Trockenheit als Daueraufgabe: Regionale Sparappelle und steigende Lastspitzen zeigen, wie wichtig resiliente Versorgungssysteme und Benchmarking für Wasserversorger werden
- Trockenphasen erhöhen Lastspitzen und belasten Versorgungssysteme
- Resiliente Infrastruktur wird für Wasserversorger immer wichtiger
- Benchmarking stärkt Versorgungssicherheit und Erfahrungsaustausch
Deutschland verfügt weiterhin über eine leistungsfähige und sichere Trinkwasserversorgung. Gleichzeitig verändern längere Trockenphasen und häufigere Wetterextreme die Rahmenbedingungen. Nach Ermittlungen des Umweltbundesamtes treten trockene und warme Perioden häufiger auf und beeinflussen den Wasserhaushalt vieler Regionen. Damit wächst die Herausforderung, Wasserressourcen regional ausgewogen zu bewirtschaften und Versorgungssysteme resilient aufzustellen.¹
Wie sich diese Entwicklung konkret auswirkt, zeigen aktuelle Beispiele aus der Praxis. Die Stadtwerke Jülich riefen ihre Kundinnen und Kunden zuletzt zu einem ressourcenschonenden Umgang mit Trinkwasser auf. Hintergrund waren ausbleibende Niederschläge und hohe sommerliche Temperaturen, die zu deutlich steigenden Verbrauchswerten führten. Besonders auffällig waren dabei die nächtlichen Lastspitzen – eine Phase, die normalerweise zur Wiederbefüllung von Hochbehältern und Speichern genutzt wird. Der normale nächtliche Verbrauch hat sich in Jülich dabei mehr als verdoppelt, was vermutlich unter anderem auf Rasensprengungen und die Befüllung von Pools zurückzuführen ist. Der erhöhte Verbrauch machte deutlich, wie schnell sich Belastungen im Versorgungssystem aufbauen können.²
Auch in Wuppertal rückt das Thema stärker in den Fokus. Dort werben Stadt und Wasserversorger derzeit für einen bewussten Umgang mit Trinkwasser. Im Mittelpunkt stehen trockene Vorjahre sowie die Entwicklung der Wasserstände in der großen Dhünn-Talsperre. Ziel der Kommunikation ist dabei ausdrücklich nicht Alarmismus, sondern Vorsorge: Verbraucherinnen und Verbraucher sollen für einen sparsamen und verantwortungsvollen Umgang mit Trinkwasser sensibilisiert werden.³
Die Beispiele aus Jülich und Wuppertal verdeutlichen eine Entwicklung, die viele Wasserversorger zunehmend beschäftigt. Die Herausforderung liegt vielerorts weniger in einer generellen Wasserknappheit als in regionalen Belastungen, veränderten Verbrauchsmustern und steigenden Spitzenlasten. Wasser steht nicht immer dort und zu dem Zeitpunkt zur Verfügung, an dem die Nachfrage am höchsten ist.
Für die Branche rücken damit Fragen der Resilienz stärker in den Mittelpunkt. Wie flexibel können Systeme auf Lastspitzen reagieren? Sind Speicher- und Verbundstrukturen ausreichend dimensioniert? Welche Rolle spielen Monitoring, Datenanalyse und vorausschauende Betriebsführung? Und nicht zuletzt: Wie gelingt eine Kommunikation mit Kundinnen und Kunden, die informiert und sensibilisiert, ohne Unsicherheit zu erzeugen?⁴
Die deutsche Wasserwirtschaft startet dabei aus einer starken Position. Hohe Qualitätsstandards und eine verlässliche Versorgung bilden weiterhin das Fundament der Branche. Dennoch zeigen die aktuellen Entwicklungen, dass Versorgungssicherheit zunehmend als Daueraufgabe verstanden werden muss – und als gemeinsamer Lernprozess.⁵
Gerade vor diesem Hintergrund gewinnt der Vergleich mit anderen Versorgern an Bedeutung. Benchmarking-Projekte bieten die Möglichkeit, die eigene Leistungsfähigkeit systematisch einzuordnen und Erfahrungen auszutauschen – unter anderem auch im Bereich der Versorgungssicherheit. Der Blick über die eigene Organisation hinaus kann helfen, Stärken sichtbar zu machen und Ansatzpunkte für eine zukunftsfeste Wasserversorgung zu identifizieren.
Mehr Informationen zu den landesweiten Benchmarking-Projekten finden Sie hier: Benchmarking in der Wasserversorgung | RÖDL
1 Umweltbundesamt – Hintergrund zu Trockenheit, Wasserhaushalt und Klimawandel in Deutschland am 28.5.2026: Trockenheit in Deutschland – Fragen und Antworten | Umweltbundesamt
2 Stadtwerke Jülich – Aktuelle Meldung zu steigenden Verbräuchen und sinkenden Reserven im Versorgungsgebiet Jülich am 28.5.2026: Stadtwerke Jülich rufen zum ressourcenschonenden Einsatz von Wasser auf | Stadtwerke Jülich
3 Stadt Wuppertal – Aktuelle Hinweise zur Talsperrensituation und zum vorsorglichen Umgang mit Trinkwasser in Wuppertal am 28.5.2026: Gemeinsam vorsorgen: Trinkwasser bewusst nutzen | Wuppertal
4 Umweltbundesamt – Informationen zu wasserpolitischen Herausforderungen und Maßnahmen für ein resilientes Wassermanagement am 28.5.2026: Nationale Wasserstrategie | Umweltbundesamt
5 DVGW – Einordnung zunehmender Trockenheit und ihrer Bedeutung für die öffentliche Wasserversorgung am 28.5.2026: DVGW e.V.: Trockenheit und Wasserversorgung
Aus dem Newsletter
„Wasser Kompass“ Hier Newsletter
abonnieren