Die deutsche Beteiligungsbranche 2024 – Private Equity zurück auf Wachstumspfad?
Das Jahr 2024 beginnt mit einem herausfordernden Marktumfeld und erwartet dennoch positive Entwicklungen. Die Branche steht vor der Herausforderung, dass die Bewertungen der Zielunternehmen zurückgehen müssten, während Verkäufer weiterhin hohe Kaufpreis-Erwartungen haben. Vor Covid lagen die Rendite-Erwartungen der Käufer bei 20-30 Prozent, jetzt bei 10-20 Prozent. Die erwarteten Wertsteigerungen beruhen heute hauptsächlich auf operativen und strategischen Maßnahmen zur EBIT(DA)-Steigerung, was dazu führt, dass einige Investoren ihre Haltedauer verlängern. Unternehmensnachfolge wird 2024 besonders relevant, da sie zeitlich begrenzt verschiebbar ist.
Trotz herausfordernder Marktbedingungen erwarten fast ein Drittel der Investoren einen baldigen Aufschwung, und es herrscht eine positive Tendenz im Vergleich zum Vorjahr.
Wesentliche Ergebnisse der Private Equity-Studie
- Bei den Transaktionen in Deutschland liegt nach wie vor der Fokus der Finanzinvestoren auf dem Mittelstand, Unternehmen mit einem Umsatz von bis zu 50 Mio. EUR sind im Fokus von 50 Prozent der Studien-Teilnehmer. Sehr große Transaktionen blieben in 2023 Mangelware.
- Eine von drei teilnehmenden Beteiligungsgesellschaften der Studie hat einen ausgewiesenen Branchenfokus. Die IT & Software Branche macht zusammen mit dem klassischen Industrie-Bereich (Industrials) die Hälfte der infrage kommenden Zielunternehmen aus. IT & Software ist mit 24 Prozent die am stärksten fokussierte Branche, gefolgt von Industrials mit 18 Prozent sowie Services und Healthcare mit jeweils 11 Prozent.
- 2023 ging die Anzahl neuer Beteiligungen im Vergleich zu Pre-Covid-Zeiten zurück; für 2024 wird eine Erhöhung der Anzahl erwartet. Die Entwicklung des PE-Marktes hängt stark von den wirtschaftlichen und politischen Rahmenbedingungen ab. Bei positiven Änderungen könnte der Markt schnell auf Vorkrisenniveau zurückkehren. Herausforderungen bestehen aufgrund hoher Preisvorstellungen der Verkäufer, schwer vorhersehbarer Konjunkturentwicklungen, und dem schwierigeren Zugang zu Finanzierungsmöglichkeiten.
- Für 2024 planen 36 Prozent der Befragten keine Exits. Der am häufigsten genannte Dealbreaker bei Exits ist der eingeschränkte Zugang zu Finanzierungsmöglichkeiten, was von 57 Prozent der teilnehmenden Investoren angegeben wurde.
- Das Fundraising als Basis für zukünftige Akquisitionen wurde von den Teilnehmern im Jahr 2023 als schwieriger empfunden.
- Die Marktstimmung im Private Equity Umfeld zeigt 2024 im Vergleich zu 2023 eine leicht positive Tendenz. Während manche Investoren keinen Deal in 2024 eingehen wollen, planen andere gleich mehrere. Die derzeit abwartende Haltung mancher Investoren könnte durch erwartete Zinssenkungen und positive Konjunkturnachrichten aufgelockert werden.
- Das ungenutzte Kapital bei Private-Equity-Investoren ist auf sehr hohem Niveau, u.a. bedingt durch den Rückgang der Transaktionen in 2023, die unsichere Weltwirtschaft, gestiegene Fremdfinanzierungskosten und steigende regulatorische Anforderungen. Der Anlagedruck und der Konkurrenzkampf um krisenresistente Unternehmen werden daher zunehmen. Eine klare Strategie und Fokus auf Wertsteigerung werden entscheidend sein für gute Exits und Returns. Da auch der Bedarf an Nachfolgeregelungen weiter zunimmt wird Deutschland auch im Jahr 2024 ein attraktiver und nachgefragter Markt für Finanzinvestoren sein.