Das arm‘s-length-Prinzip: Verrechnungspreise in Zeiten des Coronavirus
Seit Dezember 2019 hält das neuartige Coronavirus (Covid-19) China und die Welt in Atem. An vielen Orten in China, nicht zuletzt in Wuhan (Hubei-Provinz) selbst, hat das zur Isolation von Menschen geführt, die Wiederaufnahme der Arbeit verschoben, die Logistik zum Stocken gebracht und die internationale Wareneinfuhr und -ausfuhr eingeschränkt.
Das Coronavirus führt auch zu Störungen und Unterbrechungen internationaler Lieferketten multinationaler Unternehmen nach und in China – einem der wichtigsten globalen Produktionsstandorte und Verbrauchermärkte. Obwohl die damit verbundenen Auswirkungen mit der Eindämmung der Epidemie allmählich abnehmen, wird erwartet, dass sich die Epidemie negativ auf das Betriebsergebnis der meisten multinationalen Unternehmen auswirkt und kurzfristig den Cashflow in China erheblich belastet. Daher könnten multinationale Unternehmen für Transaktionen mit verbundenen Parteien innerhalb der Gruppe in diesem Zeitraum gesonderte Vereinbarungen treffen oder zusätzliche Überprüfungen durchführen.
Verlustanalyse und Dokumentation
Aus Perspektive der Verrechnungspreise könnte die Epidemie dazu führen, dass alle Unternehmen innerhalb der Gruppe vorübergehend keine Gewinne erzielen, die ihrer Funktion und Risiken entsprechen, insbesondere bei multinationalen Unternehmen, die in China Tochtergesellschaften mit Standardfunktionen eingerichtet haben. Das könnte auf der Fall sein, wenn die am besten geeignete Verrechnungspreismethode angewendet wird. Im Allgemeinen sollte eine chinesische Tochtergesellschaft, die Standardfunktionen ausübt, stabile Gewinne erzielen, die ihren Funktionen, Risiken und Vermögen entsprechen. Solche Unternehmen werden häufig von chinesischen Steuerbehörden geprüft, wenn sie Verluste oder geringe Gewinne erzielen.
In diesem Fall nimmt die Gruppe normalerweise Anpassungen bei den Verrechnungspreisen vor, damit die Gesellschaften mit Routinefunktionen in der Wertschöpfungskette die entsprechenden Gewinnen erhalten, während das Hauptunternehmen die verbleibenden Gewinne (Verluste) erzielt. Trotzdem ist es umstritten, ob Verluste chinesischer Tochterunternehmen mit Routinefunktionen, die aufgrund der sich aus höherer Gewalt der Epidemie ergebenden unzureichenden Inbetriebnahme und Verkäufen erzeugt werden, weiterhin von dem Hauptunternehmen getragen werden sollte, das wichtige Funktionen in der Wertschöpfungskette wahrnimmt und große wirtschaftliche Risiken trägt. Wir empfehlen, zwischen Verlusten in verschiedenen Stadien (z.B. während der Epidemie und während der Erholungsperiode nach dem Ende der Epidemie) zu unterscheiden und entsprechende Dokumente zu erstellen, um zu erklären, welche Partei die durch die Epidemie verursachten Verluste tragen sollte, sodass Verrechnungspreisrisiken bei allen Parteien verringert werden.
Finanzielle Unterstützung
Darüber hinaus kann es aufgrund der Auswirkungen der Epidemie zu Problemen beim Cashflow chinesische Tochtergesellschaften kommen. Wir empfehlen der Gruppe, aktiv mit allen Parteien zu kommunizieren, Marktschwankungen und Angebotsänderungen genau zu verstehen, die Liquidität chinesischer Tochtergesellschaften dynamisch zu bewerten und verschiedene Unterstützungen rechtzeitig bereitzustellen, um zu verhindern, dass die Kapitalkette bricht:
Gruppeninterne Finanzierung, einschließlich der Gewährleistung von Darlehen durch Drittfinanzinstitute
Gruppeninterne Finanzierung ist wahrscheinlich die direkteste Form der Finanzierungsunterstützung. Bei der Finanzierung von verbundenen Unternehmen muss die Gruppe jedoch nicht nur Themen wie Zinssätze, Steuerbelastungen und Auslandsschuldenquoten umfassend berücksichtigen, sondern auch zusätzlich prüfen, ob zwischen verbundenen Unternehmen eine Unterkapitalisierung vorhanden ist. Falls die vom Unternehmen an verbundene Parteien tatsächlich gezahlten Zinsaufwendungen das entsprechende Verhältnis von Schulden zu Eigenkapital (5:1 für Finanzunternehmen und 2:1 für andere Unternehmen) übersteigt, dürfen diese im laufenden Jahr und in den Folgejahren nicht abgezogen werden, außer wenn das Unternehmen Informationen zum Nachweis vorlegen kann, dass die Transaktionen mit dem Arm’s-Length-Prinzip übereinstimmen. Hierbei ist zu beachten, dass die an Drittfinanzinstitute gezahlten Garantiegebühren, die mithilfe der Garantie der verbundenen Parteien erhalten werden, auch auf das oben genannte Verhältnis begrenzt sind.
Entschädigung
Wie oben erwähnt, ist die Entschädigung auch eine Möglichkeit zur Unterstützung der Finanzierungskette für chinesische Tochtergesellschaften. Die Gruppe muss jedoch sorgfältig analysieren und Dokumente erstellen, in welchem Namen die Entschädigung vorgenommen wird, um sicherzustellen, dass die Entschädigung auf der Ebene des Hauptunternehmens vor der Steuer abgezogen werden, und die Umsatzsteuer der chinesischen Tochtergesellschaft gesenkt wird. Das Ziel ist, die Gruppensteueroptimierung zu erreichen. Inzwischen sind relevante Verträge und Dokumente im Voraus vollständig mit der Bank und der State Administration of Foreign Exchange („SAFE”) zu kommunizieren, um die reibungslose Abwicklung der entsprechenden Entschädigung zu gewährleisten.
Anpassung der Preismethode für Transaktionen mit verbundenen Parteien und Verlängerung des Zahlungszeitraums
Langfristig gesehen werden Anpassungen der Verrechnungspreismethode der Transaktionen mit verbundenen Parteien und die Verlängerung der Zahlungsfristen während der Epidemie auch dazu beitragen, den Druck auf die Kapitalkette chinesischer Tochtergesellschaften zu mildern. Zusätzlich dazu empfehlen wir, entsprechende Dokumente vorzubereiten, um für potenzielle Herausforderungen im Zusammenhang mit den Steuer- und Zollbehörden diverser Länder gewappnet zu sein. Während chinesische Gesellschaften aktiv gegen die Epidemie kämpfen und sich auf die Wiederaufnahme der Arbeit vorbereiten, sollten sie auch die aktuellen Steuerrichtlinien beachten und Maßnahmen zur richtlinienkonformen Reduzierung der Steuerlast ergreifen. Multinationalen Unternehmensgruppen empfehlen wir, aktiv miteinander zu kommunizieren und entsprechende Dokumente zu erstellen, um potenzielle Verrechnungspreisrisiken zu vermeiden und die Rationalität der Verteilung von Gewinnen (Verlusten) durch alle Parteien während der Epidemie begründen zu können. Darüber hinaus ist der Wendepunkt der Epidemie noch unklar. Um einen geregelten Cashflow zu gewährleisten, ist die Unternehmensgruppe angehalten, verschiedene Methoden in Betracht ziehen, um chinesische Tochtergesellschaften rechtzeitig und effektiv unterstützen zu können.