Veröffentlicht am 24. Dezember 2022
Lesedauer ca. 1 Minute

Private Equity: Marktsituation war selten spannender

Jochen Reis
Partner
Diplom-Kaufmann
Björn Stübiger
Partner
Diplom-Betriebswirt (BA)
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Wir blicken auf – in vielerlei Hinsicht – außergewöhnliche Monate für die deutsche Beteiligungs­branche zurück. Getrieben von diversen Faktoren, wie z.B. dem anhaltenden Niedrigzins­umfeld, makroökonomischen Unsicherheiten in den USA und UK sowie der starken Konjunktur, entwickelt sich Deutschland für viele Private Equity-Investoren zu einem sicheren Hafen für Investments. In Folge dessen wird der Markt mit Kapital geflutet, der Wettbewerb um geeignete Targets aus dem deutschen Mittelstand nimmt zu und die gezahlten Kaufpreise steigen an. Diese Entwicklung setzt sich 2018 fort, wie die Einschätzungen der Investoren für die bereits zum 12. Mal durchgeführte Studie über die deutsche Beteiligungsbranche von RÖDL zeigt.

In diesem Umfeld lassen sich für Investoren die gewünschten Renditen mit klassischem Financial Engineering nicht mehr erzielen. Eine Antwort ist deshalb die Stärkung der Buy-and-Build Strategie. Des Weiteren fordern die Familienunternehmer in ihrer starken Verkaufsposition mit einem hohen Wettbewerb konkrete Wachs­tums­perspek­tiven für das Unternehmen und seine Mitarbeiter. Denn obwohl Familien­unternehmer in den letzten Jahren Finanzinvestoren gegenüber weniger skeptischer sind, steht für Sie ihr Lebenswerk zum Verkauf, das nur dann übergeben wird, wenn der geeignete Partner für die künftige Fortführung gefunden ist.

Den Gesellschaftern von Familienunternehmen nehmen dabei die niedrigen Zinsen an den Kapitalmärkten den Druck. Denn eine Unternehmensbeteiligung erzielt aktuell eine weitaus höhere Rendite als die Anlage des Verkaufserlöses, trotzdem ist das Thema der Unternehmensnachfolge sehr präsent und kann zeitlich nur bedingt verschoben werden. Unternehmer­briefing

Somit gewinnt neben der bloßen Bereitstellung von Kapital für operatives, akquisitorisches oder internationales Wachstum das Netzwerk der Private Equity Investoren immer mehr an Bedeutung. Die Familienunternehmer erwarten von ihren Investoren mehr branchenspezifisches Know-how, von dem die Unternehmen profitieren können. Über das Buy-and-Build Konzept werden zudem Synergiepotentiale gehoben und Skaleneffekte umgesetzt.

Im Hinblick auf die kommenden Monate heißt das für die Private Equity Branche: Mit einem inhaltlichen Gesamtkonzept lassen sich trotz des hohen Preisniveaus und der großen Konkurrenz durch andere Finanz­investoren und Strategen geeignete Targets finden. Denn obwohl die Familienunternehmer viel von ihren künftigen Partnern fordern, weicht die Skepsis der Vergangenheit den offensichtlichen Chancen eines finanzkräftigen Partners und zudem muss bei vielen Unternehmen eine Nachfolgelösung gefunden werden.