Veröffentlicht am 2. Juli 2025
Lesedauer ca. 2 Minuten

USA – Im Gespräch mit unserem Länderexperten Matthias Amberg

Matthias Amberg
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CPA, Steuerberater
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Das Investitionsklima in den USA ist im Jahr 2025 von einem Spannungsfeld geprägt.

Wie würden Sie das Investitionsklima in den USA beschreiben? Welche Branchen bergen großes Potenzial?

Das Investitionsklima in den USA ist im Jahr 2025 von einem Spannungsfeld geprägt: Einerseits bestehen weiterhin attraktive Rahmenbedingungen wie eine starke Binnennachfrage, ein innovationsreiches Umfeld und massive staatliche Subventionsprogramme. Andererseits erschwert die zunehmende handelspolitische Unberechenbarkeit unter der neuen US-Regierung verlässliche Planungen, insbesondere für ausländische Investoren. Dennoch bleiben die USA nach wie vor ein interessanter Wirtschaftsmarkt. Gesetzesinitiativen wie der „Inflation Reduction Act“, „Clean Energy Program“, oder der „Chips and Science Act“ stärken gezielt Zukunftsbranchen und fördern Produktion und Technologie, womit sich die USA als führender Industrie- und Technologiestandort positionieren will. Allerdings sind aktuell Bestrebungen der amtierenden Regierung zu beobachten, die auf eine Reduzierung bzw. Aufhebung bestimmter Fördermittel abzielen. Diese Entwicklungen sollten aufmerksam weiterverfolgt werden.

Gleichzeitig sorgt die zunehmend protektionistische Handelspolitik, unter anderem durch kurzfristig eingeführte Zölle und „Buy American“-Vorgaben für Unsicherheit, die sich direkt auf die Investitionsbereitschaft ausländischer Unternehmen auswirkt. Entscheidungen über Investitionen in die USA hängen damit zunehmend von der strategischen Risikobereitschaft und der Anpassungsfähigkeit der Unternehmen ab.

Trotz dieser Herausforderungen bleibt das Investitionsklima insgesamt positiv, insbesondere für Unternehmen mit langfristiger Perspektive, lokaler Präsenz und hoher Eigenkapitalstärke. Die Kombination aus staatlicher Förderung, lokaler Nachfrage und strategischer Marktgröße bietet weiterhin Chancen, insbesondere dann, wenn Unternehmen bereit sind, lokale Produktionskapazitäten und Wertschöpfungsketten in den USA aufzubauen und flexibel auf regulatorische Veränderungen zu reagieren.

Basierend auf den Förderungen bietet sich ein besonders großes Potenzial in den Bereichen Erneuerbare Energien und Umwelttechnik, im Bereich der Informationstechnologie, wie Künstlicher Intelligenz oder Softwareentwicklung, aber auch klassische Sektoren wie die Automobilindustrie sowie das Gesundheitswesen, die Pharmaindustrie und die Biotechnologie bieten für deutsche innovative Unternehmen Potenziale für die künftige Entwicklung, vor allem in Kombination mit einem USA Standort.

Wie schätzen Sie die Optionen für deutsche Unternehmen ein, die in den USA investieren wollen?

Im Jahr 2025 ist die direkte Investition in den US-Markt weiterhin eine strategisch sinnvolle Option, allerdings unter deutlich veränderten Rahmenbedingungen. Der Aufbau einer eigenen US-Geschäftspräsenz – sei es in Form einer Tochtergesellschaft, Joint Venture oder lokalen Produktion – gilt mehr denn je als erfolgreicher Ansatz, um sich Zugang zum Markt zu sichern und sich gleichzeitig gegen handelspolitische Risiken abzusichern. Eine solche Präsenz signalisiert langfristiges Engagement, und ist auch zunehmend erforderlich, um von staatlichen Förderprogrammen zu profitieren und die Chancen bei öffentlichen Ausschreibungen zu erhöhen.

Zudem bevorzugen US-Kunden zunehmend Partner vor Ort. Eine lokale Präsenz erleichtert außerdem die Rekrutierung qualifizierter Fachkräfte, ermöglicht eine höhere Nähe zu Kunden und erlaubt schnellere Reaktionen auf regulatorische Änderungen. Gleichzeitig intensivieren US-Steuerbehörden auf Bundes- und Bundesstaatenebene ihre Anstrengungen, um Steuersubstrate nicht ansässiger Unternehmen zu erfassen. Die US-Steuerbehörden analysieren verstärkt ausländische Unternehmen mit wirtschaftlicher Tätigkeit in den USA, um steuerlich relevante Betriebsstätten oder umsatzsteuerpflichtige Leistungen zu identifizieren. Dies kann auch ohne physische Präsenz erfolgen, etwa bei Montageeinsätzen, digitalen Dienstleistungen oder Plattformmodellen. Eine frühzeitige steuerliche Strukturierung ist daher zwingend erforderlich.​