Veröffentlicht am 24. Juni 2026
Lesedauer ca. 2 Minuten

Vietnam auf dem Weg zum Schlüsselmarkt in Asien

  • Aus dem Wirtschaftsmagazin "Entrepreneur", Ausgabe 2026
Michael Wekezer
Partner
Rechtsanwalt
Lutz Koch
Associate Partner
Rechtsanwalt, Registered Foreign Lawyer (Hanoi)
Vietnam gewinnt rasant an Bedeutung als Investitionsstandort in Asien. Umfangreiche Reformen seit 2025 stärken die Wettbewerbsfähigkeit und schaffen neue Chancen für internationale Unternehmen – insbesondere in Produktion, Vertrieb und Infrastruktur.

Mit seinen über 100 Millionen Einwohnern ist Vietnam ein attraktiver Investitionsstandort in Asien und hat seine Integration in globale Lieferketten ausgebaut, vor allem in der Produktion und im Export von Computern, Smartphones und anderen elektronischen Gütern, Textilien, Agrarprodukten, Schuhen und Möbeln. Um ein günstigeres Geschäftsumfeld zu schaffen und die Anziehungskraft des Landes für ausländische Direktinvestitionen (FDI) weiter zu steigern, setzt Vietnam seit Anfang 2025 umfassende regulatorische Reformen um.

Diese Maßnahmen sind Teil einer Strategie, die wirtschaftliche Entwicklung zu fördern und die Wettbewerbsfähigkeit des Landes zu erhöhen. Besonders im Bereich der Produktion, des Vertriebs und der Infrastrukturprojekte wurden wichtige Schritte unternommen, die wesentliche Auswirkungen auf ausländische Direktinvestitionen sowie auf Vertriebs- und EPC-Projekte in Vietnam haben.

Liberalisierung von Investitionsverfahren und Förderprogramme

Die vietnamesische Regierung hat die administrativen Prozesse für die Registrierung und Genehmigung von Investitionsprojekten deutlich vereinfacht. Digitale Plattformen ermöglichen eine schnellere Bearbeitung von Anträgen, wodurch die Bürokratie reduziert und die Transparenz erhöht wird. Die Zahl der für ausländische Investoren nicht zugänglichen Branchen sowie der erforderlichen Lizenzen wurde verringert. „Green Lane“-Verfahren zur Bündelung von Genehmigungsprozessen stehen bereit.

Um Kapitalgeber anzuziehen, wurden neue steuerliche Vergünstigungen eingeführt. Dazu zählen reduzierte Körperschaftssteuersätze für ausgewählte Sektoren wie Hightech, erneuerbare Energien und die verarbeitende Industrie. Ergänzend gibt es Förderprogramme für Unternehmen, die Forschung und Entwicklung in Vietnam betreiben.

Infrastrukturentwicklung und PPP-Modelle

Ein zentraler Bestandteil der Reformen ist die Förderung von Infrastrukturprojekten durch Public-Private Partnerships (PPP). Neue rechtliche Rahmenbedingungen für EPC-Verträge (Engineering, Procurement, Construction) schaffen mehr Transparenz und Sicherheit für Investoren und erleichtern die Finanzierung großer Vorhaben in den Bereichen Transport, Energie und Versorgung

Stärkung des Finanzsektors

Die Regierung hat Maßnahmen ergriffen, um den Zugang zu Kapital zu verbessern. Dazu gehören die Liberalisierung des Bankensektors, die Förderung von Green Finance und die Einführung neuer Finanzinstrumente, die speziell auf ausländische Investoren zugeschnitten sind. Die neuen International Finance Centres in Ho-Chi-Minh-Stadt und Da Nang sollen zudem den Zugang zu globalen Kapitalmärkten erleichtern.

Freihandel

Das 2020 in Kraft getretene EU-Vietnam Freihandels abkommen öffnet den vietnamesischen Markt für europäische Dienstleister und schafft zusätzliche Rechtssicherheit. Davon profitieren unter anderem die Bereiche Transport, Telekommunikation, Finanzdienstleistungen und E-Commerce. Das begleitende Investitionsschutzabkommen wird nach seiner Ratifizierung zusätzliche Garantien bieten. Verbesserte Logistikinfrastruktur und weitere regionale Handelsabkommen erleichtern den Zugang zu regionalen und globalen Märkten.

Fazit

Vietnam hat in den vergangenen zwei Jahren entscheidende Reformen umgesetzt, die das Land für ausländische Direktinvestitionen noch interessanter machen. Durch die Kombination aus administrativer Vereinfachung, steuerlichen Vorteilen, Arbeitsrechtsreformen und Infrastrukturentwicklung positioniert sich Vietnam als dynamischer Standort in Südostasien. Diese Reformen haben bereits sichtbare Ergebnisse gezeigt. Im Jahr 2025 stieg das Volumen der neu registrierten FDI-Projekte um über 40 Prozent, wobei die verarbeitende Industrie und die Energieversorgung im Fokus standen. Länder wie Singapur, Südkorea und China gehören zu den größten Kapitalgebern, was die zunehmende Bedeutung Vietnams als regionales Investitionszentrum in Asien unterstreicht. Für internationale Investoren eröffnen sich vielfältige Möglichkeiten, insbesondere in den Bereichen Produktion, Vertrieb und Infrastrukturprojekte. Die kontinuierliche Modernisierung der rechtlichen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen zeigt, dass Vietnam entschlossen ist, seine Rolle als führendes Investitionsziel in der Region weiter auszubauen.

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