, Wärmepumpen, Ladeinfrastruktur, Energiemanagementsystemen oder Quartierslösungen. Diese Leistungen lassen sich jedoch nur dann wirtschaftlich skalieren, wenn Planung, Installation, Betrieb und Service stringent und effizient organisiert werden können.

Durch den Erwerb spezialisierter Unternehmen schaffen Versorgungsunternehmen die Voraussetzungen, größere Teile der Wertschöpfung selbst abzudecken. Sie stärken ihre Marktposition, verbessern die Kundenschnittstelle und erschließen zusätzliche Ertragsquellen jenseits der etablierten Geschäftsmodelle.

Die Kombination aus der Installationsexpertise eines Handwerksbetriebs sowie der energiewirtschaftlichen Kompetenz gepaart mit der Kundenbasis eines Versorgungsunternehmens bietet erhebliche Wachstumspotenziale.

Unternehmensnachfolge als entscheidender Auslöser

Eine besondere Rolle spielt die Nachfolgeproblematik im deutschen Mittelstand. Viele inhabergeführte Handwerks- und Dienstleistungsunternehmen stehen in den kommenden Jahren vor einem Generationenwechsel. Nicht selten fehlt es an familieninternen oder externen Nachfolgern.

Für Versorgungsunternehmen entstehen daraus attraktive Kauf- bzw. Beteiligungsopportunitäten. Durch die Beteiligung oder den Kauf eines Handwerks- und Dienstleistungsunternehmens leisten Versorgungsunternehmen einen wichtigen Beitrag zum Fortbestand dieser Unternehmen, sichern Arbeitsplätze und wappnen sich für den stark steigenden Bedarf an Dienstleistungen in den Bereichen Elektrotechnik, Netzbau, Heizungs- und Klimatechnik oder Ingenieursdienstleistungen im Kontext der Energiewende.

Dadurch entstehen Transaktionen, die nicht allein finanzielle Motive verfolgen, sondern insbesondere einen regionalwirtschaftlichen Charakter aufweisen.

Transaktionen werden zum Instrument der Transformation

Die Entwicklung fügt sich in einen übergeordneten Trend auf dem Transaktionsmarkt ein. Gerade im Small- und Mid-Cap-Bereich ist ein sehr aktiver Markt für Unternehmenskäufe und Unternehmensbeteiligungen zu beobachten (vgl. M&A-Jahrbuch 2025). Auch für die kommenden Jahre ist eine hohe Aktivität insbesondere bei Unternehmensnachfolgen zu erwarten.


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Unsere Analysen im M&A Jahrbuch 2025 zeigen, dass strategische Entwicklungspotenziale und realisierbare Synergien zunehmend in den Mittelpunkt von Transaktionsentscheidungen rücken. Übertragen auf die Geschäftsmodelle von Versorgungsunternehmen bedeutet dies, dass Akquisitionen insbesondere als Erweiterung bzw. Ergänzung zu den bisherigen Wertschöpfungsaktivitäten betrachtet werden und somit zur Sicherung der Zukunftsfähigkeit des Leistungsportfolios.

Besonderheiten bei Transaktionen im Stadtwerkeumfeld

Beteiligungen und Übernahmen im kommunalen Umfeld unterscheiden sich allerdings von klassischen M&A-Prozessen. Neben wirtschaftlichen Fragestellungen spielen kommunalrechtliche Vorgaben, vergaberechtliche Aspekte, Governance-Strukturen sowie politische Stakeholder eine wichtige Rolle.

Zudem müssen Integrationskonzepte sorgfältig entwickelt werden. Erfolgreiche Transaktionen zeichnen sich dadurch aus, dass die Identität und die Marktposition des übernommenen Unternehmens erhalten bleiben.

Gerade Handwerksbetriebe profitieren von ihrer regionalen Verwurzelung und persönlichen Kundenbeziehungen. Diese Stärken sollten auch nach einer Transaktion bewahrt werden.

Ebenso entscheidend ist die langfristige Bindung von Schlüsselpersonen. Gerade bei Handwerksbetrieben und Dienstleistungsunternehmen liegt der eigentliche Wert des Unternehmens weniger in Maschinen oder Anlagen als vielmehr in erfahrenen Mitarbeitenden und etablierten Kundenbeziehungen.

Wir sind Ihr interdisziplinärer Transaktionsberater

Die zunehmenden Aktivitäten von Stadtwerken und Energieversorgern verdeutlichen, dass erfolgreiche Transaktionen heute weit mehr erfordern als Kaufpreisverhandlungen oder sorgfältige Analysen.

Gefragt sind interdisziplinäre Beratungsansätze, die strategische, finanzielle, steuerliche, rechtliche und regulatorische Fragestellungen gemeinsam betrachten.

Insbesondere im Energiesektor unterstützen wir Unternehmen entlang des gesamten Transaktionsprozesses. Das Leistungsspektrum umfasst die Entwicklung von Akquisitions- und Beteiligungsstrategien, die Identifikation geeigneter Zielunternehmen, Financial und Tax Due Diligence, Unternehmensbewertungen, rechtliche Strukturierung, Vertragsgestaltung sowie die Begleitung der Integration nach dem Closing. Darüber hinaus können energiewirtschaftliche, regulatorische und kommunalrechtliche Fragestellungen in die Transaktionsplanung einbezogen werden.

Fazit

Die Energiewende verändert nicht nur Technologien und Geschäftsmodelle, sondern auch die Zukunfts- und Wachstumsstrategien der Energieversorger. Im Rahmen der Leistungserbringung steht für viele Stadtwerke angesichts des Fachkräftemangels, der Erweiterung des Leistungsportfolios oder neuer Technologien die Frage im Vordergrund, wie sich die dafür erforderlichen Kompetenzen und Kapazitäten dauerhaft sichern lassen.

Beteiligungen und Übernahmen werden daher zunehmend zu einem strategischen Instrument. Sie helfen, Fachkräfteengpässe zu überwinden, neue Geschäftsfelder zu erschließen und die Umsetzungsgeschwindigkeit der Energiewende zu erhöhen. Die Nachfolgeproblematik im Mittelstand eröffnet hierfür interessante Chancen. Wer frühzeitig handelt, sichert nicht nur Kapazitäten, sondern verschafft sich einen nachhaltigen Wettbewerbsvorteil in einem Markt, in dem der Zugang zu Know-how und qualifizierten Mitarbeitern immer stärker über den zukünftigen Erfolg entscheidet.

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