Türkei – Im Gespräch mit unserem Länderexperten Korhan Dengiz
Welche Branchen bergen in der Türkei großes Potenzial für Investitionen?
Die türkische Regierung verfolgt seit 2024 eine wirtschaftspolitische Neuausrichtung mit dem Ziel, makroökonomische Stabilität zu erreichen. Dazu zählen gezielte Steuerreformen sowie umfangreiche Investitionsanreize, insbesondere in strukturschwachen Regionen. Ausländische Direktinvestitionen werden durch Steuervergünstigungen, Zollbefreiungen, günstige Kreditkonditionen und Infrastrukturmaßnahmen gefördert. Zudem wurden regulatorische Hürden für Unternehmensgründungen und Investitionen in den letzten Jahren schrittweise abgebaut.
Besonders großes Potenzial bieten mehrere zukunftsorientierte Branchen. Die Automobil- und Zulieferindustrie ist ein bedeutender Exportmotor des Landes und profitiert von internationalen Partnerschaften und einer gut entwickelten Fertigungsinfrastruktur. Maschinenbau und Elektrotechnik zählen zu den wachstumsstärksten Industriezweigen und bieten Chancen für Technologie- und Know-how-Transfer.
Ein weiterer Fokus liegt auf den Erneuerbaren Energien: Die Türkei verfügt über ein hohes Potenzial für Solar-, Wind- und Geothermieprojekte und verfolgt ambitionierte Ziele zur Reduktion fossiler Energieimporte. Auch die Landwirtschaft und Agrartechnologie gewinnen an Bedeutung – insbesondere durch die zunehmende Technologisierung und den steigenden Bedarf an nachhaltiger Produktion. Darüber hinaus sind der Bausektor und Infrastrukturprojekte weiterhin zentrale Wachstumstreiber. Der Tourismus, einschließlich des stark wachsenden Gesundheitstourismus, bleibt ein bedeutender Devisenbringer. Nicht zuletzt entwickelt sich die Informations- und Kommunikationstechnologie rasant weiter – mit einer lebendigen Start-up-Szene, staatlicher Förderung für Digitalisierung und wachsendem Interesse an Smart-City-Lösungen.
Welchen Herausforderungen steht ein deutscher Unternehmer beim Engagement in der Türkei gegenüber?
Deutsche Unternehmen, die in der Türkei investieren oder dort geschäftlich tätig werden möchten, sehen sich mit einer Reihe spezifischer Herausforderungen konfrontiert. Eine der zentralen Aufgaben besteht im Aufbau vertrauensvoller und langfristiger Partnerschaften – ein Aspekt, der in der türkischen Geschäftskultur von besonderer Bedeutung ist. Ebenso erfordert der Markteintritt ein fundiertes Verständnis der lokalen rechtlichen und steuerlichen Rahmenbedingungen, die sich teils deutlich von den europäischen Standards unterscheiden.
Ein weiterer wichtiger Punkt ist die strategische Bewertung der zahlreichen staatlichen Förderprogramme, insbesondere für produzierende Unternehmen und Neugründungen. Diese bieten zwar attraktive Anreize, setzen jedoch eine sorgfältige Analyse und Planung voraus. Flexibilität und Anpassungsfähigkeit sind essenziell, denn das wirtschaftliche Umfeld in der Türkei ist dynamisch und verlangt von Unternehmen eine hohe Reaktionsgeschwindigkeit. Sprachliche und kulturelle Unterschiede können zusätzliche Hürden darstellen, weshalb interkulturelle Kompetenz und lokale Expertise entscheidende Erfolgsfaktoren sind. Eine frühzeitige, fachkundige Beratung ist daher dringend zu empfehlen.